Optimal verlief die EM-Vorbereitung für Gina Lückenkemper keineswegs. Die Wahl-Bambergerin zog sich im Juni einen Zeckenbiss zu. Anstatt sich gezielt auf die Leichtathletik-EM im englischen Birmingham (10. bis 16. August) vorzubereiten, musste die Doppel-Europameisterin von 2022 eine Trainingspause einlegen und Antibiotika einnehmen.
Umso dankbarer sei sie, dass sie die schwierige Zeit überstanden habe und nun doch bei den Wettkämpfen an den Start gehen könne. "Ich habe immer noch eine kleine Beule am Hinterkopf, aber ich bin einfach dankbar dafür, dass ich trotzdem in der Lage dazu bin, dieses Jahr Wettkämpfe zu bestreiten", erzählt Lückenkemper.
Emotionales Interview bei der Deutschen Meisterschaft
Auf der Bahn fühle sich die 29-Jährige inzwischen wieder zunehmend wohl. In den vergangenen Trainingseinheiten habe die Sprinterin sogar noch "kleine Stellschrauben" gefunden, "an denen wir noch ein bisschen rumschrauben können, damit es noch besser wird." Entsprechend optimistisch blickt sie auf die Titelkämpfe: "Ich bin gespannt, wohin die Reise gehen wird in Birmingham."
Dennoch hinterließ der Vorfall vor sechs Wochen Spuren. Bei den Deutschen Meisterschaften Ende Juli verpasste Lückenkemper die erfolgreiche Titelverteidigung über 100 Meter. Lediglich drei Hundertstelsekunden fehlten ihr zu ihrem siebten nationalen Meistertitel. Im Interview mit dem ZDF zeigte sie sich nach dem Rennen emotional und rang mit den Tränen: "Diese scheiß Zecke hat echt ein paar Mal das Nervensystem gebissen."
Nervensystem war betroffen
Die vergangenen Wochen seien eine große Herausforderung gewesen. "Es war echt hart. Vom Herz her nein, vom Kopf zwischendurch ja", sagte sie damals. "Der Körper war viel zu sehr angegriffen. Das Nervensystem hat so einen Treffer davon genommen. Ich habe nachts acht Stunden geschlafen, aber ich war nicht richtig erholt danach."
Nach dem Zecken-Schreck richtete sich ihr Fokus vollständig auf die EM in Birmingham. Dort soll Lückenkemper vor allem der deutschen Sprintstaffel helfen. Als Teamplayerin fühle sie sich insbesondere in der Staffel wohl: "Ich weiß, dass ich in der Staffel nochmal ganz anders aufdrehen und nochmal ganz anders ready sein kann."
"Mutti" des Teams
Doch nicht nur sportlich ist Lückenkemper eine wichtige Stütze des deutschen Teams. Mittlerweile zählt sie zu den erfahrensten Athletinnen im Kader. "Jetzt gehöre ich doch irgendwo zum alten Eisen dazu", sagte sie mit einem Lachen. Von ihren Teamkolleginnen werde sie deshalb auch gerne einmal "Mutti" genannt, wenn sie mit organisatorischen Dingen helfe. "Den ein oder anderen guten Ratschlag kann ich dann doch geben und den gebe ich dann auch sehr gerne", sagt Lückenkemper - und auch auf der Tartan-Bahn dürfte Lückenkemper den Jungen noch zeigen, wie es geht.
