Symbolbild: Stifte, Notizbuch und Handy mit KI-Anwendungen liegen auf einem Tisch.
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Symbolbild: Handy mit KI-Anwendungen auf einem Schreibtisch.
Bildrechte: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose
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Schummeln mit KI im Abi: Das tun Schulen dagegen

Schummeln mit KI im Abi: Das tun Schulen dagegen

Künstliche Intelligenz schafft neue Betrugsmöglichkeiten bei Prüfungen. Deshalb haben viele Schulen in diesem Jahr beim Abitur besonders strenge Regeln aufgestellt. So wollen sie Betrugsversuche verhindern. Manche Schüler stößt das vor den Kopf.

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Ein Glücksbringer auf dem Tisch in der schriftlichen Abi-Prüfung? An manchen Gymnasien in Bayern ist das nicht mehr erlaubt. Auf dem Tisch sollten möglichst nur Stifte liegen. Taschen, Jacken, Mäppchen oder Glücksbringer sollen woanders abgelegt werden, so empfiehlt es das bayerische Kultusministerium. Dadurch sollen Betrugsversuche mit KI-gestützter Technik verhindert werden.

Im Abitur oft nur Papier und Stifte auf dem Pult erlaubt

Denn Schulen beobachten zunehmend KI-gestützten Betrug. Wie viele andere setzt Matthias Langensteiner von der Vereinigung der Direktoren der Bayerischen Gymnasien an seinem Gymnasium Penzberg auf besondere Sicherheitsvorkehrungen: Im Abi dürfen auf dem Pult nur Papier und Stifte liegen, die die Schule geprüft hat. "Alles andere, Essen, Trinken, Stofftiere als Maskottchen und Glücksbringer, muss auf den Boden gestellt werden, weil sich dort kleine Kameras befinden könnten", sagt er. Jacken, Taschen und elektronische Geräte lagern in einem anderen Raum.

Manche Schulen verbieten Blusen und Hemden

Auch für die Kleidung gibt es Vorgaben: Blusen und Hemden sind im Abi nicht erlaubt. Auch dort könnten Mini-Kameras angebracht sein. Falls sich jemand nicht daran hält, hat die Schule vorgesorgt: "Wir haben dann so Leibchen, die man aus dem Sportunterricht kennt, eine Art Trikot, die bitten wir dann die Schüler überzuziehen", sagt Langensteiner.

Kultusministerium weist auf Möglichkeiten und Grenzen hin

Wie streng die Vorgaben sind, entscheiden die Schulen selbst. Allerdings hat das Kultusministerium unlängst Hinweise herausgegeben und informiert [externer Link], was es an KI-gestützten Betrugsmethoden gibt: etwa Smartwatches, Kopfhörer, Smartbrillen, KI-Stifte, KI-Ringe und KI-Pins. Dazu gibt es Empfehlungen für Prüfungen. Und Hinweise zu Grenzen. Denn der Einsatz von Störsendern ist für Schulen ebenso wenig erlaubt wie körperliche Kontrollen oder Durchsuchungen von Schultaschen. Lehrkräfte dürfen nur kontrollieren, was offen zu sehen ist: etwa eine Handyausbeulung in der Hosentasche oder Kopfhörer im Ohr. Sie können Schüler auch auffordern, die Ohren freizumachen oder ihre Hände zu zeigen.

Bei begründetem Verdacht auch Polizei möglich

Vorschriften zur Kleidung gehen Dominik Blanz, dem Direktor des Willi-Graf-Gymnasiums in München, zu weit. Auch dort müssen die Abiturientinnen und Abiturienten Handys und Taschen abgeben. Ansonsten setzt Blanz vor allem auf eine sorgfältige Aufsicht der Lehrkräfte – und etwas Abschreckung. "Ich musste meine Schülerinnen und Schüler leider davor warnen, wenn wir tatsächlich einen begründeten Verdacht haben, dann ist es auch möglich, die Jugendpolizei zu informieren." Die habe schärfere Kontrollmöglichkeiten. "Da ist das Getuschel im Saal etwas lauter geworden", sagt Blanz.

Schüler klagen über Misstrauen

Diese Rede ist bei den Schülerinnen und Schülern hängen geblieben. Und hat für etwas Empörung gesorgt: "An sich macht es schon Sinn, aber es gibt einem das Gefühl, dass die Lehrer null Vertrauen in einen haben und dass man voll durchleuchtet werden soll und voll kontrolliert", sagt Abiturient Lars. Er kann sich nicht vorstellen, dass jemand versuche, zu pfuschen: "So blöd muss man erst mal sein. Das ist doch ein enormes Risiko, was man damit eingeht."

Abiturientin Mila ergänzt: "Ich verstehe, dass man Prüfungen möglichst fair gestalten möchte. Aber es wird uns sehr viel Misstrauen entgegengebracht, auch viel unberechtigtes Misstrauen." Was ihr zu weit geht: "Es ging darum, dass wir durchsichtige Flaschen haben sollten, weil da Sensoren drin sein könnten oder Kameras in BHs. Das wirkt super reaktiv." Evgenia hält die Angst vor KI-Schummeln für übertrieben – normales Spicken gebe es schließlich auch noch.

Keine Kultur des Misstrauens an Schulen

Auch Direktor Blanz will an seiner Schule keine Kultur des Misstrauens: "Wir legen grundsätzlich sehr großen Wert darauf, dass wir uns gegenseitig vertrauen können an der Schule, und machen das äußerst ungern." Zugleich steht er hinter verschärften Vorgaben: "Die Erfahrung zeigt einfach, dass es sinnvoll und wichtig ist. Wir sind es vor allem den Schülerinnen und Schülern schuldig, die sich ehrlich auf eine Prüfung vorbereiten." Wer beim Schummeln erwischt wird, dem drohen null Punkte – und damit das Durchfallen beim Abi.

Matthias Langensteiner aus Penzberg ergänzt: "Die Technik entwickelt sich rasant weiter. Wir sind da eigentlich immer im Hintertreffen." Für ihn stellt sich eine Grundsatzfrage: "Es wird sich sicher in einigen Jahren die Frage stellen, ob schriftliche Prüfungen überhaupt noch zeitgemäß sind und regulär durchgeführt werden können."

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