An Kritikern mangelte es nicht, als der FC Bayern im vergangenen Sommer die Verpflichtung von Luis Diaz bekannt gab. 70 Millionen Euro für einen damals 28-Jährigen, der beim FC Liverpool in der Vorsaison auf 35 Scorerpunkte in 50 Pflichtspielen gekommen war? Wirklich?
Diaz fliegt nach Doppelpack gegen PSG
Fragen wie diese stellt mittlerweile niemand mehr. Diaz hat in seinen rund sechs Monaten an der Isar eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wieso man beim deutschen Rekordmeister bereit war, so tief in die Tasche zu greifen. 18 Tore und 14 Vorlagen in 30 Einsätzen lassen wenig Raum für echte Missbilligung.
Trotz dieser fantastischen Zahlen wurden starke Auftritte des Kolumbianers immer wieder von einem Aber begleitet, wie etwa in der Champions League gegen Paris Saint-Germain (2:1). Diaz schnürte zwar in der ersten Halbzeit einen Doppelpack, flog aber noch vor der Pause mit Rot vom Platz, weil er PSGs Achraf Hakimi übel von hinten in die Beine getreten hatte.
Aber-Spiel gegen Wolfsburg
Ein anderes Aber-Spiel war der 8:1-Triumph in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg, als Diaz mit einem Treffer und drei Assists sowie zahllosen tollen Aktionen überzeugte. Seine Leistung fand aber im Kontext des ebenfalls genial aufzockenden Michael Olise statt, der seinerseits einen Doppelpack und zwei weitere Vorlagen beisteuerte, sodass er das Rampenlicht teilen musste. Der "Fluch" des rekordverdächtigen Bayern-Kollektivs.
Lediglich beim 3:0 gegen Eintracht Frankfurt in der Hinrunde, als er an allen drei Bayern-Toren beteiligt war, stand Diaz als Solokünstler ohne Einschränkung positiv da. Zumindest bis zum vergangenen Sonntag.
Diaz dreht gegen Hoffenheim auf
Im Spitzenspiel der Bundesliga gegen die TSG 1899 Hoffenheim entfaltete der Linksaußen seine gesamte Power und sorgte fast schon im Alleingang, dass die Bayern nach zwei Liga-Partien ohne Sieg mit einem 5:1 zurück in die Erfolgsspur fanden.
Diaz holte in der ersten Halbzeit beide Elfmeter für die Hausherren raus, die Stürmer Harry Kane sicher verwandelte. Mit den "Strafstoß-Vorlagen" für den Engländer gab Diaz sich aber nicht zufrieden. Noch vor dem Seitenwechsel schlug er nach einem Konter selbst zu und ließ in der zweiten Halbzeit einen Doppelpack folgen.
Kompany schwärmt von Diaz
Jedes Tor zeigte eine andere Qualität des 29-Jährigen. Das 3:1 schlenzte er aus dem Fußgelenk in den Kasten. Das 4:1 war das Ergebnis eines blitzgescheiten Laufes in den Fünf-Meter-Raum, wo er ein Zuspiel Olises Volley verarbeitete. Beim 5:1 bewies er seine Torgefährlichkeit aus der Distanz.
Bayern-Trainer Vincent Kompany zeigte sich von der Leistung seines Schützlings beeindruckt. "Er hat diese chaotische Kreativität. Die meisten Spieler bekommen den Ball und laufen von A nach B, man kann sehen, was sie vorhaben. Bei 'Lucho' weißt du das nie, alles passiert in einem Fluss", lobte der Belgier.
Diaz besser als Ribery in Triple-Saison?
In der Tat erinnert Diaz‘ unberechenbare Spielweise teilweise an FCB-Legende Franck Ribery, dessen Erbe auf dem linken Flügel bisher weder der abgewanderte Kingsley Coman noch Serge Gnabry ernsthaft antreten konnten. Diaz hingegen hat eine realistische Chance, die Fußstapfen des Franzosen auszufüllen. Aktuell fehlen ihm nur noch zwei Scorerpunkte, um Riberys 34 Torbeteiligungen in 43 Spielen aus der Triple-Saison 2013 zu übertreffen.
Schon am Mittwochabend im trotz MVG-Streiks stattfindenden Duells mit RB Leipzig im DFB-Pokal könnte er Ribery überflügeln. Die Aussichten dafür stehen gut: In seinem ersten Duell mit den Sachsen in der Allianz Arena am 1. Spieltag der Bundesliga (6:0) gelangen Diaz ein Tor und zwei Vorlagen.
