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Millionen-Defizit bei der FIS: "Die Zahlen sind erschreckend"

Millionen-Defizit bei der FIS: "Die Zahlen sind erschreckend"

Beim Herbstmeeting des Welt-Skiverbands sind erstmals konkrete Zahlen zur finanziellen Lage bekannt geworden. Das strukturelle Defizit beträgt rund 20 Millionen Euro jährlich. DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach zeichnet ein düsteres Bild.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport am .

Schon seit einiger Zeit stand die finanzielle Situation des Welt-Skiverbands FIS im Fokus. Konkrete Zahlen drangen allerdings nur selten an die Öffentlichkeit – auch, weil die Strukturen und Entscheidungsprozesse innerhalb des Verbands immer wieder als intransparent kritisiert worden waren. Beim alljährlichen FIS-Herbstmeeting in Genf wurde nun zumindest in Teilen Klarheit geschaffen. Die neue Führung präsentierte den nationalen Skiverbänden erstmals ausführlich die finanzielle Lage des Weltverbands und die Ergebnisse einer unabhängigen Prüfung.

DSV-Vorstandsmitglied Schwarzbach: "Zahlen sind erschreckend"

Die FIS ist laut dem Bericht, der BR24Sport vorliegt, zwar weiterhin zahlungsfähig. Gleichzeitig sei die finanzielle Entwicklung der vergangenen Jahre nicht nachhaltig. Demnach weist die FIS ein strukturelles Defizit von rund 20 Millionen Euro pro Jahr auf.

DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach zeigte sich im Gespräch mit BR24Sport entsprechend alarmiert: "Die Zahlen, die da präsentiert wurden, waren schon erschreckend." Die zentrale Botschaft sei dabei unmissverständlich gewesen: "Wenn die FIS jetzt nicht den Turnaround schafft und nicht sofort entsprechende Gegenmaßnahmen einleitet, wären spätestens in der Saison 2028/29 die Reserven aufgebraucht."

Eigenkapital um fast die Hälfte gesunken

Wie dramatisch sich die finanzielle Situation in den vergangenen Jahren entwickelt hat, zeigt vor allem der Blick auf das Eigenkapital. Nach Angaben der FIS sank dieses zwischen 2021 und 2025 um 47 Prozent – von 81 auf 43 Millionen Schweizer Franken. "Das sind natürlich Werte, die alles andere als froh stimmen", urteilt Schwarzbach.

Die FIS führt die Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück. Zwar seien die Einnahmen aus Sponsoring zwischen 2021 und 2025 gestiegen, gleichzeitig hätten sich die Kosten und finanziellen Verpflichtungen jedoch noch stärker erhöht.

Auch die Zentralisierung der Medienrechte spielt dabei eine Rolle. Die Vereinbarung zwischen der FIS und den nationalen Verbänden als Ausrichter der Weltcups bringt für den Weltverband erhebliche Produktionskosten mit sich. Die erwarteten wirtschaftlichen Vorteile seien bislang allerdings nicht in entsprechendem Umfang eingetreten.

Höhere Verbandskosten für Personal, Recht und Verwaltung

Hinzu kommt, dass die Rechte an den FIS-Weltmeisterschaften bis 2030 in der jüngsten Vermarktungsrunde deutlich niedriger bewertet wurden als im vorherigen Verkaufszyklus. Gleichzeitig weitete die FIS ihre Zahlungen an die nationalen Skiverbände deutlich aus. Die Ausschüttungen stiegen zwischen 2021 und 2025 um 69 Prozent – von 12,8 auf 21,6 Millionen Schweizer Franken pro Jahr.

Die neue FIS-Führung kommt deshalb zu dem Schluss, dass mehrere kommerzielle Entscheidungen der vergangenen fünf Jahre sich als nicht zielführend erwiesen hätten. Die unabhängige Prüfung habe zudem erhebliche Schwächen im strategischen Management aufgezeigt.

Neue Führung will gegensteuern

Der neue FIS-Präsident Alexander Ospelt hatte bereits zu seinem Amtsantritt maximale Transparenz angekündigt und die Aufarbeitung der finanziellen Situation zu einer seiner zentralen Aufgaben gemacht. Nun, da die Zahlen auf dem Tisch liegen, müsse es darum gehen, gegenzusteuern, betonte Schwarzbach.

Dabei seien nicht nur die FIS-Führung, sondern auch die nationalen Verbände gefordert: "Der Scherbenhaufen, den wir da hinterlassen bekommen haben, da reicht die kleine Kehrschaufel nicht, da brauchen wir schon die große Schneeschaufel und da müssen alle anpacken."

Sparen auf allen Ebenen: "Jeder Stein muss umgedreht werden"

Fest steht: Die FIS muss ihre Ausgaben reduzieren. "Da muss jetzt wirklich jeder Stein umgedreht werden. Da muss man gemeinsam schauen, wo es Sinn macht zu sparen", so Schwarzbach.

Dabei gehe es nicht allein darum, kurzfristig möglichst viel Geld einzusparen. Vielmehr müsse der Verband das Gesamtbild im Blick behalten. "Es geht nicht nur darum, gewinnmaximiert zu arbeiten, sondern das große Ganze im Blick zu haben", sagte Schwarzbach.

Hoffnung auf einen Neuanfang

Trotz der ernüchternden Zahlen war beim Herbstmeeting laut Schwarzbach auch eine Aufbruchstimmung zu spüren. Die neue FIS-Führung will die finanzielle Entwicklung stabilisieren und den Verband wieder auf eine nachhaltige Grundlage stellen.

Schwarzbach sieht darin auch eine Chance für einen Neuanfang: "Wir hoffen, dass wir es jetzt gerade noch rechtzeitig gestoppt haben, diese negative Entwicklung, um dann eben hoffentlich in den nächsten Jahren wieder auf dem Niveau zu sein, wie die FIS früher mal war."

Im Beitrag: Die "erschreckenden" Zahlen der FIS

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