Aleksandar Pavlovic und Michael Olise (beide FC Bayern) bejubeln das Tor von Olise gegen Paris Saint-Germain.
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Aleksandar Pavlovic und Michael Olise (beide FC Bayern) bejubeln das Tor von Olise gegen Paris Saint-Germain.
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Aleksandar Pavlovic und Michael Olise (beide FC Bayern) bejubeln das Tor von Olise gegen Paris Saint-Germain.

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FCB-Spektakel in der Kritik: Ist das Fußball oder kann das weg?

FCB-Spektakel in der Kritik: Ist das Fußball oder kann das weg?

Wenn der FC Bayern spielt, sind derzeit Tore garantiert. Egal ob in den Spitzenspielen der Champions League oder im Bundesliga-Alltag. Experten kritisieren die offensive Spielweise von München und PSG – doch die wollen davon nichts wissen.

Über dieses Thema berichtet: Blickpunkt Sport am .

3:3, 5:4, 4:3, 2:0, 4:2, 4:3 – die jüngsten Ergebnisse des FC Bayern lesen sich eher wie die Endstände in einer Eishockey-Partie als die eines Spitzen-Fußballteams. Die Münchner haben in der Bundesliga den Jahrzehnte alten Torrerekord (101 Treffer) längst pulverisiert, aber kassieren auch viele Treffer. Durchschnittlich fielen in den vergangenen 18 Spielen des FCB mehr als fünf Treffer pro Partie.

"Spiel des Jahrhunderts": Weltweit Lob für PSG gegen Bayern

Viele Fans, Journalisten und Experten kommen angesichts des Kompany-Fußballs ins Schwärmen. Besonders die Champions-League-Auftritte gegen Real Madrid und das 4:5-Spektakel gegen Paris Saint-Germain im Halbfinale ernteten Lobeshymnen. Vom "Spiel des Jahrhunderts" schrieb etwa "La Gazzetta dello Sport". Ex-FC-Bayern-Spieler Alexander Zickler sagte am Sonntag bei Blickpunkt Sport: "Es wird alles intensiver, schneller, aggressiver. Ich finde das gut. Aber ich habe es auch gerne, wenn die Jungs kicken können. Bei Paris und Bayern können sie beides."

Rooney, Seedorf, Melli: Star-Kritik am Offensiv-Wahnsinn

Doch längst nicht alle können dem Spektakel-Fußball etwas abgewinnen. "Die Defensive von beiden Mannschaften war wirklich schlecht", ordnete der ehemalige Weltklasse-Stürmer Wayne Rooney bei Amazon Prime ein, und kritisierte den Pariser Trainer: "Luis Enrique ist ein Top-Trainer. Als seine Mannschaft 5:2 vorn lag, hätte er ihr sagen sollen: Lasst uns den Laden dichtmachen und in die Defensive begeben".

Auch Clarence Seedorf stellte beiden Mannschaften kein gutes Attest aus und setzte auf einen Champions-League-Sieger aus dem deutlich weniger spektakulären zweiten Halbfinale zwischen Arsenal und Atletico Madrid. Dort endete das Hinspiel 1:1 - beide Tore wurden vom Elfmeterpunkt erzielt. "Nennt mir einen Sport, in dem man ohne vernünftige Defensive gewinnen kann. Ich glaube nicht, dass es diesen gibt", erklärte Seedorf, der als Spieler mit der AC Milan, Real Madrid und Ajax Amsterdam insgesamt fünfmal den Henkelpott gewinnen konnte.

"Mir wird regelrecht übel" - Melli mit Schimpftirade

Der ehemalige italienische Stürmer Alessandro Melli äußerte sich auf Facebook noch drastischer: "Ich schwimme gegen den Strom, aber zwischen VAR und einem Spiel, in dem es weder um Verteidigung noch um Manndeckung oder einen Mittelfeldblock geht, wird mir von diesem Fußball regelrecht übel", schrieb Melli und lederte weiter: "Wisst ihr, wer diesen Fußball liebt? Die Fernsehsender, die Kommentatoren und die Fans, die sich über Tore freuen, aber nichts von diesem Spiel verstehen."

"Beschissene Meinungen" - Enrique kontert Kritik

PSG-Trainer Enrique sieht das komplett anders. "Es war das beste Spiel, das ich als Trainer erlebt habe", hatte er am Dienstag nach dem 5:4 seines Teams sichtlich begeistert auf der Pressekonferenz gesagt. "Ein unglaublicher Rhythmus, beide Teams haben versucht, offensiv zu spielen und ihre Qualität zu zeigen", fasste der Spanier zusammen: "Ich denke, dass jeder Spaß an dem Spiel hatte."

Wenige Tage später darauf angesprochen, dass nicht alle Spaß hatten und es auch kritische Stimmen zu der Spielweise von PSG und FC Bayern gab, reagierte Enrique recht unverblümt: "Es ist wie im Leben, es gibt überall Meinungen. Und ich denke, dass es nicht wichtig ist, alle Meinungen zu respektieren", erklärte Enrique und setzte noch einen drauf: "Denn wenn es eine beschissene Meinung ist, muss man die nicht respektieren."

Max Eberl verteidigt Bayerns DNA: "Pervers geil" statt 1:0

Und auch Sportvorstand Max Eberl kann der Kritik an den Spektakel-Spielen der Münchner nicht viel abgewinnen: "Die Grund-DNA willst du nicht ändern", sagte Eberl. "Das Spiel gegen Paris am Dienstag war pervers geil, wenn ich das etwas salopp sagen darf. Das ist das, was den Fußball ausmacht: Offensive. Dann sagt man oft: 'Ja, aber die Defensive.' Wir könnten auch andere Spiele haben, wo die Defensive dominiert. Dann geht es 1:0 aus mit einem Eckballtor. Was will man? Wir haben uns für die DNA entschieden, aktiv Fußball zu spielen."

Guardiolas spitzer Witz: Warum Stockport wichtiger war

Die "heftigste" Kritik am Duell zwischen PSG und FCB kam übrigens von Pep Guardiola. Der ehemalige FC-Bayern-Trainer war während des Champions-League-Spiels am Dienstag auf der Tribüne vom englischen Drittligisten Stockport County gesichtet worden und erklärte seine Entscheidung mit einer gesalzenen Portion Ironie.

"Am Tag davor habe ich mir den Spielplan angesehen, habe PSG gegen Bayern München gesehen und mir gesagt: 'Was für ein katastrophales Spiel. Die Trainer sind nicht gut, echt beschissene Spieler'", erzählte Guardiola trocken und fügte an: "Ich liebe den englischen Fußball, also entschied ich mich für Stockport." Es ist zu bezweifeln, dass Guardiola diesen Fehler beim Rückspiel am Mittwoch noch einmal begeht - schließlich hat Stockport spielfrei.

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