Der Entscheidungsprozess zur deutschen Olympia-Bewerbung geht auf die Zielgerade. Am Dienstagabend - vier Tage, bevor der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in Baden-Baden entscheidet, welche der drei Bewerberstädte den Zuschlag bekommt - hat der DOSB die Ergebnisse seiner Evaluierung veröffentlicht.
München knapp vor Köln-Rhein-Ruhr
In der Endabrechnung lag das Konzept der bayerischen Landeshauptstadt München mit 87,03 Punkten knapp vor der Region Köln-Rhein-Ruhr (85,02 Punkte) und deutlich vor Berlin (74,64 Punkte), das seine Bewerbung am Donnerstagvormittag offiziell zurückgezogen hat.
Das Endergebnis entsteht dabei aus einer Bewertung durch den DOSB sowie den Deutschen Behindertensportverband (DBS) und die 42 nationalen Fachverbände, deren Sportarten Teil des olympischen Programms sind, also zum Beispiel der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) oder der Deutsche Schwimm-Verband (DSV). Die Bewertung des DOSB ist allerdings deutlich stärker gewichtet als die der Verbände.
Ein Detail fällt auf: Zuschlag für München dank der Fachverbände?
Bei den Fachverbänden ist München in allen Punkten, die die Verbände sportartspezifisch alleine bewerten, in der Pole Position. Teils mit fünf, teils gar mit 20 Punkten. Das darf die Münchner Olympia-Planer durchaus optimistisch stimmen, denn: Das Votum von jedem der 42 Fachverbände wird bei der finalen Abstimmung am Samstag in Baden-Baden dreifach gewichtet, womit 126 der insgesamt 144 Stimmen bei DLV, DSV und Co. liegen.
In der Evaluierung der Spitzenverbände hätte München so einen Vorsprung von etwa zehn Punkten. Sicher ist der Zuschlag für die Münchner Bewerbung indes keineswegs, da hinter den Kulissen auf der Zielgeraden noch hart verhandelt werden dürfte. Trotzdem: Es wirkt fast so, als wurde da ein wenig gewerkelt, um aus dem recht deutlichen Ergebnis einen Zweikampf zu machen vor dem Showdown am Samstag in Baden-Baden.
Die Evaluierungsmatrix des DOSB
Gremium prüft alle Konzepte mit komplizierter Matrix
Doch noch einmal zurück zur Matrix: Das Gremium überprüfte die Bewerbungskonzepte in den Kategorien Reisezeiten, Menge an Athletinnen und Athleten im Olympischen Dorf, Eventpotenzial, Internationale Strahlkraft Sport, Internationale Strahlkraft, Unterstützung und Stabilität.
Die Punkte Reisezeiten, Athletinnen und Athleten im Olympischen Dorf und Eventpotenzial bilden mit Gewichtungen von 35, 35 und 30 Prozent die übergeordnete Rubrik "Sportfachliche und operative Eignung", die 50 Prozent des Endergebnisses ausmacht.
München glänzt mit kurzen Reisezeiten
Dieser steht "Internationale Wettbewerbsfähigkeit und nationale Akzeptanz" gegenüber, das in eine internationale (Internationale Strahlkraft Sport, Internationale Strahlkraft) und eine nationale (Unterstützung und Stabilität) Kategorie aufgeteilt ist, die mit einer Gewichtung von 70:30 in Wettbewerbsfähigkeit und Akzeptanz einfließen.
Münchens Vorsprung im Gesamtergebnis entsteht durch die Sportverbände - und durch das starke Abschneiden des Bewerbungskonzeptes in der Eignung der Stadt für Olympische Spiele (88,53 Punkte). Insbesondere die kurzen Reisezeiten der Athleten zu den Sportstätten (durchschnittlich 15:36 Minuten) heben München signifikant von Köln (34:16 Minuten) ab.
KölnRR überzeugt bei Eventpotenzial samt Ticketverkauf
Die KölnRR-Bewerbung kann allerdings durch starke Werte in Sachen Eventpotenzial punkten: Hier hilft den Rheinländern die Bevölkerungsdichte in der Region sowie die Aussicht auf 17,62 Millionen realistisch verkaufbare Eintrittskarten. Übrigens ist das auch ein wichtiger Punkt bei der Vergabe der Spiele durch das IOC.
Zwar werden die Sportstätten in München als signifikant besser eingeschätzt (81,77 Punkte zu 76,37 Punkte), dieser Wert macht jedoch nur 40 Prozent des Eventpotenzials aus, sodass Köln hier mit 90,55 zu 75,35 Punkten klar den Sieg davonträgt. Bei der Unterbringung der Athleten liegen beide Bewerbungen nah beieinander, da in beiden Fällen circa 95 Prozent der Sportler im Olympischen Dorf wohnen würden.
München fällt bei Strahlkraft ab - aber nur beim DOSB, die Sportverbände sehen es ganz anders
Bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und der nationalen Akzeptanz muss München (85,52 Punkte) sich dagegen knapp hinter KölnRR (87,81 Punkte) anstellen, was unter anderem daran liegt, dass bei der Unterstützung durch die Politik rund sechs Punkte hinter KölnRR landet.
Mit neun Punkten ist der Rückstand bei "Internationale Strahlkraft Sport" sogar noch größer, wobei sich hier aber ein genauerer Blick lohnt. 60 Prozent des Ergebnisses in dieser Kategorie basieren auf der Einschätzung des DOSB, der München hier über 25 Punkte hinter KölnRR sieht. Bei den Fachverbänden ist dagegen auch hier München ganz vorne, mit etwa 16 Punkten Vorsprung für den bayerischen Kandidaten. Der sich eben auch über die Strecke aller Punkte ganz vorne beweisen konnte - und damit als Favorit in die Entscheidung am Samstag gehen dürfte.
Im Video: München vor der Olympia-Entscheidung - die Tücke der Matrix
Münchner Olympia-Bewerbung
Dieser Artikel ist erstmals am 24. September 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.


