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Ex-FIS-Boss Eliasch - die umstrittenste Person des Wintersports?

Ex-FIS-Boss Eliasch - die umstrittenste Person des Wintersports?

Am Donnerstag wollte sich FIS-Präsident Johan Eliasch neu wählen lassen. Doch der Milliardär ist umstritten, fast alle großen Verbände hatten sich vorab gegen den 64-Jährigen ausgesprochen. Am Donnerstag endete die Ära Eliasch.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport am .

Am Donnerstag dürften viele Wintersportler, Funktionäre und Trainer gespannt nach Belgrad geblickt haben. Im Rahmen eines turbulenten FIS-Kongresses wurde dort entschieden, ob der umstrittene FIS-Präsident Johan Eliasch im Amt bleibt oder ob sein einziger verbliebener Herausforderer, Alexander Ospelt, die Wahl gewinnen kann. Mittlerweile ist klar: Eliasch wurde hauchdünn abgewählt.

Dabei hatte Eliasch keine Mühen gescheut, um am Donnerstag wiedergewählt zu werden. Auch, wenn im Vorfeld immer mehr gegen ihn gesprochen hatte und sich immer mehr - mitunter einflussreiche - Personen gegen den Milliardär positioniert hatten.

Die großen Ziele Eliaschs: China, Innovation und Nachhaltigkeit

Dabei hatte der britisch-schwedische (und neuerdings auch georgische) Geschäftsmann große Pläne: Er wollte die FIS neu organisieren, die Rechte zentralisieren, den Wintersport größer und internationaler machen. Er träumte von Rennen in China, in Südamerika, von Innovationen bei der TV-Übertragung. Beim Weltverband habe man das Ziel, "Skifahren und Snowboarden zu den nachhaltigsten, aufregendsten und integrativsten Sportarten der Welt zu machen", so Eliasch.

Als CEO des Sportartikelherstellers HEAD und in unterschiedlichsten politischen Funktionen in seinem Heimatland England (unter anderem für die Conservative Party) war er es gewohnt, zu führen und zu entscheiden. Über die vergangenen Jahrzehnte haben sich die vielen verschiedenen Positionen und Unternehmen ausgezahlt: Im Jahr 2020 führte ihn die Times sogar in der Liste der reichsten Briten auf.

Putschversuch nach nur einem Jahr im Amt

Als er 2021 zum FIS-Präsidenten gewählt wurde, als Nachfolger für Gian Franco Kasper, da dauerte es jedoch nicht lange, bis Eliasch Kritiker auf den Plan rief. Schon in den vergangenen Jahren brodelte es in und um die FIS. Ein Jahr nach seiner Wahl, wollten wichtige Ski-Nationen Eliasch schon wieder loswerden.

Die Zeit bezeichnete Eliasch sogar als "Donald Trump des Skisports", kaum ein Tag verging, an dem sich nicht ein großer Name des Wintersports zum umstrittenen FIs-Boss äußerte. Die Vertreter von Österreich, der Schweiz, Deutschland wagten sogar einen Putschversuch, scheiterten jedoch. Damals hatte Eliasch noch genügend Fürsprecher.

Odermatt und Shiffrin kritisieren Eliasch

Heute, vier Jahre später, sieht das Ganze anders aus. Der Unmut wuchs enorm, als vor kurzem bekannt wurde, wie viel Geld Eliasch verbraten und wie wenige seiner Versprechen er erfüllt hat. Diverse Nationen erklärten den FIS-Boss in bemerkenswerter Geschlossenheit für untragbar.

Auch vonseiten der Athleten wurde die Kritik zuletzt immer lauter: Die Alpin-Dominatoren der Gegenwart, Marco Odermatt und Mikaela Shiffrin, kritisierten Eliasch ungewohnt scharf, auch Loic Meillard oder Daniel Yule sprachen sich klar gegen den FIS-Boss aus.

Ebenso der Deutsche Skiverband: Eine Wiederwahl von Eliasch in Belgrad wäre eine Katastrophe, urteilte Stefan Schwarzbach, Vorstand im Deutschen Skiverband. "Aus unserer Sicht reichen kosmetische Korrekturen längst nicht mehr aus. Die FIS braucht eine echte Kernsanierung, um Vertrauen, finanzielle Stabilität und Geschlossenheit zurückzugewinnen", sagte Schwarzbach dem SID.

Personal-Furore um Urs Lehmann und Alexandra Meissnitzer

Die Hauptkritikpunkte: Zum Einen ist da das Finanzielle: Das Vermögen der FIS soll unter Eliasch von 130 auf 43 Millionen Franken geschrumpft sein, wie Athletensprecher AJ Ginnis ermittelt hat. Die wirtschaftliche Situation soll FIS-Geschäftsführer Urs Lehmann dazu gebracht haben, sein Amt nach nur einem Jahr nach seiner Einberufung durch Eliasch 2025 wieder niederzulegen. "Lehmanns Rücktritt spricht Bände", befand Schwarzbach: "Wenn selbst der Steuermann, der die Entwicklung der vergangenen Jahre aus nächster Nähe begleitet hat, eine dringende finanzielle Kurskorrektur fordert, dann sollten bei allen Delegierten die Alarmglocken läuten."

Doch nicht nur die Personalie Lehmann sorgte für Furore. Nachdem die Ex-Skirennläuferin Alexandra Meissnitzer sich in einem Interview kritisch äußerte, wurde sie vom Kongress ausgeladen, obwohl sie erst im vergangenen Jahr von Eliasch als Verantwortliche für Spezialprojekte ins "President's Office" geholt wurde.

Kann sich Eliasch doch noch halten?

Und auch den Rückhalt seiner Heimat(en) hat Eliasch längst verloren. Die Briten, die ihn 2021 nominierten, schickten zunächst ihre Verbandspräsidentin Victoria  Gosling ins Rennen (Gosling hat ihre Kandidatur mittlerweile jedoch zurückgezogen), während die mächtigen Verbände aus Schweden, Österreich, USA, Norwegen oder eben Deutschland für den Liechtensteiner Ospelt warben, der Eliasch nun beerbt.

Der scheidende Geschäftsführer des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), Christian Scherer, war überzeugt: "FIS-Präsident Eliasch wird nicht wiedergewählt", wie er gegenüber der österreichischen Tageszeitung Der Standard sagte. Er rechnete damit, dass Ospelt die Wahl gewinnt. Auch Swiss Ski hatte Ospelt zuletzt die Unterstützung zugesprochen. Dennoch konnte Eliasch bemerkenswerte Unterstützung hinter sich versammeln. Mit Hilfe der Stimmen kleinerer Verbände schrammte er letztlich mit einer Stimme Rückstand an seiner Wiederwahl vorbei.