Lucas Krzikalla spielt mittlerweile bei den Münchner Panthern
Lucas Krzikalla spielt mittlerweile bei den Münchner Panthern
Bild
Lucas Krzikalla spielt mittlerweile bei den Münchner Panthern
Bildrechte: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Marcel von Fehrn
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Marcel von Fehrn
Videobeitrag

Lucas Krzikalla spielt mittlerweile bei den Münchner Panthern

Videobeitrag
> Sport >

Vier Jahre nach dem Coming-out: Krzikallas Weg nach München

Vier Jahre nach dem Coming-out: Krzikallas Weg nach München

Nach knapp eineinhalb Jahrzehnten beim SC DHfK Leipzig schloss sich Lucas Krzikalla den Münchner Panthern in der Regionalliga an. Im exklusiven Interview sprach der 32-Jährige über seinen Weg nach München und sein Coming-out vor vier Jahren.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport am .

Vor ziemlich genau vier Jahren hatte Lucas Krzikalla als erster aktiver Mannschaftssportler in Deutschland seine Homosexualität öffentlich gemacht. Damals war der Rechtsaußen beim SC DHfK Leipzig absoluter Leistungsträger in der Handball-Bundesliga. Seit diesem Sommer greift der 32-Jährige mit den Münchner Panthern in der Regionalliga an.

Im Interview in "Blickpunkt Sport" im BR Fernsehen blickte Krzikalla auf sein damaliges Coming-out, Gefühle der Angst und Beklommenheit auf seinem Weg sowie sein heutiges Leben mit seinem Partner in der bayerischen Landeshauptstadt.

Krzikalla: "Das stand alles noch in den Sternen"

Von der Bundesliga in die Regionalliga - es ist ein bemerkenswerter Weg, welchen Krzikalla vor wenigen Monaten eingeschlagen hat. Über 14 Jahre hinweg ging er für Leipzig in der 2. Bundesliga und im deutschen Oberhaus auf Torejagd, nun greift er den Münchner Panthern auf ihrer ambitionierten Gipfel-Tour in Richtung Erstklassigkeit unter die Arme. "Eigentlich ging das alles sehr, sehr schnell", sagte der Routinier. Mit Weltmeister Dominik Klein habe er sich seit knapp einem Jahr über das Projekt in der Metropolregion München ausgetauscht, "da war aber noch nicht abzusehen, dass mein Vertrag in Leipzig nicht mehr verlängert wird. Das stand alles noch in den Sternen."

Krzikalla: "Sehr schön, hier zu sein"

Eine Gewissheit hatte sich aber bereits im Privatleben abgezeichnet. "Klar war, dass ich irgendwann auf jeden Fall mal nach München ziehen werde wegen meines Freundes", bezog sich Krzikalla auf seine Beziehung mit Freund Christian. Dessen Lebensmittelpunkt befand sich seit jeher in München, nach sechseinhalb Jahren Fernbeziehung war es Zeit für den nächsten Schritt. Aber: So richtig viel geändert habe sich seitdem nicht.

"Viele haben immer gesagt, dass Zusammenwohnen noch einmal etwas ganz Anderes sei", meinte Krzikalla und fügte mit einem Lachen an: "Tatsächlich ist es aktuell aber nicht einmal so anders. Wenn ich am Abend zum Training fahre, kommt mein Freund erst nach Hause. Wenn ich wiederkomme, schläft er bereits - und tagsüber ist er bei der Arbeit. Trotzdem ist es sehr schön, hier zu sein und die Nähe zu spüren."

Krzikalla über Ängste vor seinem Coming-out

Die Tatsache, dass es nach seinem Schritt in die Öffentlichkeit im Herbst 2021 zu keinem weiteren Coming-out im deutschen Mannschaftssport kam, ist für den Handballer aus Großenhain einerseits bedauerlich - andererseits aber auch verständlich. Immerhin handelt es sich um eine zutiefst persönliche Entscheidung, die keineswegs die Gesellschaft für einen treffen soll. "Natürlich ist es ein bisschen schade, dass noch keiner mitgezogen ist. Aber jeder Sportler braucht seine Zeit - und da soll man niemanden drängen. Daher blicke ich sehr zuversichtlich in die Zukunft."

Rückblickend könne er sich zwar vorstellen, den Schritt auch früher zu machen. Im Gegensatz zu heute sei es für ihn damals aber eben nicht selbstverständlich gewesen. "Ich hatte in dem Sinne Angst, dass sich mit meinem Coming-out irgendetwas verändert, da man am Ende eine sehr private Seite von sich preisgibt. Ein Thema, das in meinem Kopf rumschwirrte: Was passiert, wenn die Leute mich nicht so akzeptieren? Ich hatte immer meine Freunde und meine Familie, beim Versuch den nächsten Schritt zu gehen war jedoch stets eine gewisse Beklommenheit dabei."

Gefühle, die sich letzten Endes nicht bestätigen sollten. Krzikalla erfuhr nach seinem Coming-out enorm viel Unterstützung, welche die vereinzelten Hasskommentare in den Schatten stellten.

"Wenn im Fußball ein Outing stattfand, ..."

Wurde in den vergangenen Jahren über den Umgang mit Homosexualität im Profisport gesprochen, rückte vor allem der Männerfußball in den Fokus. Während sich anderen Sportarten aktive Profis bereits outeten, war dies im gewichtigsten Sport der Bundesrepublik noch nicht der Fall.

"Ich glaube, dass sich jede Sportart auch am Fußball orientiert, jeder schaut darauf - und deswegen kann es auch Schwierigkeiten geben", merkte Krzikalla an. "Wenn im Fußball ein Outing stattfand, war die Stimmung in den Kommentarspalten nicht so positiv wie bei mir, sondern mit Hasskommentaren und homophoben Äußerungen gefüllt. Da kann der Gedanke entstehen: Wenn es im Fußball so ist, kann es bei mir auch so sein."

Insgesamt blickt Krzikalla aber positiv nach vorn. In den vergangenen Jahren habe sich "international viel getan in den verschiedensten Sportarten", hob er hervor. "Das ist schon einmal ein guter Schritt. Deshalb denke ich, dass es in Deutschland nicht mehr so lange dauert, bis der nächste Sportler diesen Schritt wagt."

Im Video: Dominik Klein, Lucas Krzikalla und Paula Schröer in "Blickpunkt Sport"

Dominik Klein, Lucas Krzikalla und Paula Schröer in "Blickpunkt Sport"
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Dominik Klein, Lucas Krzikalla und Paula Schröer in "Blickpunkt Sport"