BR24 vor Ort: Aus für die Nordische Kombination?
BR24 vor Ort: Aus für die Nordische Kombination?
Bild
BR24 vor Ort: Aus für die Nordische Kombination?
Bildrechte: BR
Schlagwörter
Bildrechte: BR
Videobeitrag

BR24 vor Ort: Aus für die Nordische Kombination?

Videobeitrag
> Sport >

Olympia ohne Noko-Frauen – was hinter der Entscheidung steckt

Olympia ohne Noko-Frauen – was hinter der Entscheidung steckt

In der Nordischen Kombination springen und laufen Athleten auf zwei Brettern – aber bei Olympia stehen sie nur auf einem Bein. Dass Frauen nach wie vor nicht an Winterspielen teilnehmen dürfen, ist längst mehr als nur ein moralisches Problem.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

102 Jahre olympische Tradition, mit Langlaufen und Skispringen die ultimative Kombination nordischer Sportarten – das klingt nach einer dieser olympischen Erfolgsgeschichten, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) gern erzählt. Wäre da nicht diese eine Ungerechtigkeit.

Nach wir vor finden olympische Wettkämpfe in der Nordischen Kombination nur für Männer statt. In keiner anderen Disziplin ist nur ein Geschlecht bei den Spielen 2026 vertreten.

Frauen Noko-Wettbewerbe noch jung

Das IOC begründet diese Entscheidung unter anderem mit der noch jungen Geschichte der Frauen-Wettbewerbe in der "Noko". In der Tat ist die noch deutlich kürzer als die ihrer männlichen Gegenparts, die bereits bei den ersten Olympischen Winterspielen 1924 vertreten waren. Aber die Professionalisierung der Frauen ist in den letzten Jahren rasant vorangeschritten.

Seit der Saison 2020/21 veranstaltet der Internationale Skiverband (FIS) Weltcuprennen für Frauen. Im gleichen Winter wurde in Oberstdorf auch die erste Weltmeisterin in der Nordischen Kombination gekürt. Nicht erst seitdem träumen die Damen der Nordischen Kombination von einer Olympia-Teilnahme. Hoffen auf eine ähnliche Entwicklung hin zu mehr Gleichbehandlung, wie sie bei den Spezial-Skispringerinnen zu erkennen ist.

Frauen kämpfen für Olympia-Teilnahme

Nathalie Armbruster, aktuell Gesamtweltcupführende, machte schon 2017 ihr Ziel klar, damals noch als Nachwuchsathletin:

Umso enttäuschender für die Athletinnen die IOC-Entscheidung 2022: auch die Teilnahme bei Olympia 2026 bleibt den Noko-Frauen verwehrt. Für Armbruster ist in diesem Moment eine Welt zusammengebrochen: "Ich habe geweint und es ist halt einfach auch sportlich gesehen absolut nicht nachvollziehbar. Es geht einfach nur ums Geld und um Einschaltquoten und das ist richtig traurig.“

Unverständnis über IOC-Entscheidung

Armbruster meint die Begründung des IOC: Nordische Kombination habe im Weltcup zu wenige Zuschauer, insbesondere bei den Frauen. Außerdem sei die Leistungsdichte zu gering, es seinen also zu wenige Nationen vertreten. Die Rennen sind damit aus IOC-Sicht weniger attraktiv und damit schwerer zu vermarkten.

Ähnliche Bedenken äußerte das IOC auch zu Männer-Rennen. Diese durften jedoch im Programm bleiben, das entscheidende Argument des IOC dabei: die Männer hätten schon begonnen, sich auf die Spiele vorzubereiten.

Die Vizepräsidentin des Bayerischen Skiverbandes Margit Uhrmann vermutet: "Es ist vielleicht die Dominanz, nur ein bisschen da in manchen Köpfen, die Dominanz der Männer." Dennoch hat sie für den Ausschluss der Damen kein Verständnis: "Es hat sich viel entwickelt. Mädels können genauso gut skispringen, sie können genauso gut langlaufen, sie können genauso gut kombinieren wie die Männer."

Frauen-Teilhabe nicht nur "moralische Geste"

Neben der Enttäuschung zeigt sich bei den betroffenen Athletinnen vor allem auch Protest. Symbolische Aktionen sollen Druck aufs IOC machen. Noko-Athletinnen malen sich bei Rennen Bärte auf, recken ihre Stöcke vor Starts in Form eines X in die Höhe, als Zeichen für das weibliche X-Chromosom. Armbruster fordert, keine Ausnahmen zu machen: "Jedes Mal wenn ich die Stöcke hochnehme und das Zeichen 'No Exception' mache, dann ist da schon auch Wut dabei."

An der Entscheidung des IOC hat all der Widerstand nichts geändert. Die Forderung nach Gleichberechtigung bleibt, auch für die Spiele 2030. Alle oder keiner, darauf wird es laut Deutschem Skiverband wohl hinauslaufen: "Ohne Parität gerät das gesamte System, gerät die ganze Disziplin letztendlich unter Druck. Und damit auch die Männer", befürchtet Stefan Schwarzbach, Geschäftsführer des Deutschen Skiverbands. Ein Sport, der bloß auf einem Bein stehe, der verliere irgendwann das Gleichgewicht. Laut Schwarzbach ist es keine moralische Geste mehr, die Frauen dazu zunehmen, sondern "schlicht und ergreifend eine strategische Notwendigkeit".

Seitdem die Nordische Kombination insgesamt auf dem Prüfstand steht, hat sich in den Wettbewerben Einiges getan. Seit 2023 gibt es zwei neue Disziplinen, die die Entscheidungen spannender machen sollen. Und internationale Aufmerksamkeit bekommt der Sport seit der IOC-Kontroverse wieder umso mehr.

Bei den aktuellen Spielen in Cortina will das IOC die Männer-Wettbewerbe genau beobachten, Daten sammeln und dann entscheiden. Noch dieses Jahr wird ein Urteil erwartet – das kann entweder der erkämpfte Erfolg für Frauen-Teilhabe werden oder aber das Ende einer traditionsreichen Wintersport-Disziplin.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!