Die Olympischen Spiele sind das Karriere-Highlight vieler Sportler. Aber der Alltag danach trifft viele Athleten unerwartet: Leere, Traurigkeit und Schlaflosigkeit über Monate, manchmal sogar Jahre, begleiten viele Sportler. Dabei ist es egal, ob die sportlichen Ziele erreicht wurden oder nicht. Die emotionale Leere kann jeden treffen. Dieses Phänomen nennt sich 'Post-Olympia-Depression'.
ARD- und BR-Moderatorin Esther Sedlaczek findet heraus, welche Dimension das Phänomen hat, wie Athleten mit dem psychischen Druck von Olympia umgehen und warum heute zwar immer häufiger über psychische Herausforderungen gesprochen wird – es aber weiterhin ein Tabu-Thema ist. Die Dokumentation "Die Last der Spiele - Druck. Leere. Post-Olympia-Depression" ist ab dem 13. Februar in der ARD Mediathek, am 1. März um 16:50 Uhr in der ARD.
Bredow-Werndl: Hatte das Gefühl, "ich bin gar nichts wert"
Vor den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina stellt sich Esther Sedlaczek die Frage, welchen Stellenwert Olympische Spiele im Leben der Sportler haben und wie es ihnen danach psychisch geht – genau dann, wenn die mediale Aufmerksamkeit wieder vorbei ist.
In dem Film von Franziska Niebert und Daniela Agostini gibt Jessica von Bredow-Werndl, Doppel-Olympiasiegerin von Tokio 2020 und Paris, einen emotionalen Einblick in ihre Gefühlswelt. Sie weiß, wie schwer die Last Olympischer Spiele sein kann: "Olympia ist das Höchste, was wir erreichen können", erzählt sie. "Und nach dem Hoch kann man natürlich auch tief fallen, weil viele sich danach denken: Ja und jetzt? Ich habe noch nie in meinem Leben so eine Leere gespürt wie da. Am Peak meines Sportlerlebens angekommen, sitze ich da und habe das Gefühl gehabt, ich bin eigentlich gar nichts wert."
Ricarda Funk: "War es das alles wert?"
Auch Ricarda Funk kennt solche Gefühle. Nach den Olympischen Spielen in Paris 2024 steckte die Kanutin in einem mentalen Tief. Nach ihrem Olympiasieg in Tokio 2021 verpasst sie drei Jahre später in Frankreich knapp eine Medaille: "Man stellt sich die Frage: War es das alles wert? Ist es das alles wert, was ich da reinstecke, nur dass man im Endeffekt am Ende vielleicht diese eine Medaille gewinnt?"
Ricarda Funk wird auf ihrem Weg aus dem mentalen Loch von Esther Sedlaczek begleitet. Sie versucht in den weiteren Begegnungen, das Tabu rund um mentale Probleme im Spitzensport aufzubrechen.
Tabu aus Angst?
Auch Skeletoni Axel Jungk kennt die Höhen und Tiefen einer Sportler-Karriere. In Mailand und Cortina nimmt er an seinen dritten Olympischen Spielen teil, hat beste Chancen, am Freitagabend eine Medaille zu gewinnen. Ihm ist es wichtig, offen über mentale Herausforderungen zu sprechen. Er glaubt, dass Athleten aus Angst vor Konsequenzen oft nicht über ihre psychischen Probleme sprechen wollen.
Dieses Tabu sei in der Gesellschaft immer noch zu verankert. Das weiß auch Sven Hannawald: "Ich glaube, die alte Generation, wie ich ja auch aufgewachsen bin, ist einfach nur: Die Harten kommen in Garten. Und heute merkst du schon, dass speziell auch die neue Generation anders damit umgeht", bestätigt der ARD-Skisprung-Experte und Botschafter für mentale Gesundheit Hannawald.
Sedlaczek: "Dokumentation wichtiger Schritt zu mehr Offenheit"
"Wenn Sportlerinnen und Sportler aus Angst vor Konsequenzen sagen, es sei manchmal besser zu schweigen, ist es höchste Zeit, dass wir genauer hinschauen", sagt Esther Sedlaczek. "Ich möchte, dass wir aufhören, mentale Probleme im Spitzensport zu verschweigen. Diese Dokumentation ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Offenheit, Ehrlichkeit und echter Unterstützung."
Weitere Protagonisten der Dokumentation sind Judoka Anna-Maria Wagner, der Sportpsychologe Moritz Anderten, Lea Krüger und Ben Ellermann vom Verein "Athleten Deutschland" sowie Kim Bui und Eva Werthmann vom "Deutschen Olympischen Sportbund".
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
