Die Derby-Helden des 1. FC Nürnberg ließen sich am Samstag gebührend feiern. Im Duell mit den Rivalen SpVgg Greuther Fürth bewies der Club Kämpfer- und Comeback-Qualitäten, holte sich den Sieg (4:2) und sogar die vorläufige Führung in der Zweitliga-Tabelle. Die Fans feierten diese Tatsache mit euphorischen Fanchören, sie ließen roten Pyrorauch steigen und sangen "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey hey!".
- Zum Spielbericht: Sechs-Tore-Spektakel! Nürnberg siegt im Frankenderby
Doch unter den vielen Derby-Helden, die am Samstag auf dem Platz standen, stach einer ganz besonders heraus: Jan Reichert war einer der Matchwinner für die Gäste. Seine Performance trug maßgeblich zum Erfolg bei. Sinnbildlich dafür sind zwei Aktionen: In der 44. Minute - die Nürnberger lagen 1:2 zurück - reagierte Reichert blitzschnell und verhinderte mit dem Fuß das 1:3. In der 63. Minute hielt er dann auch noch den Elfmeter von Kleeblatt-Kapitän Felix Klaus. Es waren zwei Schlüsselmomente, die das Momentum zugunsten der Nürnberger kippen ließen und dem Derby eine entscheidende Wendung gaben.
Klose verrät: "Reichert hat die Ansprache gemacht"
Doch Reicherts Anteil am Derbysieg beschränkte sich keineswegs auf seine Heldentaten zwischen den Pfosten. Auch in der Kabine übernahm der Torhüter Verantwortung. Erst vor kurzer Zeit hatte Coach Miroslav Klose ihn zum Kapitän befördert. Gleich im ersten großen Härtetest zeigte Reichert, warum der Trainer auf ihn setzt: Denn nach der Partie verriet Klose: "Jan hat in der Halbzeitpause richtig den Mund aufgemacht und die Jungs zusammengestaucht und auf das vorbereitet, was sie in Hälfte zwei erwartet." Bei Sky sagte der Trainer: "Ich kann es ja jetzt nach dem Spiel verraten: Wir Coaches haben fast gar nichts gesagt - Reichert hat die Ansprache gemacht,"
Für Klose ist Reichert Mann des Spiels
Der Keeper hatte seine Mitspieler offenbar genau an der richtigen Stelle gepackt. Reichert forderte die Mannschaft auf, im Derby nicht nachzulassen und jeden Zweikampf anzunehmen. Der Torhüter habe seine Teamkollegen noch einmal zusammengeschworen und ihnen deutlich gemacht, worauf es in der zweiten Halbzeit ankommen würde: "Er hat gesagt, dass wir nichts abschenken dürfen und dass jeder Meter zählt im Derby. Riesenkompliment. Er erfüllt seine Vorbildfunktion, " so Klose. Für ihn stehe deshalb außer Frage, wer "absolut" der Mann des Spiels gewesen sei.
Auch Mittelfeldmotor Julian Justvan berichtete, Reichert habe der Mannschaft "Feuer gemacht". Was auch immer der 25-Jährige seinen Mitspielern in der Kabine mit auf den Weg gab: Die Wirkung war anschließend auf dem Platz zu sehen. Nürnberg kam mit viel Energie aus der Kabine, drehte die Partie und dominierte die zweite Hälfte.
Im Sommer gab es immer wieder Wechsel-Gerüchte
Reichert selbst erklärte anschließend zum Effekt seiner Standpauke: "Danach sind wir raus, haben eine sehr gute zweite Halbzeit gespielt und gewinnen schlussendlich verdient." Für Klose dürfte der Auftritt seines Kapitäns gleich aus mehreren Gründen erfreulich gewesen sein. Denn im Sommer hatte es immer wieder Spekulationen über einen möglichen Abschied Reicherts gegeben. Ein Wechsel in die Bundesliga schien zumindest nicht ausgeschlossen. Mit der Beförderung zum Kapitän hatte sich der Verbleib des Keepers beim Club vor einiger Zeit offenbar jedoch konkretisiert.
Nach seinem Auftritt im Frankenderby hat Reichert seinen Wert für die Mannschaft untermauert - als Schlussmann, als Kapitän, auf dem Platz ebenso wie in der Kabine.
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