Nur 30 Sekunden haben Antonia Niedermaier aus Bruckmühl bei Rosenheim am Ende gefehlt für die große Krönung beim Giro d'Italia Women am Wochenende. Mit ihrem zweiten Platz in der Gesamtwertung war die 23-Jährige aber auch ganz zufrieden. "Es bedeutet mir viel. Ich habe lange auf dieses Podium gewartet."
Erfolgreiche frühere Karriere als Skibergsteigerin
Ihre Karriere als Sportlerin startete sie im Berglauf. Mit 16 Jahren gab sie den Sport wegen einer Knie-OP aber auf und wechselte zum Ski-Mountaineering. Als Skibergsteigerin gewann sie Bronze bei der Junioren-WM. Parallel hielt sie sich fit mit Radfahren, fuhr aber auch Radrennen. 2021 krönte sie sich zur deutschen Junioren-Meisterin im Einzelzeitfahren.
Bei der Junioren-EM reichte es zu Silber, bei der -WM zur Bronzemedaille. Schon da war klar, dass in ihr ein großes Talent schlummern könnte. Als krönenden Abschluss ihrer Zeit im Ski-Mountaineering gewann sie im Winter 2021/22 noch den U20-Gesamtweltcup und konzentrierte sich anschließend nur noch auf den Radsport.
Ein verständlicher Schritt. Schließlich kann die Oberbayerin nicht nur mit Qualitäten auf der Zeitfahrmaschine, sondern auch als Bergfahrerin überzeugen, wie ihr zweiter Platz in der diesjährigen Giro-Bergwertung bewies. Kein Wunder, angesichts ihres Werdegangs.
Niedermaier mit erstem deutschen Giro-Podium seit 13 Jahren
In fünf Jahren hat die Oberbayerin einen beeindruckenden Aufstieg hingelegt. Ihr zweiter Platz beim Giro ist der bisherige Höhepunkt ihrer Karriere. "Es war einfach ein toller Giro. Ich bin ziemlich zufrieden mit meinem Ergebnis", strahlte die 23-Jährige, die sich nur Topfahrerin Demi Vollering im Gesamtklassement geschlagen geben musste.
Damit schrieb Niedermaier Geschichte. Zum ersten Mal seit Claudia Lichtenberg vor 13 Jahren stand wieder eine Deutsche auf dem Podium des Giro d'Italia der Frauen. Beinahe hätte Niedermaier Lichtenbergs Gesamtsieg von 2009 kopiert. Dazu fehlten Niedermaier die eingangs erwähnten 30 Sekunden.
Niedermaiers Tränen bei der Junioren-Rad-WM in Zürich
Niedermaier hat lange für diesen Erfolg kämpfen und auch Rückschläge erleiden müssen. 2024 war sie als Favoritin in die Junioren-Weltmeisterschaft in Zürich gegangen. Der Tod der Schweizerin Muriel Murrer einen Tag vor dem Rennen nahm sie aber so mit, dass sie sich nicht mehr auf das Rennen konzentrieren konnte. Im Ziel vergoss sie bittere Tränen.
Niedermaier fühlte sich nach eigener Aussage bei Murrers tödlichem Sturz an einen eigenen schweren Unfall erinnert. Damals war Niedermaier beim Giro Donne schwer auf das Gesicht gestürzt, hatte aber keine Frakturen erlitten.
Niedermaier die deutsche Hoffnung für die Tour de France Femmes
Auch wenn sie in diesem Rennen enttäuschte, endete die JWM in Zürich für Niedermaier u. a. mit dem U23-Weltmeistertitel im Zeitfahren. Beim Giro hat sie sich in drei Jahren in der Weltspitze etabliert; von Rang fünf in der Gesamtwertung auf sechs und nun zum ersten Podestplatz.
Damit ist sie nun endgültig in der Weltspitze des Radsports angekommen, denn anders als bei den Männern, wo die Tour de France der Höhepunkt ist, ist es bei den Frauen der Giro. Die Tour de France Femmes steht aber natürlich auch noch im Kalender. Und da dürfte jetzt auch der Letzte Antonia Niedermaier auf dem Zettel haben.
