Normalerweise beantworten Qualifikationsspiele die großen Fragen. Reicht es für die WM? Wer hält dem Druck stand? Wer löst das Ticket?
Vor dem letzten Gruppenspiel der deutschen Fußballerinnen in Slowenien (Dienstag, 9.6.2026, live in der Radioreportage bei Sportschau.de) ist die größte dieser Fragen längst geklärt. Das Ticket für die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien hat die DFB-Auswahl bereits in der Tasche. Bundestrainer Christian Wück beschäftigt deshalb etwas anderes: Wer darf am Ende mitfliegen?
WM-Ticket sicher - doch Wücks Arbeit beginnt erst
Während die Spielerinnen nach dem 2:0 gegen Norwegen die erfolgreiche WM-Qualifikation feierten, denkt Wück schon einen Schritt weiter. Oder mehrere. Konkurrenzkampf, Entwicklung, Brasilien-Vorbereitung – die To-do-Liste des Bundestrainers ist auch nach dem gelösten WM-Ticket noch erstaunlich lang. Wer nach dem Norwegen-Sieg auf fränkische Gemütlichkeit gehofft hatte, wird von Wück enttäuscht.
"Es geht nicht mehr um die WM-Quali", sagte Wück vor der Partie in Ljubljana. Entsprechend wird er seine Mannschaft auf mehreren Positionen umbauen. Von einem lockeren Schaulaufen will der 53-Jährige allerdings nichts wissen.
Warum das Slowenien-Spiel zur Bewährungsprobe wird
"Unsere Hauptaufgabe wird sein, Lösungen zu finden", sagte Wück. Slowenien dürfte ähnlich auftreten wie Österreich beim ernüchternden 0:0 im April: tief stehen, Räume eng machen, auf Konter lauern. Genau gegen solche Gegner sieht der Bundestrainer noch Entwicklungspotenzial.
Deshalb spricht Wück trotz der entspannten Tabellensituation lieber von einer "Bewährungsprobe". Ein Wort, das deutlich macht, wie der Bundestrainer dieses Spiel betrachtet: Nicht als Pflichttermin vor der Sommerpause, sondern als nächsten Baustein auf dem Weg zur WM.
Rotationen, Rückkehrerinnen und der Kampf um WM-Plätze
Vor allem aber geht es um die Spielerinnen, die bislang nicht immer in der ersten Reihe standen. "Wir haben Spielerinnen in der Hinterhand, die mit den Hufen scharren", sagte Wück. Der Konkurrenzkampf sei längst entbrannt. Gegen Slowenien soll er weiter befeuert werden.
Die Chancen dafür sind da. Janina Minge kehrt nach ihrer abgesessenen Rotsperre zurück und wird die verletzte Giulia Gwinn als Kapitänin vertreten. Andere Spielerinnen dürfen ebenfalls auf Einsatzzeit hoffen. Nur Senkrechtstarterin Marie Müller, die bei ihrem Debüt gegen Norwegen direkt traf, wird nach Wücks Ankündigung nicht in der Startelf stehen.
Der Konkurrenzkampf ist eröffnet - oder längst entbrannt
Der Bundestrainer macht dabei keinen Hehl daraus, worum es ihm geht. Er wolle den Konkurrenzkampf mit Blick auf die WM "bestätigen". Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Die Hierarchie im Kader steht nicht für alle Positionen fest.
Wücks WM-Plan: Scouting, Testspiele und Reise nach Brasilien
Während die Spielerinnen nach dem Spiel in die Sommerpause starten, beginnt für Wück ohnehin schon die nächste Etappe. Der Bundestrainer will zeitnah nach Brasilien reisen, um sich vor Ort ein Bild für die WM-Planungen zu machen. Dazu kommen Scoutingtouren, Vereinsbesuche und die Suche nach passenden Testspielgegnern für die Vorbereitung.
Die Qualifikation ist geschafft. Zufrieden zurücklehnen will sich Wück deshalb noch lange nicht. Oder anders gesagt: Das Ticket nach Brasilien ist gebucht. Die Sitzordnung wird noch ausgehandelt.
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