Emma Aicher nach der Abfahrt in Cortina d'Ampezzo
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Emma Aicher nach der Abfahrt in Cortina d'Ampezzo

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Ski-Wunder Emma Aicher – das große Versprechen löst sich ein

Ski-Wunder Emma Aicher – das große Versprechen löst sich ein

Emma Aicher rast in Cortina zur zweiten Olympia-Silbermedaille – ihrer ersten im Einzel. Die 22-Jährige riskiert alles, verpasst Gold um 0,04 Sekunden und bestätigt ihren Status als große Hoffnung des deutschen Ski-alpin-Teams.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport im Radio am .

Das Phänomen Emma Aicher ist um eine dicke Fußnote reicher. Wobei Fußnote für das, was sie mit ihren 22 Jahren in Cortina d'Ampezzo erreicht hat, eine ziemliche Untertreibung ist. Aicher hat ihre zweite olympische Silbermedaille gewonnen. Nachdem sie es als Internatsschülerin in Berchtesgaden im Alter von 18 Jahren bei Olympia 2022 Silber im Team gewonnen hatte, raste sie nun zu ihrer ersten Einzelmedaille.

Wilde Abfahrt: Aichers Silberlauf in Cortina 2026

Es war ein wilder Lauf, den sie da in den eisigen, holprigen Schnee der legendären Strecke "Olimpia delle Tofane" setzte. Mit den malerischen Dolomiten im Hintergrund sah es nicht unbedingt elegant aus, wie Aicher sich die Abfahrtsstrecke herabstürzte. Doch um die B-Note geht es beim alpinen Skifahren, speziell bei der Abfahrt, bekanntermaßen ohnehin nicht.

Dafür konnte Aicher dort punkten, wo es wichtig ist: Sie kämpfte, ging voll ins Risiko – und sie traute sich. Immer wieder wechselte die Zeitmessung von rot auf grün und wieder zurück. Aicher lieferte sich ein spektakuläres Kopf-an-Kopf-Rennen mit der 30-jährigen, viel erfahreneren Breezy Johnson (USA). Am Ende leuchtete die Uhr rot. +0,04 stand da. Nur um vier Hundertstel verpasste sie den ultimativen Coup.

Im Video: Emma Aichers Silberlauf

Emma Aicher bei der Olympia-Abfahrt
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Emma Aicher bei der Olympia-Abfahrt

Aicher: "Dachte nicht, dass es sich ausgeht"

Aicher wirkte im Ziel nicht unbedingt zufrieden: "Ich kann es nicht einschätzen. Ich habe nicht richtig das gemacht, was ich machen wollte", erklärte sie im ZDF und bezeichnete ihren Ritt als "wild". "Mich hat es bei jeder Welle aufgerissen", sagte sie und klang so gar nicht nach jemandem, der gerade eine historische Fahrt in den Schnee gezeichnet hatte.

Und auch eine Stunde später nicht unbedingt: "Joa. Ich dachte nicht, dass es sich ausgeht. Aber es ist natürlich schon geil", sagte sie und bestätigte wenig später im ARD-Interview ihren abgeklärten Eindruck: "Ich fokussiere mich nicht auf Medaillen. Es ist cool, dass es sich ausgeht. Aber im Endeffekt muss ich Skifahren und mich darauf konzentrieren." Deutlich emotionaler reagierte da Teamkollegin Kira Weidle-Winkelmann am ARD-Mikrofon auf die Frage nach Aicher: "Überragend. Ohne Worte. Die ist so abgezockt und cool wie sie das macht – genau an diesem Tag so zu liefern. "

Vom Talent zur Hoffnung des deutschen Ski-Teams

Aicher hat in ihren jungen Jahren die Bürde auferlegt bekommen, die Olympia-Hoffnung des Deutschen Skiverbands (DSV) zu sein. Eine Bürde, die vermutlich noch schwerer wiegt als die Bürde, die Hoffnung des DSV im Weltcup-Alltag zu sein. Seit Jahren gilt sie als das große Versprechen im deutschen Skisport. Vielleicht gar eines der größten, die der DSV jemals hatte.

Dieses Versprechen löst sie mittlerweile ein. Nachdem die hochtalentierte Rennfahrerin in den Vorsaisons ihr Potenzial immer wieder aufblitzen ließ, aber häufig DNFs und DNQs sammelte, also Rennen oft nicht im Ziel oder den Weltcup-Punkten beendete, ist sie nun die beste Deutsche im Weltcup-Zirkus. Sie steht aktuell auf Rang drei im Gesamt-Weltcup.

Alle Disziplinen im Griff: Aichers Alleinstellungsmerkmal

Ein Umstand, der auch an ihrem Alleinstellungsmerkmal liegt: Als einzige Athletin startet Aicher in allen Disziplinen: Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Slalom - und das ziemlich erfolgreich. Nur im Riesenslalom stand sie in dieser Saison nicht auf dem Podest, wurde allerdings in Spindlermühle kurz vor Olympia Zehnte.

Und auch bei den Olympischen Spielen in Cortina hat Aicher diese Sonderrolle inne. Auch hier startet sie in allen vier Einzeldisziplinen. Der Stern der jungen Ausnahme-Athletin geht gerade erst auf. Nicht nur, was ihre gesamte Karriere angeht, sondern womöglich auch, was Olympia 2026 angeht. Es könnten die Emma-Aicher-Festspiele werden – oder wie sie selbst dazu wahrscheinlich sagen würde "Joa."

Video: Emma Aicher im Interview im deutschen Haus nach ihrer Silber-Abfahrt

Emma Aicher im deutschen Haus
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Emma Aicher im deutschen Haus

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