Jessica von Bredow-Werndl und ihr mittlerweile verstorbenes Pferd Diallo bei einem Wettkampf in München-Riem
Jessica von Bredow-Werndl und ihr mittlerweile verstorbenes Pferd Diallo bei einem Wettkampf in München-Riem
Bild
Jessica von Bredow-Werndl und ihr mittlerweile verstorbenes Pferd Diallo bei einem Wettkampf in München-Riem
Bildrechte: picture alliance / SvenSimon | FrankH oermann/SVEN SIMON
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / SvenSimon | FrankH oermann/SVEN SIMON
Videobeitrag

Jessica von Bredow-Werndl und ihr mittlerweile verstorbenes Pferd Diallo bei einem Wettkampf in München-Riem

Videobeitrag
> Sport >

Von Bredow-Werndl: "Tiefste Trauer" nach Tod von Diallo

Von Bredow-Werndl: "Tiefste Trauer" nach Tod von Diallo

Jessica von Bredow-Werndl hat mit dem Tod des Wallachs Diallo einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen müssen. Mit Nachwuchshoffnung Kismet erzielte die Aubenhausenerin eindrucksvolle Ergebnisse, die Heim-WM 2026 in Aachen kommt jedoch zu früh.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Vor ziemlich genau zwei Jahren schrieb Jessica von Bredow-Werndl ein außergewöhnliches Kapitel der Geschichte des Pferdesports: Erst als zweite Dresurreiterin überhaupt war es der Aubenhausenerin gelungen, mit demselben Pferd bei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen sowohl Gold in der Einzel- als auch Mannschaftswertung zur erobern. "Seitdem ist viel passiert", meinte die 40-Jährige im Interview mit BR24Sport. Darunter fiel auch ein äußerst dunkles Kapitel ihrer Karriere.

Von Bredow-Werndl: Tod von Diallo löste "tiefste Trauer" aus

Dabei waren die Monate nach dem sportlichen Abschied von ihrer Stute Dalera, mit der von Bredow-Werndl die Weltspitze aufgemischt hatte, noch so vielversprechend gewesen. "Mittlerweile ist Dalera Mama geworden und hat ein gesundes Fohlen namens Dolce Vita zur Welt gebracht", erzählte sie. "Sportlich hatte ich auch ziemlich schnell wieder den Anschluss gefunden." Mit Dalera-Nachfolger Diallo, der als große Nachwuchshoffnung galt, "war ich innerhalb weniger Monate wieder in den Top 10, wir haben auch im Weltcup gewonnen".

Im vergangenen Januar folgte jedoch ein Schicksalsschlag. Diallo starb völlig unerwartet, ein Hirninfarkt wurde als Todesursache festgestellt. "Das war ein sehr schlimmes Erlebnis", erinnerte sich von Bredow-Werndl, die den Hannoveraner Wallach erst seit Februar 2025 geritten hatte. "Das war die tiefste Trauer, die ich in meinem Leben verarbeiten musste. Ich weiß auch nicht, ob ich das schon fertig verarbeitet habe - oder ob man das jemals kann."

Bredow-Werndl entscheidet sich gegen WM-Teilnahme

Die viermalige Olympiasiegerin sah sich somit gezwungen, abermals von vorne zu beginnen. Mit Kismet entschied sie sich für ein weiteres vielversprechendes Nachwuchspferd. Angesichts der Tatsache, dass zwischen 11. und 23. August die Weltmeisterschaften in Aachen auf dem Programm stehen, stand von Bredow-Werndl aber vor einer kniffligen Herausforderung. "Ich wusste nicht, ob sie schon bereits ist, um in Richtung WM zu denken", gab sie zu. "Wir haben es probiert - und sind ehrlich gesagt ziemlich weit gekommen."

Platz 14 in der Weltrangliste spricht für sich, trotzdem entschied sich von Bredow-Werndl gegen eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft im eigenen Land. "Weil ich einfach das Gefühl habe: Sie braucht noch Zeit. Mir selbst habe ich auch irgendwie zu viel Druck gemacht. Daher wollte ich bewusst den Schritt zurück machen, um uns die Zeit zu geben, die es am Ende braucht, um eine Partnerschaft nachhaltig aufzubauen."

Bredow-Werndl plant langfristig mit Kismet

Keineswegs sei dieser Schritt einfach gewesen. "Es war eine sehr schwere Entscheidung", räumte die Mannschaftsweltmeisterin von 2018 ein. Sowohl in München als auch in den italienischen Ortschaften Bedizzole und Ornago feierten von Bredow-Werndl und Kismet beeindruckende Erfolge. "Wir sind immer besser geworden", merkte sie an. Aber: "Wir hatten enormes Pech. Nach der Einlaufprüfung konnten wir nicht an der Deutschen Meisterschaft - das ist die erste Sichtung für die WM - teilnehmen, weil das Pferd meines Bruders Fieber bekommen hat. Aus Sicherheitsgründen mussten wir in Quarantäne."

Vor rund zwei Wochen fand die zweite Sichtung statt, die Ausgangslage barg jedoch eine unangenehme Drucksituation. "Und so hatte ich nur noch diese eine Chance", meinte von Bredow-Werndl. Ihr Kopf habe verständlicherweise mit einem WM-Auftritt vor heimischem Publikum geliebäugelt und wollte die Chance ergreifen. "Mein Herz meinte aber: Wenn du jetzt einmal richtig weit hineinfühlst, seid ihr noch nicht bereit, um für das deutsche Team auf Angriff zu reiten und beherzt in diese Herausforderung reinzugehen", sagte sie. "Letztendlich hat mein Herz gesiegt und ich habe gesagt: Ich gehe diesen Schritt - auch wenn es mir als Sportlerin wehtut - zurück und gebe uns beiden einfach die Zeit."

Von Bredow-Werndl denkt lieber langfristig. "Ich werde Kismet über den Weltcup und Winter aufbauen", blickte sie nach vorn. "Und ich denke, dass wir nächstes Jahr sehr bereit sein können."