Die Polizei kesselt Fans an der U-Bahn-Station ein.
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Fan-Schlägerei vor Bayern-Spiel: Wie konnte es dazu kommen?

Fan-Schlägerei vor Bayern-Spiel: Wie konnte es dazu kommen?

Der Südgipfel galt schon vorab als Risiko-Spiel: Am Sonntag sind Anhänger des FC Bayern und des VfB Stuttgart aufeinandergeprallt. Es kam zu tumultartigen Szenen. Wie konnte das passieren – noch dazu an einem typischen Treffpunkt der Bayern-Fans?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Während in der Allianz Arena der FC Bayern am Sonntag seine Meisterschaft feiert, stehen nur einen Kilometer weiter dutzende Polizeiautos mit Blaulicht und Sirenen. Tumulte zwischen teils radikalen Fangruppierungen des VfB Stuttgart und des FC Bayern sind der Auslöser für diesen Großeinsatz, bei dem in der Folge rund 500 Gästefans in Polizeigewahrsam genommen werden. Schnell ist klar: Ein Vorfall in dieser Größenordnung ist außergewöhnlich für München. Wie konnte die Situation derart eskalieren?

Wie konnten Fans gerade am Südkurvenplatz aufeinander treffen?

Schon am frühen Nachmittag, so heißt es von der Polizei, seien die beiden Fangruppen im Bereich des U-Bahnhofs Fröttmaning aufeinandergetroffen. Es ist durchaus möglich, dass die Krawalle geplant waren, so die Polizei. Inoffiziell ist der Parkplatz, an dem es zu der Auseinandersetzung kam, als Südkurvenplatz bekannt. Dort treffen sich viele Bayern-Fans schon Stunden vor dem Anpfiff.

Am Sonntag stießen dort insgesamt rund 1.000 Fans beider Lager aufeinander, auf beiden Seiten ungefähr gleich viele, zum Teil vermummt und gewaltbereit. Wie kann es sein, dass zwei derart große Gruppen aufeinander los gehen können, noch dazu an einem bekannten Bayern-Treffpunkt direkt vor dem Stadion?

Das fragt man sich auch beim Club Nr. 12, dem Dachverband der aktiven Fanclubs des FC Bayern. "Es ist in der Tat ungewöhnlich, dass sich Gästefans nach Ankunft in großen Gruppen in Richtung des Südkurvenplatzes bewegen können", erklärt ein Sprecher auf BR24-Nachfrage. Das Prinzip der Fantrennung nach Ankunft mit der U-Bahn in Fröttmaning sei "sehr simpel und daher für die Polizei in der Regel auch problemlos umsetzbar".

Polizei: Fans prallten überraschend aufeinander

Klar ist: Das Spiel galt für die Polizei schon vorab als Risiko-Spiel. Normalerweise werden Fan-Gruppen in solchen Fällen bei ihrer Anreise von der Polizei begleitet. Das sei auch in diesem Fall so gewesen, sagt Polizeisprecher Christian Drexler: "Allerdings hat sich das relativ schnell und spontan ergeben, dass sich diese Personen nicht in Richtung Stadion begeben haben, sondern an eine dritte Örtlichkeit, wo es dann zu dieser körperlichen Auseinandersetzung gekommen ist."

Auf Videos ist zu sehen, wie Polizisten die meist schwarz gekleideten Fans voneinander trennen, auch Schlagstöcke und Pfefferspray sollen zum Einsatz gekommen sein. Rund 350 VfB-Anhänger werden in Busse gebracht und mit Blaulicht zum Polizeipräsidium in der Münchner Innenstadt eskortiert.

Bei Kontrollen finden die Beamten laut eigener Aussage Handschuhe, Masken und den in der Ultra-Szene üblichen Gebiss- oder Zahnschutz. Noch am Abend dürfen die in Gewahrsam genommenen Fans das Präsidium wieder verlassen, das Spiel haben sie zu dem Zeitpunkt freilich verpasst.

FC-Bayern-Fans nicht festgenommen – Ermittlungen laufen

Fans des FC Bayern sind nicht unter den Festgenommenen. Die Kapazitäten vor Ort hätten dafür nicht ausgereicht, so erklärt die Polizei das im Nachhinein. Doch wie können sich die Beamten sicher sein, dass unter den Stuttgartern in Gewahrsam nicht auch ein paar unschuldige Fans waren, die sich friedlich das Spiel anschauen wollten, aber zur falschen Zeit am falschen Ort waren?

"Über die Fan-Gruppierungen können wir noch nichts sagen, das wäre zu früh", erklärt Polizeisprecher Drexler. Die Kriminalpolizei sei jetzt damit beauftragt, die Fans zu identifizieren. Dazu gibt es auch einen Zeugenaufruf der Polizei, Fotos oder Videos von dem Zwischenfall sollen an die Beamten weitergegeben werden. Die Ermittlungen laufen, die Vorwürfe lauten: Verdacht des Landfriedensbruchs, Widerstand sowie tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

Bei der Polizei wurden acht Einsatzkräfte verletzt. Wie viele Verletzte es in den Reihen der Fan-Lager gab, ist indessen nicht bekannt. Allerdings gilt es auch als ungewöhnlich, dass Anhänger der Ultra-Szene in so einem Fall Anzeige erstatten. Überhaupt ist es schwierig, an die Fan-Gruppen heranzukommen. Zahlreiche Anfragen von BR24 bei verschiedenen Vereinigungen auf beiden Seiten blieben unbeantwortet.

Im Video: Krawalle vor dem Bayern-Spiel: Wie kam es dazu?

Der Südgipfel galt schon vorab als Risiko-Spiel: Am Sonntag sind Anhänger des FC Bayern und des VfB Stuttgart aufeinandergeprallt.
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Der Südgipfel galt schon vorab als Risiko-Spiel: Am Sonntag sind Anhänger des FC Bayern und des VfB Stuttgart aufeinandergeprallt.

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