Max Eberl holte kurz Luft, als er von BR24Sport-FC-Bayern-Reporter Taufig Khalil nach den Plänen von FIFA-Präsident Gianni Infantino gefragt wurde, der Anteile an der WM an Investoren verkaufen möchte. "Wie komme ich aus dieser Nummer einigermaßen raus, ohne in den Schlagzeilen zu stehen", setzte der Sportvorstand des FC Bayern an, um danach eine Brandrede zu halten. "Ich finde es beschämend. Ich schäme mich dafür, dass wir im Fußball über solche Gedanken reden. Der Fußball gehört uns nicht. Das ist ein Spiel. Die FIFA ist dazu da, um das Spiel zu begleiten, es in Formen und Regeln zu bringen und Weltmeisterschaften auszurichten. Momentan habe ich das Gefühl, die FIFA ist dazu da, nur Profit zu machen."
Verkauf an Investoren - FIFA hofft auf Milliarden-Deal
Der Fußball-Weltverband plant einen Verkauf von 20 bis 30 Prozent der Anteile an einem noch zu gründenden Unternehmen, das die WM kontrollieren soll. Dadurch würden sich laut FIFA-Rechnung die Mittel für die 211 Mitgliedsverbände mehr als verdoppeln. Von derzeit acht Millionen US-Dollar pro Vierjahres-Zyklus stiege der Betrag demnach zunächst auf 20 Millionen und bis 2035 auf bis zu 24 Millionen US-Dollar.
Eberl unterstützt möglichen UEFA-Boykott
"Ich fühle mich als Kind des Fußballs, darf das jetzt schon seit mehreren Jahrzehnten machen - und selbst mich, der im Fußball wirklich da zuhause ist - mich ekelt das", erklärte Eberl. Der europäische Fußballverband überlegt aufgrund der Pläne offenbar einen Boykott von FIFA-Wettbewerben und hat zeitnah eine Sitzung einberufen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Ein Schritt, den Eberl befürwortet. "Ich finde es gut, dass die UEFA eine Krisensitzung einberufen hat. Ich bin kein Freund von Boykott, ich bin ein Freund von Dialog. Aber wenn es so weit kommt, dann bin ich auch dafür, dass wir als Europa eine starke Stirn bieten und sagen: Ne, da machen wir nicht mit. Das ist nicht unser Sport. Und dann auch dagegen vorgehen würden." Zusätzliche Brisanz bekommt die Aussage Eberls, da der FC Bayern im vergangenen Sommer an der ersten FIFA-Klub-WM teilgenommen hatte. Auch dieses Turnier wäre in einem möglichen Investorendeal enthalten.
Video: Max Eberl zu Infantinos Plan in der Presserunde: "Fühlt sich beschissen an"
Max Eberl, Sportvorstand des FC Bayern
Matthias Sammer warnt: "Rührt an den Grundmauern des Fußballs"
Auch Matthias Sammer, Sportvorstand beim FC Bayern von 2012 bis 2016 und aktuell Berater bei Borrussia Dortmund, äußerte sich am Mittwoch beim Internationalen Trainerkongress in Mainz zu der Thematik: "Gianni Infantino muss es erstmal schaffen, allen gerecht zu werden. Das ist seine Aufgabe und die der FIFA. Es ist immer ein schmaler Grat", sagte Sammer. Jedoch sehe er eine "Gefahr, wenn in die Integrität des Spiels eingegriffen wird." Wenn man "die emotionale Glaubwürdigkeit des Fußballs aufs Spiel" setze, rühre dies an den "Grundmauern des Fußballs", betonte der 58-Jährige.
DFB-Präsident Neuendorf: "Fatales Zeichen"
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hielt sich ebenso nicht mit Kritik zurück. "Es ist ein fatales Zeichen, eine Weltmeisterschaft für Investoren zu öffnen. Der Fußball lebt von der Akzeptanz der Gesellschaft und wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen", unterstrich der 65-Jährige. "Das ist ganz wichtig."
Aussichtslos sei die Lage jedoch nicht, dem europäischen Fußball-Verband schreibt Neuendorf in dieser Causa eine entscheidende Rolle zu. "Es ist ganz klar: Wenn sich die UEFA klar positioniert und sich einem solchen Thema verschließt, dann ist dieses Projekt aus meiner Sicht gestorben. Es wird sich kein Investor finden lassen, wenn Europa sagt, dass es an einer solchen Maßnahme kein Interesse hat und nicht daran teilnehmen wird."
Max Eberl
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