Jetzt ist es amtlich: Die TSV 1860 KGaA ist endgültig insolvent. Das geht aus der Veröffentlichung im offiziellen Portal der Insolvenzbekanntmachungen hervor. Dort wird das Verfahren gegen die KGaA unter dem Aktenzeichen 1502 IN 2387/26 geführt.
"Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Schuldnerin wird wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung am 01.09.2026 um 07.30 Uhr eröffnet", heißt es im Vorgang "1502 IN 2387/26" für die KGaA. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Max Liebig wird nun offiziell zum Insolvenzverwalter bestellt.
- Zum aktuellen Artikel: Der Löwe ist zurück! TSV 1860 e.V. kauft Markenrechte & Spieler
Was bedeutet das Insolvenzverfahren?
Ein Beispiel für ein Insolvenzverfahren bei einem Fußballverein gibt der 1. FC Kaiserslautern im Sommer 2020. Der damalige Insolvenzverwalter Dirk Eichelbaum erklärte gegenüber BR24Sport die Folgen eines Insolvenzverfahrens für die Spieler wie folgt: "Wenn das Verfahren eröffnet wird, dann besteht ein Sonderkündigungsrecht sowohl für den Insolvenzverwalter als auch für den jeweiligen Spieler oder für alle Arbeitnehmer. Er kann mit einer Frist von drei Monaten dann kündigen. Also auch ein Spieler kann mit dieser verkürzten Frist kündigen, auch wenn er noch einen Dreijahresvertrag hätte beispielsweise."
Verein kauft Löwenwappen und Spieler zurück
Kurz nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gab der Verein bekannt, dass eine Einigung zwischen dem e.V., der neuen Spielbetriebs-GmbH und der insolventen KGaA erzielt werden konnte. Damit hat sich der Verein die Markenrechte zurückgekauft und die Beschäftigten der KGaA übernommen, darunter auch die Spieler der U19, U21 und der ehemaligen Profimannschaft, die noch bei der insolventen KGaA unter Vertrag standen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Die Fans, die sich vor Bekanntgabe des Zwangsabstiegs bereits Tickets für die 3. Liga gesichert hatten, wären laut Eichelbaum Teil der Gruppe der Gläubiger. Große Hoffnungen auf eine Rückerstattung der Zahlungen können sie sich allerdings nicht machen, da es sich um mehrere hundert Einzelpersonen handelt. "Für einfache Gläubiger ist typischerweise in Vereinsinsolvenzen keine große Aussicht auf Erfolg da", so Eichelbaum.
Was bedeutet das für den Spielbetrieb?
Für 1860 entscheidend: Die Insolvenzeröffnung selbst bedeutet nicht das Aus des Vereins oder des laufenden Spielbetriebs. Entscheidend ist vielmehr, wie sauber die neue Spielbetriebsgesellschaft von der alten KGaA getrennt werden kann – und was mit Mitarbeitern, Spielerverträgen, Infrastruktur und weiteren bestehenden Verbindungen passiert.
Außerdem müsse der Verein sich laut Dirk Eichelbaum auf gerichtliche Folgen der letzten Monate gefasst machen. "Der Investor hat sich mit einem sehr klagefreudigen Anwalt bewaffnet, der nicht für Kompromisse bekannt ist. Das kann richtig bunt werden", so Eichelbaum.
Wie geht es jetzt weiter?
Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens beginnt nun die eigentliche Abwicklung der KGaA. Die Gläubiger werden aufgefordert, ihre Forderungen bis zum 20. Oktober 2026 beim Insolvenzverwalter schriftlich anmelden.
Der nächste wichtige Termin folgt am 1. Dezember 2026. Dann sind für die KGaA sowohl die Gläubigerversammlung als auch der Prüfungstermin der angemeldeten Forderungen in der Kleinen Olympiahalle in München angesetzt.
Manfred Paula: "Klare Linie, die wir als Verein verfolgen"
Wenn es um zukünftige Entscheidungen geht, verfolgt der Verein laut Geschäftsführer Manfred Paula "eine klare Linie". Die Spielbetriebsgesellschaft habe "alles auf der grünen Wiese neu aufgesetzt – von der Mannschaft, über den Spielbetrieb bis hin zur Infrastruktur und alle Systeme, die innerhalb kürzester Zeit auf den Weg gebracht werden mussten. Das ist auch sehr gut gelungen", betonte Paula im Interview mit BR24Sport. Die Arbeit der vergangenen Wochen soll nicht umsonst gewesen sein, sondern auch weiterhin eine Fortsetzung finden.
Am Dienstag meldete sich schließlich auch Vereinspräsident Gernot Mang in einem exklusiven Interview mit BR24Sport zu Wort und blickte in die Zukunft der Löwen.
Video: Insolvenzexperte Dirk Eichelbaum im Interview
Jurist Dirk Eichelbaum war 2020 beim Insolvenzverfahren des 1. FC Kaiserslautern der beauftragte Insolvenzverwalter
Video: "Ganz viel Euphorie" bei 1860 nach wegweisendem Tag
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