München oder die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Kernstadt? Am Samstag fällt auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Kurhaus Baden-Baden die Entscheidung, mit wem Deutschland ins Rennen um eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 geht. Für einen Sieg in diesem Showdown ist eine absolute Mehrheit notwendig. Der eigentliche Kraftakt steht aber erst nach der Wahl bevor.
Olympia: Wer entscheidet über die deutsche Bewerbung?
Mit jeweils drei Stimmen dürfen sich die 42 olympischen Spitzenverbände am Samstag für ihren Favoriten aussprechen, damit sind also auch die Verbände aus dem Wintersport wahlberechtigt. Kurios: Der Deutsche Behindertensportverband ist vom Votum ausgeschlossen - obwohl es parallel um die Bewerbung für die Paralympischen Spiele geht.
Aufgeteilt dürfen die drei Stimmen der Verbände nicht werden, sie müssen im Block an den favorisierten Bewerber vergeben werden. Darüber hinaus haben auch acht persönliche Mitglieder - unter anderem Fußball-Profi Leon Goretzka - sowie die zehn DOSB-Präsidiumsmitglieder jeweils eine Stimme. So kommt eine Gesamtstimmenanzahl von 144 zusammen, der siegreiche Bewerber muss die absolute Mehrheit von 73 Stimmen erreichen. Gelingt dies im ersten Wahlgang niemandem, scheidet der Bewerber mit der geringsten Zustimmung aus. Eine Entscheidung fällt somit spätestens nach zwei Wahlgängen.
Olympia-Bewerbung: Was sind die Kriterien?
München und KölnRheinRuhr haben ihre finalen Konzepte Anfang Juni fristgerecht eingereicht. Anschließend wurden diese einer detaillierten Prüfung durch den DOSB und die stimmberechtigten Verbände unterzogen. Bei diesem Prozess orientierte man sich an einem gemeinsamen "Leitfaden, der in enger Abstimmung zwischen DOSB und Bundeskanzleramt erarbeitet wurde", heißt es in einer öffentlichen Erklärung des Deutschen Olympischen Sportbunds.
Die fünf darin enthaltenen Kategorien knüpfen an den aus der Bewerbungsphase bekannten Kriterien an und lauten: "Internationale Wettbewerbsfähigkeit & nationale Akzeptanz", "Sportfachliche & operative Eignung", "Vision & Legacy", "Kosten & Finanzierung" sowie "Infrastrukturelle Sonderprojekte".
Mit einer solchen transparenten Bewertungssystematik soll jenes Konzept identifiziert werden, "das sowohl die besten internationalen Erfolgsaussichten hat als auch breite nationale Unterstützung vorweisen kann." Eine eigens eingesetzte Evaluierungskommission soll am Dienstagabend ihre Ergebnisse präsentieren und kann eine Wahlempfehlung aussprechen, die jedoch nicht bindend ist.
Was sind die Stärken der Olympia-Bewerbung von München?
Die Nachhaltigkeit gilt neben der großen Zustimmung aus der Bevölkerung (66 Prozent) als größter Pluspunkt der Münchner Bewerbung. Rund 90 Prozent der Wettkampfstätten liegen in einem Radius von weniger als 30 Kilometern, der Olympiapark von 1972 ist zudem das Herzstück des Konzepts. Die Erfahrung mit sportlichen Großereignissen rundet die kompakte und auf vorhandene Strukturen aufbauende Vision ab.
Wann und durch wen wird die Entscheidung verkündet?
Die Entscheidung verkündet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag ab 13.45 Uhr (im Bayerischen Rundfunk und BR24Sport-Livestream) an der Seite von DOSB-Chef Thomas Weikert.
Wie geht es nach der Entscheidung weiter?
Für Deutschland geht es darum, sich nach dem Votum am Wochenende international in Stellung zu bringen und dem IOC Detailpläne und finanzielle Garantien vorzulegen. Die erste Vorauswahl für die Vergabe der Sommerspiele 2036 soll im März 2027 abgeschlossen sein. Die nächste Phase strategischer Verhandlungen würde dann bis Ende 2028 laufen, ehe in den letzten Monaten bis zur entscheidenden IOC-Session Mitte 2029 nur noch die aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen verbleiben.
Wie stehen die Chancen im internationalen Vergleich?
Indien und Katar gelten als mögliche Kandidaten für 2036. Sollte das IOC einen Kandidaten aus Asien bevorzugen, müsste sich Deutschland mindestens noch weitere vier Jahre gedulden. Noch einmal aufgeschnürt werden soll das Thema dann aber nicht. Der jetzt gewählte Kandidat soll auch für 2040 oder 2044 ins Rennen gehen. Neben dem deutschen Kandidaten haben in Europa Budapest und Istanbul Olympia-Pläne, auch Madrid, der Norden Großbritanniens und die Toskana prüfen einen Anlauf.
Dieser Artikel ist erstmals am 22. September 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
