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FIFA unter Druck: Ex-Ethikchef fordert tiefgreifende Reformen

FIFA unter Druck: Ex-Ethikchef fordert tiefgreifende Reformen

Nach Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino wächst der Ruf nach strukturellen Reformen. Der frühere Vorsitzende der FIFA-Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, fordert im BR24Sport-Interview unabhängige Kontrollgremien und mehr Transparenz.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

FIFA-Präsident Gianni Infantino steckt in der größten Krise seiner fast zehnjährigen Amtszeit. Der Vorschlag, die WM-Rechte an Investoren zu verkaufen, sorgte weltweit für Empörung. Fast täglich muss sich Infantino neuen Vorwürfen aussetzen.

"Infantino verfolgt Eigeninteressen"

Der frühere Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, sieht grundlegende strukturelle Defizite und fordert umfassende Reformen. Im Interview mit BR24Sport kritisiert der frühere Münchner Richter, dass innerhalb der FIFA Kontrollmechanismen weitgehend entmachtet worden seien. Aus seiner Sicht verfolgt Infantino zunehmend "Eigeninteressen, ohne dass er in irgendeiner Form Entscheidungsgremien mit einbindet."

Als Beispiel nennt Eckert offene Fragen rund um einen von der FIFA initiierten Friedenspreis, der 2025 erstmals an US-Präsident Donald Trump verliehen wurde. Bis heute sei laut Eckert unklar, wer die Initiative angestoßen, den Auftrag vergeben und die Finanzierung veranlasst habe. Genau solche Vorgänge müssten von einer unabhängigen Ethikkommission überprüft werden. "Wenn sie Angst vor Infantino haben, wird sich nichts ändern. Es muss wieder ein Klima kommen, wo man offen und transparent miteinander umgeht."

"Infantino hat Kompetenzen immer weiter an sich gezogen"

Eckert kennt die internen Strukturen des Weltverbandes aus eigener Erfahrung. Von 2012 bis 2017 leitete er die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission und spielte eine zentrale Rolle bei den Untersuchungen im Korruptionsskandal um den damaligen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter. Die Verfahren führten 2015 unter anderem zu Sperren gegen Blatter und führende Funktionäre.

Kurz nach Amtsantritt Infantinos verlor Eckert sein Amt. Rückblickend sieht er in Infantinos Amtseinführung einen Wendepunkt. Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, dass der FIFA-Präsident den Verband repräsentiere, während das operative Geschäft von dem Generalsekretär geführt werde. Tatsächlich habe Infantino jedoch immer mehr Entscheidungsbefugnisse auf sich vereint.

Forderung nach unabhängigen Kontrollgremien

Besonders kritisch bewertet Eckert Veränderungen bei den Kontrollinstanzen. Unabhängige Kommissionen seien schrittweise geschwächt worden. Zudem seien Zuständigkeiten bei Ethikverfahren teilweise auf die Kontinentalverbände übertragen worden. Dadurch bestehe die Gefahr, dass Verfahren nicht mehr unabhängig geführt würden.

Für eine Erneuerung der FIFA sieht Eckert dennoch gute Chancen. Voraussetzung sei eine umfassende Aufarbeitung der aktuellen Vorgänge sowie die Stärkung unabhängiger Institutionen innerhalb des Verbandes. Neben einer unabhängigen Ethikkommission fordert er eine funktionierende Compliance- und Finanzabteilung, die Mittelverwendung und Geldflüsse unabhängig überprüft. Sollten strafrechtlich relevante Verstöße vorliegen, müssten diese von den zuständigen Behörden untersucht werden.

Skepsis gegenüber rotierendem Präsidentenmodell

Einem diskutierten Modell, wonach die FIFA-Führung alle zwei Jahre zwischen den Kontinentalverbänden wechseln könnte, steht Eckert skeptisch gegenüber. Zwar erscheint eine solche Lösung auf den ersten Blick demokratisch, sie birgt jedoch nach Ansicht des Münchner Juristen erhebliche Konfliktpotenziale zwischen den verschiedenen Konföderationen.

"Wenn Sie beispielsweise die Doppelspitze bei den politischen Parteien in Deutschland anschauen, funktioniert das eigentlich nicht. Es gäbe Überschneidungen: Die von Südamerika sagen: 'Wir machen das anders als die Asiaten und so weiter.' Das birgt aus meiner Sicht sehr viel Streit", erklärt Eckert.

Starker Generalsekretär statt allmächtigem Präsidenten

Stattdessen plädiert er für eine klare Aufgabenverteilung: Ein starker, unabhängiger Generalsekretär sollte die Geschäfte des Weltverbandes führen. Die Rolle des Präsidenten müsse sich wieder stärker auf die Repräsentation des Fußballs konzentrieren – ohne weitreichende operative Entscheidungsbefugnisse.

"Es sollte jemand sein, so wie es mal geplant war: Ein starker Generalsekretär oder Generalsekretärin und ein Präsident, der sich gut auskennt im Fußball und das macht, was zum Beispiel Beckenbauer gemacht hat oder was Lahm (Franz Beckenbauer und Philipp Lahm, Anm. d. Red.) jetzt macht, als Botschafter des Fußballs."

Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung sieht Eckert die FIFA an einem Wendepunkt. Ob daraus tatsächlich tiefgreifende Reformen entstehen, werde entscheidend davon abhängen, wie konsequent der Weltverband die Vorwürfe aufarbeitet und unabhängige Kontrollmechanismen wieder stärkt.

Video: FIFA-Experte Eckert zu FIFA-Reformplänen im BR24Sport-Interview

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