Ein Fanmarsch in Augsburg (Archivbild)
Ein Fanmarsch in Augsburg (Archivbild)
Bild
Ein Fanmarsch in Augsburg (Archivbild)
Bildrechte: picture-alliance/dpa
Schlagwörter
Bildrechte: picture-alliance/dpa
Audiobeitrag

Ein Fanmarsch in Augsburg (Archivbild)

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
> Sport >

Fan-Beauftragter: Ritualisierte Gewalt ist eher die Ausnahme

Fan-Beauftragter: Ritualisierte Gewalt ist eher die Ausnahme

Eine Massenschlägerei vor dem Bundesligaspiel des FC Bayern gegen den VfB Stuttgart hat die Diskussion um Fangewalt neu entfacht. In "Heute im Stadion" ordnete Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, die Geschehnisse ein.

Über dieses Thema berichtet: Heute im Stadion am .

Gewalt gehört nicht zum Fußball? Leider sehen das nicht alle so. Zwar laufen 95 Prozent aller Spiele in Deutschland ohne Probleme ab, wie aktuelle Zahlen der Polizei belegen. Doch Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, weiß auch: "Es gibt tatsächlich so eine ritualisierte Gewalt auch unter Teilen der Ultras, die auch geregelt stattfindet."

So war das wohl auch vor der Bundesligapartie des FC Bayern München gegen den VfB Stuttgart, als sich kürzlich Fangruppen zu einer möglicherweise verabredeten Schlägerei vor den Stadiontoren trafen. Gabriel glaubt trotzdem, dass die Gewalt nicht zugenommen hat, wie er imm Interview mit "Heute im Stadion" auf Bayern 1 sagte: "Das kann man nicht sagen. Es gibt natürlich immer, wenn was passiert, schnell eine Aufmerksamkeit."

Hooliganismus ist Vergangenheit - Ultras mit positivem Einfluss

Zum Vorfall in München sagt der Experte, es sei wichtig, dass es auch dank der Polizei gelungen sei, eine Massenschlägerei zu verhindern. Polizei, aber auch die Vereine und eben die Fanprojekte leisteten da sehr gute Arbeit.

Rückblick: In den 1980er und 1990er Jahren sei Hooliganismus sehr weit verbreitet gewesen. "Der wurde durch die Ultra-Fans abgelöst, und die haben ja eine sehr positiven Einfluss gehabt auf die Stimmung in den Stadien. Die Stadien sind ja voll, der deutsche Fußball prosperiert. Es ist der Sport, der weltweit die höchsten Zuschauerzahlen hat. Was auch darauf hinweist, dass es ja sicher ist im Stadion, prinzipiell in den letzten Jahren", so Gabriel.

Fanprojekte: Arbeit ist langfristig angelegt

Leider gebe es aber auch bei den Ultras eine Entwicklung, "wo es mehr Leute gibt, die Interesse an Gewalt haben und die tatsächlich auch Gewaltmöglichkeiten suchen."

Die deeskalierende Arbeit der Fanprojekte, die es an 71 Standorten in Deutschland gibt, beginnt genau hier: Diese Projekte "machen soziale Arbeit mit jugendlichen Fußballfans, die langfristig angelegt ist. Und wir versuchen, junge Leute in ihrer Persönlichkeitsentwicklung so zu begleiten, dass sie selbst Verantwortung übernehmen für sich, aber auch für andere, dass sie, wenn es Konflikte gibt, andere Möglichkeiten finden und ein anderes Repertoire zur Verfügung haben, um Konflikte kommunikativ und demokratisch zu lösen."

Gabriel: "Konsens, dass Rassismus und Rechtsextremismus schadet"

Gearbeitet wird mit den Fanszenen auch daran, für eine gewisse Sensibilität zu sorgen. Dabei geht es um die Einsicht, dass Gewalt dem Sport und der Fankultur schadet. Auf der anderen Seite sei Fankultur aber an vielen Stellen sehr sozial: "Sie kümmern sich um Obdachlose, sie sammeln Geld für Sozialschwache, sie kümmern sich umeinander. Fanszenen haben ganz stark auch das Thema Rassismus adressiert. Wir haben heutzutage viel, viel weniger rassistische Vorfälle im Stadion, sondern es gibt Konsens, dass Rassismus und Rechtsextremismus der Gemeinschaft tatsächlich auch schadet."

Gabriels Fazit: "Da hat sich tatsächlich sehr, sehr viel zum Positiven verändert, was alles auch mit der Arbeit der Fanprojekte zu tun hat."

Tabellenführung und Abstiegskampf, aktuelle Spielpaarungen, Ergebnisse und Liveticker, Torjägerlisten, Laufleistung- sowie Zweikampfstatistiken und noch viel mehr: Fußball im Ergebniscenter von BR24Sport.