Karim Adeyemi bei seiner Vorstellung
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Neuanfang in Barcelona: Adeyemis vielleicht letzte große Chance

Neuanfang in Barcelona: Adeyemis vielleicht letzte große Chance

An seinem Talent hat kaum jemand je gezweifelt. Nicht Hansi Flick. Nicht Borussia Dortmund. Und jetzt auch nicht der FC Barcelona. Die Fragen rund um den gebürtigen Münchner Karim Adeyemi drehen sich seit Jahren um etwas anderes.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport am .

Vom TSV Forstenried über Unterhaching, Salzburg und Dortmund bis zum FC Barcelona: Die Karriere von Karim Adeyemi liest sich wie der Aufstieg eines Ausnahmetalents. Die Frage, warum er sein Potenzial bislang nur in Ansätzen ausgeschöpft hat, begleitet ihn allerdings bis heute.

Denn der Wechsel nach Spanien, den sein neuer Verein am Donnerstag offiziell machte, kommt nicht zu einem Zeitpunkt, an dem Adeyemi zu den besten Offensivspielern Europas zählt. Vielmehr fragen sich viele Beobachter, warum der endgültige Durchbruch bislang ausgeblieben ist. Der 24-Jährige hat nun die Chance, diesen Fragen auf der größten Klub-Bühne Europas ein Ende zu machen.

Warum an Karim Adeyemis Talent nie jemand zweifelte

Als der damalige Nationaltrainer Hansi Flick Adeyemi 2021 erstmals in die deutsche Nationalmannschaft berief, galt der gebürtige Münchner als eines der größten Offensivtalente des Landes. Seine Geschwindigkeit, Tiefenläufe und Torgefahr machten ihn zu einem der begehrtesten jungen Angreifer Europas.

An dieser Einschätzung hat sich wenig geändert. Allerdings geht es bei Adeyemi seit Jahren um die Frage, wie viel aus diesem Talent werden kann. Borussia-Dortmund-Trainer Niko Kovac formulierte das Anfang Mai bemerkenswert offen: "Er hat ein Riesentalent bekommen, jetzt geht es um die Arbeit, Details und Nuancen zu verändern, die ihn nach vorne bringen. Dazu muss er jede Trainingsminute nutzen."

Adeyemi müsse an seiner Genauigkeit arbeiten, an seiner Akribie. Es klang wie ein Kompliment - und eine Warnung.

U21-Absage, Waffenvorwurf und andere Debatten

Die Debatten um Adeyemi drehten sich oft weniger um Fußball als um sein Auftreten neben dem Platz. 2021 verzichtete er beispielsweise auf die Teilnahme an zwei EM-Qualifikationsspielen der U21-Nationalmannschaft. Er wollte lieber in Dortmund bleiben und trainieren.

"Es ist ein Fingerzeig von ihm, wie wichtig er das nimmt", kommentierte damals DFB-Präsident Bernd Neuendorf pikiert: "Wenn er der Meinung ist, dass er hier nicht spielen will, kann man ihn nicht zwingen."

Dazu kamen immer wieder Schlagzeilen abseits des Sports. So geriet Adeyemi unter anderem wegen einer im Internet bestellten "Mystery Box" in die Kritik, in der sich auch Gegenstände befanden, die unter das Waffenrecht fielen. Adeyemi sprach später von "Leichtsinn", er habe die Box, "ohne wirklich drüber nachzudenken", bestellt.

Die anschließende Medienberichterstattung traf ihn hart: "Die wollten mich auseinandernehmen." Und weiter: "Jemand Öffentliches muss sich selbst verteidigen können." Keiner dieser Vorfälle prägte seine Karriere nachhaltig. Sie verstärkten jedoch ein Bild, das Adeyemi bis heute begleitet: Ein schlampiges Genie mit viel Talent, aber ohne den Fokus für den ganz großen Durchbruch.

FC Barcelona und Hansi Flick setzen auf Adeyemi

Genau deshalb wirkt der Wechsel nach Barcelona auf den ersten Blick überraschend. Der spanische Meister verpflichtet keinen Spieler, weil dieser als großes Talent gilt. Barça holt Adeyemi, weil er nach wie vor Fähigkeiten besitzt, die im europäischen Spitzenfußball selten sind.

Tempo, Tiefgang und die Fähigkeit, gegnerische Defensiven im Eins-gegen-Eins zu überwinden, gehören dazu. Noch wichtiger dürfte ein anderer Faktor sein: Hansi Flick.

Flick gilt seit seiner DFB-Zeit als Befürworter Adeyemis. Nun treffen sich beide beim FC Barcelona wieder. Wieder setzt der Trainer auf Adeyemi. Vielleicht mehr denn je.

Beim FC Barcelona muss Karim Adeyemi liefern

Sportlich ist der Wechsel nach Barcelona ein Aufstieg. Für Adeyemi könnte er aber vor allem ein Härtetest werden. Bei Borussia Dortmund wurde seine fehlende Konstanz zwar bemerkt und kritisiert, blieb aber angesichts mangelnder Konkurrenz folgenlos. Beim FC Barcelona wird er sich dagegen mit Mannschaftskollegen von Weltklasseformat messen müssen.

Dort zählt weder, was ein Spieler einmal werden könnte, noch welche Vorschusslorbeeren ihn seit der Jugend begleiten. Dort zählt ausschließlich Leistung.

Dieser Transfer fühlt sich anders an als frühere Karriereschritte. Nicht nur weil Barcelona größer ist als Salzburg oder Dortmund. Sondern weil die Diskussion über Adeyemis Potenzial langsam endet. Das nötige Talent besitzt er zweifellos. Die Frage, die Karim Adeyemi seit Jahren begleitet, ist eine andere. In Katalonien bekommt er die Chance, darauf die wohl wichtigste Antwort seiner Karriere zu geben.