Selbst wenn man es nicht sieht: Es ist bei jedem Schritt unüberhörbar. Der Waldboden ist trocken. Sehr trocken. Wir sind zu Fuß unterwegs in den Bayerischen Staatsforsten bei Grünwald, südlich von München. Nathalie Kolb zeigt, wie sie und ihre Försterkollegen den Wald umbauen. Weg von der Kiefer, weg von der Fichte, hin zu Laubbäumen wie der Eiche: "Das ist deswegen wichtig, weil vor allem das Waldinnenklima durch Laubbaumarten eher kühler gehalten wird, weil das Laub in den Kronenbereichen einen speziellen Beschattungseffekt hat. Und durch den Beschattungseffekt wird der Wald im Innenklima kühler gehalten. Und wenn es mal regnet oder ein kühleres Klima im Wald ist, kann sich natürlich dann auch das Wasser viel länger im Waldboden halten und der Wald insgesamt bleibt kühler und feuchter."
Fast sechs Millionen junge Bäume gepflanzt
7.500 Hektar Wald haben die bayerischen Staatsforsten nach eigenen Angaben allein im vergangenen Jahr zu klimaangepassten Mischwäldern umgebaut. Das entspricht nahezu der Fläche des Chiemsees. Dafür seien fast sechs Millionen junge Bäume gepflanzt worden. Seit 2008 sind es bereits 125.000 Hektar, die zum Mischwald umgebaut worden sind laut dem bayerischen Forstministerium. Im Ziel eines klimaresistenten Waldes wissen sich die Bayerischen Staatsforsten und der Bund Naturschutz (BN) einig. Doch den Naturschützern reichen die Maßnahmen und vor allem das Tempo nicht.
Bund Naturschutz fordert mehr Tempo
Zwei Drittel des bayerischen Waldes bestehen nach Angaben des BN immer noch aus Kiefern und Fichten. Die Nadelhölzer würden aber Temperaturen von über 40 Grad nicht aushalten. Der Landesvorsitzende Martin Geilhufe fordert deshalb von der Staatsregierung, endlich ambitionierten Klimaschutz zu machen. Was in den vergangenen Jahren passiert sei, sei ein richtiger Anfang, aber viel zu wenig. Die Maßnahmen reichten nicht, um dramatische Waldbrände in Zukunft in Bayern zu verhindern.
Jagen nach dem Motto "Wald vor Wild"
Die Naturschützer beklagen zudem den zu hohen Wildverbiss in vielen bayerischen Wäldern. Rehe und Hirsche würden so viele Eicheln fressen, dass sie sich gar nicht erst zu Pflanzen entwickeln könnten. Es müsse deshalb das Motto "Wald vor Wild" gelten, so Geilhufe: "Wir brauchen eine ambitionierte Jagd, die auch wirklich diese Abschusszahlen bringt, die wir dringend brauchen, um die Waldverjüngung hochzubringen. Mehr Rehe schießen, damit der Wald hochkommt."
Harsche Kritik von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), zuständig auch für die Jagd und den Staatswald, weist die Forderungen mit deutlichen Worten zurück. Der Bund Naturschutz solle aufhören, Horrormeldungen zu verbreiten, und nicht Rehe zu Sündenböcken für Waldbrände machen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme auf BR-Nachfrage: "Euch brennt wohl der Hut! Fehlt nur noch zu sagen, dass Glühwürmchen den Wald angezündet haben. Vielleicht war es auch ein Grünideologe mit seinem Joint?"
Forstministerium setzt auf zunehmende Waldumbauförderung und warnt vor EU
Aus dem Forstministerium von Michaela Kaniber (CSU) wird auf den steigenden Laubholzanteil in Bayerns Wäldern in den vergangenen 20 Jahren verwiesen. Das Ministerium verzeichnet auch eine steigende Nachfrage nach Förderung für Waldumbaumaßnahmen. Seit das Verfahren geändert worden ist, habe die Nachfrage um 20 Prozent zugenommen.
Neben Pflanzungen und Waldpflege der Staatsforsten betont das übergeordnete Ministerium die Bedeutung der Naturverjüngung mit waldverträglichen Wildbeständen. Mit dem neuen Jagdgesetz erhielten Grundbesitzer mehr Freiraum, aber auch mehr Verantwortung, sich für waldverträgliche Wildbestände einzusetzen, dazu gehöre auch mehr Spielraum bei den Jagdzeiten auf Rehe.
Das Forstministerium sieht dagegen eine Gefahr für den Waldumbau in der EU-Wiederherstellungsverordnung. Weil sie das "Rad zurückdrehen möchte zu den Waldzuständen, die uns klimabedingt gerade zwischen den Fingern zerrinnen", hemme sie den Waldumbau in Bayern.
Im Video: Försterin Kolb erklärt Vorteile der Laubbäume bei Trockenheit
Ein natürlicher Laubwald mit Totholz (Uckermark, 03.08.2026)
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