Wendy Holdener, Camille Rast, Paula Moltzan, ja sogar Mikaela Shiffrin – keine der Slalom-Topstars konnten Emma Aicher im Slalom der Team-Kombination schlagen. Mit einer grandiosen Aufholjagd und Laufbestzeit führte die 22-jährige Deutsch-Schwedin ihr Zweierteam mit Kira Weidle-Winkelmann zu Silber. Für die nervenstarke Aicher war es die zweite Medaille im zweiten Rennen.
Cool im Kurs, hoher Puls beim Zuschauen
Nervenstark? Unbedingt. Allerdings erst, als sie selber fahren durfte. Vorher, so verriet sie im ZDF, "war ich noch nie so nervös, wenn ich jemand anderem zuschaue". Weidle-Winkelmann ging es da genauso: "Ich fahre auch lieber selber. Ich hatte noch nie so einen Puls." Ihr Fazit des erfolgreichen Tages: "Es ist unglaublich, das als Team gemeinsam zu schaffen. Unbeschreiblich. Emma ist einen richtig geilen Slalom gefahren. Das wird heute gescheit gefeiert."
"Emma hat zu 100 Prozent abgeliefert, ein Wahnsinnstag!" Kira Weidle-Winkelmann
Der Olympiasieg ging sensationell an Team Österreich 2 mit Ariane Rädler und Katharina Huber. Rang drei belegte USA 2 mit Jacqueline Wiles und Paula Moltzan. Die Topfavoritinnen und Weltmeisterinnen Mikaela Shiffrin und Breezy Johnson (USA), die in Cortina d'Ampezzo nach der Abfahrt noch vorne gelegen hatten, wurden nur Vierte. Slalom-Queen Shiffrin verlor in ihrer Spezialdisziplin die Nerven, belegte am Ende im Slalom nur den 15. Platz..
Nervenstarke Emma Aicher lässt sogar Shiffrin stehen
Ganz anders Emma Aicher: Zwei Tage nach ihrem Silber-Coup in der Abfahrt, wo sie Gold auch nur um 0,04 Sekunden verpasst hatte, schob sie das DSV-Duo mit Slalom-Bestzeit noch von Rang sechs aufs "Stockerl". Cool und hochkonzentriert zauberte sie einen fehlerfreien Lauf in den Kurs und setzte ihre Konkurrentinnen so unter Druck.
Video: Weidle-Winkelmann und Aicher holen Silber in der Team-Kombination
Kira Weidle-Winkelmann und Emma Aicher
Rückstand nach der Abfahrt in Grenzen gehalten
Dabei hatte Aicher ein dickes Brett zu bohren: Der Rückstand auf Bronze betrug nach der Abfahrt 0,47 Sekunden, Gold war 0,74 Sekunden weg. Eine Medaille? Mehr Wunschdenken als realistische Option. Doch Weidle-Winkelmann war da schon optimistisch: "Das ist eine ganz gute Ausgangsposition für die Emma, der Abstand ist noch nicht allzu groß, es ist noch alles möglich."
Die Speed-Spezialistin war sieben Hundertstelsekunden langsamer gewesen als in der Spezialabfahrt, in der sie Platz neun belegt hatte. "Es war eine ganz solide Leistung", sagte sie und erklärte: "Von der Sicht her war es deutlich diffuser, die Schläge werden auch immer mehr."
Teamfeeling motivierte zu Topleistung
Doch der Teamgedanke trug auch sie. "Man hat immer im Hinterkopf: Man fährt für Deutschland – und es geht um Medaillen", sagte "KWW". Das beherzigte auch Aicher, der der kurze Wechsel von der schnellen Abfahrt auf den Slalom nichts ausmachte. "Ich find's richtig cool. Man hat sonst nicht so ein Teamfeeling", sagte sie. Ab sofort ist sie dann wieder alleine unterwegs und sieht auch dem gelassen entgegen: "Ich nehme es von Tag zu Tag." Mit dieser Einstellung, dieser unbekümmerten Art, ist sie bisher gut gefahren.
Es wäre ihr zu wünschen, dass sie sich diese Herangehensweise auch für den Rest der Winterspiele beibehalten kann. Denn in Tagträume zu verfallen, wäre bei der bisherigen Ausbeute – zwei Silbermedaillen in zwei Rennen – nur allzu leicht. Auf die Alleskönnerin wartet ein straffes Programm, schließlich tritt sie als einzige Athletin in allen Disziplinen an.
Am Donnerstag geht sie im Super-G auf Medaillenjagd, ehe sie am Sonntag im Riesenslalom startet. Der Abschluss ist dann der Slalom am Mittwoch kommende Woche. Mit der heutigen Demonstration gehört die 22-Jährige dort definitiv zu den Favoritinnen. Und vielleicht klappt es im Kampf um die Hundertstel zumindest einmal mit der Goldmedaille.
Video: Die Siegerehrung
Emma Aicher (Deutschland) in Aktion.
Video: Aicher souverän durch den Stangenwald
Kira Weidle-Winkelmann (l.) und Emma Aicher (r.) jubeln mit ihren Silbermedaillen über den zweiten Platz bei Olympia 2026.
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