Wenn der FC Bayern am Dienstag gegen Paris Saint-Germain zum Hinspiel im Champions-League-Halbfinale antritt, wird Vincent Kompany auf der Tribüne des Prinzenparks Platz nehmen. Der Trainer der Münchner ist aufgrund der dritten gelben Karte im laufenden Wettbewerb, die er sich beim Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid eingehandelt hatte, für das Halbfinal-Hinspiel gesperrt. Übernehmen wird sein Co-Trainer Aaron Danks.
Das Champions-League-Halbfinale zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern am Dienstag, 28. April, überträgt BR24Sport ab 21 Uhr in der Livereportage bei BR24Radio und im Livecenter.
Eberl: Kompany-Sperre "Ich glaube, für die Mannschaft ist es egal"
Laut Artikel 69 der "UEFA disciplinary regulations" darf ein Trainer oder Verantwortlicher, der gesperrt ist, sich "nicht in der Nähe des Spielfelds oder der Mannschafts-Bank aufhalten oder direkt mit den Spielern des Teams und/oder dem Staff während des Spiels von der Tribüne aus kommunizieren." Zudem dürfen Trainer nicht die Umkleidekabine oder den Spielertunnel betreten. Übersetzt heißt das: Kompany darf im Mannschaftsbus anreisen, dort eine letzte Ansprache an die Mannschaft halten. Anschließend trennen sich die Wege von Trainer und Team.
Sportvorstand Max Eberl sieht die Gelbsperre von Kompany gelassen: "Ich glaube, für die Mannschaft ist es dann auch egal. Natürlich, Vincent Kompany ist unser Cheftrainer, und wir hätten ihn gerne alle an Bord gehabt. Es ist schade, aber jetzt ist es so, damit haben wir uns abgefunden", sagte Eberl vor dem Abflug nach Paris.
Kompany-Ersatz Danks "muss sich keine Tipps holen"
Auch Co-Trainer Danks müsse sich "keine Tipps holen, weil die beiden jetzt seit mehreren Jahren unfassbar eng zusammenarbeiten", betonte Eberl: "Die wissen genau, wie sie ticken, und Aaron weiß genau, was Vini haben möchte, wie er es haben möchte und wie er es in seiner Art dann auch umsetzen will. Deswegen mache ich mir keine Gedanken."
Video: Abschlusstraining und Abflug nach Paris mit Co-Trainer Aaron Danks
Co-Trainer des FC Bayern, Aaron Danks, beim Abschlusstraining
"War am Sterben" - Mourinhos kurioser Wäsche-Trick
Ob Kompany diese Regeln brechen wird, ist fraglich. Schließlich wird laut Medienberichten ein "Aufpasser" der UEFA in der Nähe des Bayern-Trainers sitzen und beobachten, ob er versucht, die Sperre zu umgehen.
Ideen, um die Sperren der UEFA zu umgehen, gibt es genug. Den wohl ausgeklügelsten Plan hatte Trainerlegende Jose Mourinho - ausgerechnet gegen den FC Bayern. Der Portugiese war in der Saison 2004/05 in Diensten des FC Chelsea als die Londoner im Viertelfinale der Champions League auf die Münchner trafen. Mourinho war für Hin- und Rückspiel gesperrt worden.
"Ich ging tagsüber in die Kabine und habe mich bis zum Spiel dort aufgehalten. Ich wollte unbedingt dort sein, wenn die Mannschaft ankommt. Ich ging dorthin und niemand sah mich", gestand Mourinho gegenüber dem katarischen TV-Sender beIN Sports. Doch der Trainer musste unbemerkt aus der Kabine wieder verschwinden und wurde daher erfinderisch: "Der Zeugwart hat mich im Wäschekorb versteckt. Der war etwas geöffnet, damit ich noch Luft bekam. Als mich der Zeugwart im Korb aus der Kabine brachte, folgten uns die Leute von der UEFA und suchten mich. Deshalb verschloss er die Kiste, sodass ich nicht mehr atmen konnte. Als der Korb wieder geöffnet war, war ich am Sterben." Chelsea setzte sich mit einem 4:2 im Hinspiel und einem 2:3 im Rückspiel am Ende durch.
Mit Kopfhörern auf der Tribüne - auch Simeone trickste wohl
Auch Diego Simeone hat wohl eine Sperre umgangen. Als er 2016 in der spanischen Liga für drei Spiele gesperrt war, nahm nicht nur "El Cholo" auf der Tribüne Platz, sondern auch der Torwarttrainer Pablo Vercellone. Vercellone trug dabei ein Headset, sprach immer wieder mit vorgehaltener Hand in das Mikrofon. Möglicher Adressat: Simeones Co-Trainer German Burgos, der auf der Bank saß und - anders als sonst - ebenfalls Kopfhörer trug.
Ob sich Kompany an seinen prominenten Kollegen orientieren wird, bleibt abzuwarten. Zumindest die Aussagen von Eberl lassen Interpretationsspielraum offen. Kompany, so Eberl, werde trotz der Sperre "seinen Einfluss geltend machen, wo es geht. Er ist ein unfassbarer Trainer." Die UEFA dürfte also vorsichtshalber alle Wäschekörbe kontrollieren.
Tabellenführung und Abstiegskampf, aktuelle Spielpaarungen, Ergebnisse und Liveticker, Torjägerlisten, Laufleistung- sowie Zweikampfstatistiken und noch viel mehr: Fußball im Ergebniscenter von BR24Sport.

