Felix Neureuther hat sich in der BR-Sendung Blickpunkt Sport zu deutschen Chancen in den alpinen Ski-Wettbewerben bei den bevorstehenden Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo geäußert und zudem eine Prognose für die Gesamtmenge an Medaillen für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) abgegeben.
Neureuther sieht "insgesamt 25 Medaillen" für Deutschland
"Bei den letzten Spielen waren es, glaube ich, 29, ich hoffe, dass es mehr werden, bin mir aber nicht ganz sicher", meinte der ARD-Experte, bevor er sich doch festlegte: "Ich sage, dass wir insgesamt 25 Medaillen holen und aus Bayern kommen 21."
Insbesondere bei Emma Aicher (SC Mahlstetten) ist Neureuther optimistisch. "Wenn Emma Aicher, Emma-Sachen macht, gewinnt sie drei Medaillen. Aber da sind wir im Konjunktiv", sagte der 41-Jährige, der die Winterspiele in der neuen ARD-Dokumentation "Felix Neureuther · Olympia im Wandel?" vorab kritisch beleuchtet hat.
Neureuther schwärmt von Aicher: "Die Ruhe selbst"
Die Qualitäten Aichers liegen für Neureuther auf der Hand. "Wenn sie es schafft, ihr Potenzial abzurufen, dann ist es sehr schwer, schneller zu sein als sie. Das ist ein unheimlich beruhigendes Gefühl. Die Frau ist einfach die Ruhe selbst. Sie liebt das Skifahren", lobte er.
Bei Linus Straßer (TSV 1860 München) äußerte sich der Mannschaftsweltmeister von Bormio 2005 dagegen weniger offensiv. Slalom-Spezialist Straßer erlebt bislang eine schwierige Saison. Auf den vermeintlich geplatzten Knoten durch den dritten Platz in Kitzbühel folgte drei Tage später in Schladming das Aus im ersten Lauf.
Straßer? "Da stehen die Uhren bei allen wieder auf Null"
Auch wenn Neureuther sich bei Straßer in puncto Edelmetall zurückhielt, hält er dennoch alles für möglich. "Das Schöne bei Olympischen Spielen ist, es ist völlig egal, was vorher war. Mikaela Shiffrin hat jeden Slalom dieses Jahr gewonnen. Deswegen fährt sie bei Olympia keine Hundertstel schneller. Da stehen die Uhren bei allen wieder auf Null", argumentierte Neureuther mit Blick auf Straßer.
Von den bisherigen Leistungen von Fabian Gratz (TSV Altenau), der im laufenden Winter im Riesenslalom konstant unter die besten 20 fährt, zeigte Neureuther sich beeindruckt, warnte aber vor einer übertriebenen Erwartungshaltung.
Neureuther über Gratz: "Lassen wir uns sehr gerne positiv überraschen"
"Der Fabi bringt unheimlich viel mit, um einen schnellen Schwung und wirklich ganz vorne rein fahren zu können. Aber ich glaube, man tut ihm einen sehr großen Gefallen, wenn man nicht hergeht und sagt, er gewinnt eine Medaille, weil er in seiner Karriere noch nie auf einem Weltcup-Podest gestanden ist", mahnte Neureuther.
Für den 28-jährigen Gratz soll der Fokus trotz aller Fähigkeiten auf anderen Dingen liegen, findet Neureuther: "Der Fabi kann sich auf die Spiele freuen und ganz befreit auffahren. Rein von seinem Können her kann er definitiv eine Medaille gewinnen, aber die Erwartungen sollte man lieber unten halten. Und dann lassen wir uns sehr gerne positiv überraschen."
"Es wird so würdige Olympiasieger geben, wie in den letzten 40 Jahren nicht"
Sicher ist Neureuther vor allem bei einer Sache: "Es wird so würdige Olympiasieger geben wie in den letzten 40 Jahren nicht", orakelte der 13-malige Weltcup-Sieger angesichts der Austragungsorte der alpinen Wettbewerbe für Damen (Cortina d'Ampezzo) und Herren (Bormio).
"Diese Strecken für die Männer und die Frauen sind so traditionsreich und schwer, dass der beste Skifahrer und die beste Skifahrerin gewinnen wird", begründete er seine Meinung.
Neureuther: Vonn "hat Blut im Kniegelenk gehabt"
Zusätzlich zu seinen Aussagen über die deutschen Olympia-Chancen sprach Neureuther auch über den Sturz der US-Amerikanerin Lindsey Vonn am vergangenen Freitag in der abgebrochenen Abfahrt von Crans-Montana.
Die 41-Jährige hatte sich zu ihrem Zustand zunächst bedeckt gehalten. Neureuther gab nun zumindest einen kleinen Einblick in das Ausmaß der Blessuren der viermaligen Gesamtweltcup-Siegerin. "Sie hat Blut im Kniegelenk gehabt. Das ist meistens schon ein Zeichen, dass eine Verletzung vorhanden ist. Aber wie schwer die Verletzung ist, das weiß nur sie selbst", erklärte er.
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