Urlauber am Strand / Schülerinnen und Schüler im Klassenzimmer
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"So kann es nicht laufen": Kritik an Bayern im Ferien-Streit

"So kann es nicht laufen": Kritik an Bayern im Ferien-Streit

Nach dem klaren Nein Bayerns zu einem Kompromiss im Ferien-Streit kommt Kritik aus anderen Ländern: So funktioniere der Föderalismus nicht, es gehe um Gerechtigkeit, sagt Niedersachsens Kultusministerin. CSU-Generalsekretär Huber legt derweil nach.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Während viele bayerische Schülerinnen und Schüler am See, im Garten oder im Urlaub entspannen, haben in mehreren Bundesländern Kinder und Jugendliche in den vergangenen Tagen bei mehr als 30 Grad im Klassenzimmer geschwitzt. "Da sagen natürlich viele Eltern: Warum können wir nicht Ferien haben, wenn es heiß ist?", betont Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) im BR-Interview. Richtig lernen könne man bei Hitze nicht. "Insofern ist natürlich die Gerechtigkeitsdiskussion in den Bundesländern, die nicht Bayern und Baden-Württemberg heißen, groß."

Bayern und Baden-Württemberg sind die einzigen Länder, die immer als letzte in die Sommerferien starten und den ganzen August keine Schule haben. Die anderen 14 Länder wechseln sich in einem gestaffelten System ab, bei den ersten beginnen die Ferien schon Ende oder Mitte Juni. Bis 2030 stehen die Termine fest, die Verhandlungen über die Jahre ab 2031 laufen. Bayern hat aber schon klargemacht, sich weiterhin nicht an der Rotation beteiligen zu wollen: Der Freistaat halte an der bisherigen Regelung fest, sagte Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler).

"So funktioniert unser Föderalismus nicht"

Ihre niedersächsische Amtskollegin Julia Willie Hamburg hat für diese starre Haltung kein Verständnis: "So funktioniert ja unser Föderalismus sonst auch nicht", kritisiert die Grünen-Politikerin. "Würden alle Bundesländer das so machen (...), dann würden wir einfach gar nichts regeln. Und so kann es deswegen auch nicht laufen." Jeder solle sich einbringen.

Bayern argumentiert mit der Orientierung an christlichen Feiertagen: Im Freistaat gebe es an Pfingsten zweiwöchige Ferien, deswegen brauche es einen späteren Start in die Sommerferien. Das lässt Ministerin Hamburg nicht gelten: In Niedersachsen seien Pfingstferien bisher deswegen kein Thema, weil man durch die Rotation gar nicht in der Lage sei, diese zu haben. Ihr Land starte oft früh in die Ferien und habe "starke Schwierigkeiten mit dem Abitur, weil wir das dann überhaupt nicht rechtzeitig in die Zeit bekommen, bis die Ferien beginnen".

CSU-General: "Die anderen nehmen unser Geld"

Auch aus dem nordrhein-westfälischen Schulministerium heißt es, durch einen zu frühen Ferientermin komme unnötiger Zeitdruck auf. In die Neuregelung der Ferientermine müssten zudem Erfahrungen mit den hohen Temperaturen einfließen. Eine Arbeitsgruppe der Länder habe schon mehrfach getagt und werde voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte eine Beschlussempfehlung erarbeiten. Über diese werde dann zunächst auf Ebene der Amtschefs und dann der Ministerinnen und Minister verhandelt.

CSU-Generalsekretär Marin Huber weist das Föderalismus-Argument zurück: "Wissen Sie, was ich beim Thema Föderalismus wirklich ungerecht finde? Es ist der Länderfinanzausgleich", sagt er dem BR. "Die anderen nehmen unser Geld und wollen uns dann auch noch unsere Ferien vorschreiben. Und da machen wir sicher nicht mit."

Lehrerverbände uneins

Bei den Lehrerverbänden im Freistaat gehen die Ansichten auseinander. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, kritisiert die "Blockadehaltung" der beiden Süd-Länder: "Es ist ein reines Machtspiel, dass Bayern und Baden-Württemberg stehenbleiben – und die anderen dürfen gerne rollieren." Fair wäre aus ihrer Sicht, wenn auch der Freistaat mal früher oder später dran wäre. "Dann müsste man natürlich auch an die Pfingstferien ran."

Dagegen betont der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands, Ulrich Babl: "Das bestehende System hat sich über Jahrzehnte etabliert und ist mit vielen Bereichen eng verzahnt, alles ist aufeinander abgestimmt." Eine bewährte Schuljahresstruktur über den Haufen zu werfen, "wäre fahrlässig und ist zu kurz gedacht". Außerdem habe Bayern 1971 nach Angaben des ehemaligen Kultusministers Hans Maier (CSU) den späten Sommerferientermin dauerhaft übernommen, "nachdem sich die Kultusministerkonferenz auf keine andere Lösung verständigen konnte". Statt über den Ferientermin zu diskutieren, sollte man laut Babl den Hitzeschutz an den Schulen optimieren.

Niedersachsens Kultusministerin wirbt derweil damit, "dass die Rotation durchaus auch Vorteile" mit sich bringe. "Insofern lohnt es sich hier sicherlich, mal was Neues zu wagen." Zugleich verweist sie auf das Einstimmigkeitsprinzip in der Kultusministerkonferenz. "Am Ende, wenn Bayern und Baden-Württemberg nicht mitmachen, gibt es eben keine Lösung."

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