Die ersten zwei Spiele unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp sind gespielt. Der erste Block aus dem XXL-Kader wird größtenteils nach Hause geschickt. Ein 1:1 gegen die Niederlande und eine enttäuschende 0:1-Heimniederlage gegen Griechenland sind die karge Ausbeute aus dem vielfach verkündeten Neuanfang unter Klopp.
Nun will die zweite Schicht das Ruder und die Stimmung noch einmal herumreißen - und einen möglicherweise drohenden Abstieg aus der Nations League Liga A verhindern. Besonders Kapitän Joshua Kimmich ist alles andere als zufrieden, bei dieser Aufgabe nicht mithelfen zu können: "Ich hatte bis zuletzt gehofft, zu bleiben. Aber ich verstehe es, dass der Trainer auch andere Jungs kennenlernen möchte."
Auch wenn noch zwei Spiele ausstehen, gibt es nun die Möglichkeit, aus bayerischer Sicht eine erste Bilanz aus den ersten beiden Begegnungen zu ziehen.
Joshua Kimmich - Rückkehr mit Problemen
Der Kapitän ist vom neuen Bundestrainer zurück ans Steuer geholt worden. Beim DFB-Team darf er nun wieder in der Mittelfeldzentrale lenken, doch noch hakt es ein wenig. Anders als beim FC Bayern ist das Spiel der Nationalmannschaft nicht auf ihn zugeschnitten. In München hat Vincent Kompany ihn zum zentralen Baustein gemacht und mit Aleksandar Pavlovic eine Mischung aus Schweizer Uhrwerk und Arbeitsbiene an seiner Seite, der stark in der Rückwärtsbewegung ist und Kimmich vor allen Dingen in der Vorwärtsbewegung im Stakkato-Takt Bälle zuschiebt, die der dann verteilen kann.
Im DFB-Team hakt die Zusammenarbeit mit Felix Nmecha noch. Gegen die Niederlande war Kimmich für seine Verhältnisse äußerst selten am Ball: Nur 53 Pässe spielte der 31-Jährige in 90 Minuten. Beim FC Bayern passte er in den Spielen, die er über die volle Distanz ging, in dieser Saison im Durchschnitt 103,6 Mal. Das Duo Kimmich und der sehr offensive Nmecha ist als Doppel-Sechs noch nicht eingespielt. Kimmichs "Arbeitsbiene" Pavlovic kommt im zweiten Block zum Einsatz.
Im Video: Joshua Kimmich nach der Niederlage gegen Griechenland im ARD-Interview
Joshua Kimmich
Karim Adeyemi - auf den Spuren von Sané?
Der gebürtige Münchner wurde nach fast einjähriger Abwesenheit wieder in die Nationalmannschaft eingeladen. Er war sehr bemüht, hatte immer wieder sehr gute Laufwege - sowohl gegen Griechenland als auch gegen die Niederlande. Doch in beiden Spielen ließ der 24-Jährige gute Chancen ungenutzt und war somit ein Faktor, warum es nicht klappte mit Klopps erstem Sieg als Bundestrainer.
Adeyemi war mit Abstand der auffälligste und aktivste Offensivspieler. Doch gerade gegen tief stehende Griechen war der schnelle Außenspieler nicht der Schlüssel, um den Defensivblock zu knacken. Der Flügelstürmer vom FC Barcelona dürfte in seinen zwei Auftritten dennoch genug Argumente gesammelt haben, um erneut eingeladen zu werden. Er muss nur aufpassen, dass er nicht in allen Belangen die Nachfolge eines schnellen, kreativen Flügelspielers mit mangelhafter Chancenverwertung antritt, der auf den Namen Leroy Sané hört, sondern lieber an seine Leistungen bei Barca anknüpfen.
Jonathan Tah - gesetzt, aber nicht glänzend
Zweimal ließ Klopp Jonathan Tah (FC Bayern) über 90 Minuten ran. Auch wenn man in den Kopf des Bundestrainers nicht hineinschauen kann, ist die Botschaft relativ eindeutig: Tah muss sich erstmal keine großen Sorgen um seinen Stammplatz machen. Der Innenverteidiger machte seine Sache solide, war gegen die Niederlande defensiv ein wichtiger Anker.
Doch gegen Griechenland musste Tah vor allen Dingen als einer der Spielmacher agieren. Spielte 140 Pässe, brachte 93 Prozent davon an den Mann - doch sein Team damit nicht wirklich weiter. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger monierte in der Sportschau die fehlende Kreativität aus der Verteidigung heraus.
Im Video: Jonathan Tah nach der Niederlage gegen Griechenland im ARD-Interview
Jonathan Tah
Nathaniel Brown - Unsicherheitsfaktor in der Defensive
Der Außenverteidiger des FC Bayern spielte in beiden Begegnungen von Anfang an. Einmal als Rechts-, einmal als Linksverteidiger. Brown hatte vor allen Dingen mit dem Niederländer Crysencio Summerville mächtig Probleme, hatte eine Mitschuld am späten Ausgleich - punktete aber durch gute Offensivarbeit. Auch gegen Griechenland war Brown in der Defensive eine Schwachstelle. Klopp dürfte dennoch weiter auf ihn setzen.
Hennes Behrens - Debütant mit Perspektive
Der Augsburger kam zu seinem Debüt als deutscher Nationalspieler. Das kann Behrens niemand mehr nehmen - auch wenn diese Premiere nur sechs Minuten dauerte. Mit seinen acht Ballberührungen konnte der 21-Jährige weder an der Niederlage gegen Griechenland etwas ändern noch sich für weitere Einsätze empfehlen. Er dürfte dennoch auf dem Zettel des Bundestrainers bleiben. Ob zeitnah ein weiterer Anruf kommt, wenn der XXL-Kader wieder auf Normalgröße schrumpft, wird vor allen Dingen an seinen Leistungen im Verein liegen.
Finn Dahmen - Warten auf den ersten Einsatz
Der zweite Augsburger im Kader kam bislang noch nicht zu seinem Debüt in der Nationalmannschaft. Dahmen hat aber noch gute Chancen, schließlich war er der einzige Spieler, der schon von Anfang an für alle vier Spiele eingeplant war. Er dürfte gegen Serbien oder Griechenland seinen ersten Einsatz zwischen den Pfosten bekommen.
Serge Gnabry - Rückkehrer mit zweiter Chance
Nach der langwierigen Verletzung, die Serge Gnabry die WM-Teilnahme gekostet hatte, steht der 31-Jährige wieder im DFB-Team. In den ersten beiden Spielen kam er nur zu zwei Kurzeinsätzen, bei denen er wenig Eindruck hinterlassen konnte. Doch der Spieler des FC Bayern darf ebenfalls im Kader bleiben und erhält zwei weitere Chancen, sich dem neuen Coach zu präsentieren. Auch wenn er diese nicht nachhaltig nutzt: Gnabry hat in seiner Karriere bereits zahlreiche Arbeitsnachweise abgeliefert, wie wichtig er im DFB-Team sein kann. Und in seinem Verein hat - anders als die Kollegen vom FCA - auch die Möglichkeit, sich in internationalen Spitzenspielen zu präsentieren.
Im Video: Der Tag nach der Griechenland-Niederlage
Bundestrainer Jürgen Klopp
Tabellenführung und Abstiegskampf, aktuelle Spielpaarungen, Ergebnisse und Liveticker, Torjägerlisten, Laufleistung- sowie Zweikampfstatistiken und noch viel mehr: Fußball im Ergebniscenter von BR24Sport.



