Stein des Anstoßes: Der Helm von Skeletoni Wladyslaw Heraskewytsch
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Felix Loch im Helm-Streit irritiert: "Schlechte Entscheidung"

Felix Loch im Helm-Streit irritiert: "Schlechte Entscheidung"

Der Streit um den Helm von Skeletoni Wladislaw Heraskewytsch ist eskaliert. Das IOC schloss den Ukrainer kurzfristig von den Spielen aus, was unterschiedlichste Reaktionen nach sich zog. Nicht nur Rodler Felix Loch fand klare Worte.

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"Es ist schade, dass er sich hier seinen olympischen Wettkampftraum nicht erfüllen kann", sagte der dreimalige Rodel-Olympiasieger Felix Loch. "Für ihn tut es mir unglaublich leid, weil ich weiß, wieviel er für Olympia investiert hat, um hier dabei zu sein."

Der Berchtesgadener, der Mitgründer der Vereinigung "Athletes for Ukraine" ist, zeigte sich vor allem davon irritiert, dass das IOC den Ausschluss seines Freundes so kurz vor dem Wettkampf ausgesprochen hat, weil es bekannt gewesen sei und er das sogar angefragt habe: "Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, vor allem, dass man so lang gewartet hat."

Felix Loch: Ausschluss "ist Wahnsinn"

"Es ist Wahnsinn", so Loch im ZDF. "Er möchte nichts Politisches bewirken, er möchte 'nur' an seine Freunde erinnern. Das machen viele andere Sportler auch, da ist es kein Problem. Dass es da jetzt ein Problem ist, finde ich nicht richtig, es ist eine sehr, sehr schlechte Entscheidung."

"Nun hat die Sache mehr Aufmerksamkeit bekommen, als wenn er normal gefahren wäre." Felix Loch

Helm zeigt im Ukraine-Krieg getötete Sportler

Heraskewytsch wollte im Wettkampf mit einem besonderen Helm an Athletinnen und Athleten erinnern, die im Krieg von russischen Soldaten getötet wurden. Auf seinem Helm sind Bilder von rund 20 Athletinnen und Athleten zu sehen. Das IOC verbot dies mit Verweis auf die Olympische Charta, die Meinungsäußerungen unter anderem auf dem Spielfeld ("field of play") untersagt.

Trotz eines Verbots und mehrfacher Warnungen des IOC wollte der 27-Jährige nicht auf das Tragen des besonderen Helms in der olympischen Entscheidung verzichten. Auch die extra an die Olympia-Bahn in Cortina d'Ampezzo geeilte IOC-Chefin Kirsty Coventry konnte den Ukrainer in einem Gespräch hinter verschlossenen Türen in letzter Minute nicht mehr umstimmen und zu überreden, seine Anteilnahme etwa mit einem schwarzen Band auszudrücken.

IOC-Präsidentin in Tränen aufgelöst

Coventry erklärte in Tränen aufgelöst den Ausschluss des Ukrainers von den Wettbewerben. "Es geht nicht um die Botschaft, es geht nur um die Regeln und Vorgaben. In diesem Fall müssen wir in der Lage sein, ein sicheres Umfeld für alle sicherzustellen", sagte Coventry und beteuerte: "Niemand, wirklich niemand, besonders ich nicht, widerspricht der Botschaft. Sie ist kraftvoll. Sie ist eine Botschaft des Gedenkens, eine Botschaft der Erinnerung, und niemand lehnt das ab."

Video: IOC-Präsidentin Kirsty Coventry reagiert emotional auf Fragen zum "Helm-Streit"

IOC-Präsidentin Kirley Coventry
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IOC-Präsidentin Kirley Coventry

Skeleton-Pilot will vor Sportgericht ziehen

Heraskewytsch selbst reagierte nach der Eskalation wütend und enttäuscht. "Es ist schwer, etwas zu sagen oder es in Worte zu fassen. Es ist Leere", sagte der Skeleton-Pilot, der sich mit der Entscheidung abfinden muss, nun aber den Klageweg einschlagen möchte. Er kündigte an, Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas einzulegen. Die Entscheidung spiele der russischen Propaganda in die Karten.

Derweil erreichte den Ukrainer Unterstützung von Sportlern und sogar aus der Politik. Präsident Wolodymyr Selenskyj übte ebenfalls scharfe Kritik am IOC und dankte Heraskewytsch für seine klare Haltung. "Mut zu haben ist mehr wert als jede Medaille", schrieb Selenskyj. Er verlieh dem Sportler den Orden der Freiheit, die zweithöchste Auszeichnung des Landes.

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