Eigentlich hätte am Mittwochabend entschieden werden sollen, wo die Nordische Ski-WM 2031 stattfindet: in Oberstdorf oder in Planica. Doch anstatt einer Entscheidung gab es bei einer Veranstaltung im Rahmen des FIS-Kongresses in Belgrad Buhrufe und Pfiffe.
"Meine Damen und Herren, ich hatte gehofft, den heutigen Abend mit der Bekanntgabe der Austragungsorte der Nordischen Weltmeisterschaften 2031 abschließen zu können. Die Ratssitzungen, die zu dieser Verzögerung geführt haben, dauern jedoch an und wir konnten noch keine endgültige Entscheidung treffen", sagte Nick Fellows, der Direktor von FIS TV, auf der Bühne, während im Publikum Gemurmel einsetzte.
DSV-Vorstand: "Habe so etwas noch nie erlebt"
"Diese Entscheidung wird in den nächsten Ratssitzungen fallen. Ich bitte daher um Entschuldigung, dass wir nicht so weit waren", führte Fellows im Beisein des umstrittenen FIS-Präsidenten Johan Eliasch nebulös aus. Die Skiflug-WM 2030 ging derweil turnusmäßig an Vikersund (Norwegen).
Auch DSV-Vorstand Stefan SChwarzbach war vor Ort. Der Eklat um die Wahl und die schlussendliche Verschiebung, sei ein Schauspiel gewesen, das seinesgleichen suche, sagte Schwarzbach im exklusiven Interview mit BR24Sport: "Ich habe sowas noch nie erlebt."
Oberstdorf muss nun also weiter warten, bis eine Entscheidung fällt. Für den Allgäuer Wintersportort wäre es eine besondere Veranstaltung: Die letzte Ski-WM in Oberstdorf fand immerhin 2021 statt und damit während der Corona-Pandemie. Die Athleten sprangen und liefen vor leeren Rängen. Von einer möglichen WM 2031 erhofft man sich nun eine Art Entschädigung, unzählige Zuschauer und echte WM-Stimmung.
Die nächste Farce in unruhigen Zeiten
Die Farce um die vertagte Entscheidung der Nordischen Ski-WM 2031 reiht sich in eine Vielzahl von Schlagzeilen ein: Die wichtigste Entscheidung in Belgrad fiel am Donnerstag, als Johan Eliasch als FIS-Präsident abgewählt wurde. Vor allem die großen Wintersportnationen, darunter auch Deutschland, wollten eine Wiederwahl von Eliasch verhindern.
DSV-Vorstand Stefan Schwarzbach geht davon aus, dass Eliasch etwas mit der Verschiebung der Entscheidung zu tun hat. Am Mittwoch war der Briten-Schwede noch FIS-Präsident, wollte sich mit aller Macht auch im Amt halten. "Er hat mit einer gewissen eisernen Hand regiert und wollte an der ein oder anderen Stelle die Entscheidungen nicht akzeptieren. Das beste Beispiel ist die Wahl rund um die Nordische Ski-WM", so Schwarzbach.
Als Eliasch am Mittwochabend in Belgrad auf die Bühne trat, fiel der Applaus des Publikums recht zurückhaltend aus, zahlreiche Zuschauer blieben völlig still. Und auch die vertagte Entscheidung um die Nordische Ski-WM 2031 dürfte kein besonders gutes Licht auf die aktuelle Arbeit der FIS werfen.
Skisprungschanze in Oberstdorf

