Dass eine Fahrt über die "Olimpia delle Tofane" inmitten der italienischen Dolomiten kein Zuckerschlecken ist, ist weitestgehend bekannt. Doch beim olympischen Super-G am Donnerstag zeigte sich die Strecke von ihrer besonders haarigen Seite: Zum einen waren da das flache Licht, der Nebel, der feuchte Schnee – und obendrauf setzte der norwegische Kurssetzer Thomas Rodseth einen in Teilen stark drehenden, technischen Lauf über die ohnehin selektive, mit Übergängen und Wellen durchsetzte Piste.
40 Prozent Ausfall-Quote: Die Tofana wird ihrem Ruf gerecht
Eine Kombination, die sich als überraschend schwieriges Unterfangen entpuppte: DSV-Pilotin Kira Weidle-Winkelmann nannte den Lauf "tricky". Sie und ihre Teamkollegin Emma Aicher waren zwei von insgesamt 17 Skirennfahrerinnen, denen die Tofana zum Verhängnis wurde. 40% aller Starterinnen erreichten das Ziel nicht - darunter das Who-is-Who des Ski-Weltcups: Sofia Goggia etwa kam von der Ideallinie ab und schaffte es nicht mehr in den Kurs, die Österreicherin Mirjam Puchner scheiterte am selben Tor wie Weidle-Winkelmann, die frisch gebackene Abfahrts-Goldmedaillengewinnerin Breezy Johnson landete im Netz.
Die Schwierigkeit beim Super-G: Es gibt kein Training. Die eine Fahrt zählt, die Linie muss auf Anhieb passen. Am Donnerstag sah es zunächst danach aus, dass der Lauf flüssig zu fahren war, im Rennen selbst hatten viele Athletinnen große Schwierigkeiten, sie unterschätzten die ein oder andere Passage. Auch Aicher und Weidle-Winkelmann leisteten sich Fahrfehler.
Emma Aicher: "Das Weiche und Nasse gibt einem wenig zurück"
Aicher sagte nach dem Rennen im Interview selbstkritisch: "Es war kein ganz einfacher Lauf, aber mit meiner Nummer (Anm.: Startnummer 7) sollte man schon wissen, wo's langgeht." Sie habe sich "ein bisschen schwer getan mit dem Schnee", der unter den höheren Temperaturen litt, "das Weiche und Nasse gibt einem wenig zurück."
Aicher lag schon bei der zweiten Zwischenzeit fast eine halbe Sekunde zurück, im technisch anspruchsvollen Mittelteil hob es die Allrounderin dann aus. Auch Weidle-Winkelmann klagte über die Schneeverhältnisse. "Sobald man von der Linie abkommt, ist es weich", sagte sie.
Im Video: Weidle-Winkelmann und Aicher im Interview
Kira Weidle-Winkelmann
Brignone fährt mit Köpfchen zu Gold
Eine aber zeigte, dass der "tricky" Kurs mit technischer Raffinesse und mit Köpfchen gut zu bewältigen war: Federica Brignone. Die Italienerin schaffte vor heimischem Publikum den Olympia-Coup und holte Gold. Und das, obwohl sie sich vor weniger als einem Jahr einen Schien- und Wadenbeinbruch, sowie eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte und erst kurz vor den Winterspielen ins Wettkampf-Geschehen zurückgekehrt war.
Emma Aicher hat am Mittwoch noch eine Chance auf die nächste Medaille – beim Slalom dürfte ihr dann auch die verhältnismäßig flache Piste entgegenkommen. Ihre Kunst, den Ski laufen zu lassen und zu beschleunigen, hatte die Halb-Schwedin schon bei der Team-Kombination gezeigt. Mit Weidle-Winkelmann hatte sie sich für die gute Fahrt mit Silber belohnt. Auch in der Abfahrt fuhr der Ski-Shootingstar zu Silber. Ob Aicher beim Riesenslalom am Sonntag an den Start gehen wird, ist noch unklar.
Im Video: Die Ausfälle von Aicher und Weidle-Winkelmann
Emma Aicher (Deutschland) hockt nach ihrem Ausscheiden im Zielbereich.


