Zwei Vereine, eine große Tradition - Unterfranken gegen Oberbayern. Es war dies das heimliche Eröffnungsspiel der Regionalliga Bayern, das sich da am Samstagnachmittag am nun schon zweiten Spieltag der Saison 2026/27 im Sachs-Stadion zu Schweinfurt zutrug. Der 1. FC Schweinfurt 05 empfing die Löwen vom TSV 1860 München. Mit stolzgeschwellter Brust und doch auch mit ein paar Fragezeichen - denn beide Teams waren in die Regionalliga abgestiegen. Schweinfurt sportlich, der TSV 1860 zwangsweise.
Recht viel über die einstigen Duelle (etwa das 3:3 1990 im Grünwalder Stadion in dessen Folge die Schnüdel in die zweite Liga aufstiegen) konnten die 7567 Zuschauer (in etwa gleiches Verhältnis beider Lager) allerdings nicht nachdenken. Denn gerade einmal 101 Sekunden dauerte es, dann jubelte der 1. FC Schweinfurt 05 schon zum ersten Mal. Die Schnüdel waren gefährlich in den Strafraum der Löwen gekommen, Lauris Bausenweins abgefälschte Flanke landete fünf Meter vor dem Tor, wo Jason Prodanovic den Ball zum 1:0 ins Tor köpfte.
Vergangene Woche Fehlstart für Schweinfurt, nun für den TSV 1860 München
Schweinfurt hatte zum Auftakt in der vergangenen Woche noch 1:5 beim TSV Aubstadt verloren (hier geht es zum Re-Live in der ARD Mediathek), die Löwen, die 15 von 19 Regionalliga-Coaches als Meister tippten, hatten spielfrei. Sie erlebten also nach den Schnüdeln in der Vorwoche nun ihren Fehlstart in der neuen Liga. Sie schafften es aber anders als die Unterfranken, sich davon zu erholen und erreichten am Ende ein 2:2 (1:1), bei dem sie das deutlich dominantere, aber die Schnüdel das deutlich effektivere Team waren.
Was durchaus dafür spricht, dass sich im Team von Alper Kayabunar schnell eine Einheit bildet, er muss, das eint den FCS und den TSV übrigens, ja auf einen nahezu komplett neuen Kader bauen. "Wir hatten uns vorgenommen, gut ins Spiel reinzukommen. Das ist natürlich missglückt", sagte der TSV-Geschäftsführer Manfred Paula im "Blickpunkt-Sport"-Interview. "Die Reaktion war dann gut."
Eberwein erlöst Spielbetriebs-GmbH des eV - Schweinfurt taucht ab
Vom frühen Rückstand zeigten sich die Münchner unbeeindruckt und übernahmen die Spielkontrolle auf fremdem Platz, hatten erste Chancen auf den Ausgleich. Gerade beim Abstauber von Niederlechner, der nach einem Dennis-Dressel-Abschluss alleine vor Jan Mottl direkt den FCS-Torwart anschoss (21. Minute), hätte es bereits klingeln müssen.
Doch ihr historisches erstes Ligator mit der neuen Spielbetriebs-GmbH des e.V. (also ohne Investor Hasan Ismaik und der KgaA) hoben sich die Giesinger noch ein wenig auf: Es war Michael Eberwein, dem Zugang vom BVB II vorenthalten, der sich eine Flanke von Cristian Leone im Strafraum fein herunterstoppte und dann ins linke Eck zum 1:1 traf (33.). Keine Chance für Mottl - und irgendwie auch für seine Vordermänner.
Im Video: Manfred Paula im "Blickpunkt-Sport"-Interview
Manfred Paula
Eicher hält Elfmeter – und kassiert das Schnüdel-Tor trotzdem
Denn die Sechziger bestimmten die Partie nun vollends und nahmen Schweinfurt auch über weite Strecken der zweiten Hälfte aus dem Spiel. Mit erst einmal einer Ausnahme: Einen Philipp-Hack-Abschluss musste der Löwen-Verteidiger Lasse Faßmann auf der Linie klären (61.). Sie schienen Lunte gerochen zu haben, denn kurz danach tauchten sie zum zweiten Mal in der zweiten Hälfte im TSV-Strafraum auf: Lance Fiedler holte Mustafa Özden von den Beinen (63.) – Elfmeter: Und den hielt der 1860-Keeper Vitus Eicher. Doch im Nachschuss drosch der Elfer-Schütze Michael Dellinger den Ball doch noch ins Tor zum 2:1 für die Gastgeber (65.). Drei Chancen, zwei Tore - mit dieser Effektivität dürfte Schweinfurts Coach Jan Gernlein zufrieden sein.
Aber auch die zweite Führung hatte nicht lange Bestand, weil der Löwen-Joker Arian Ortivero Calderon direkt stach: Gerade einmal eine Minute nach seiner Einwechslung für Niederlechner köpfte er den 2:2-Ausgleich (69.).
Ortivero Calderon hat Entscheidung auf dem Fuß – Schweinfurt schießt Abseitstor
Ortivero Calderon war es dann auch, der die vorletzte große Chance des Spiels hatte. In der 89. Minute hätte er die Partie für die Münchner entscheiden können – doch seinen Abschluss aus spitzem Winkel schoss er direkt in Mottls Arme. Der Abschluss eines durchaus ansehnlichen Viertliga-Spiels war jedoch wiederum den Gastgebern vorbehalten: Schweinfurt jubelte in der Nachspielzeit sogar über den vermeintlichen Führungstreffer, doch Pietro Besso stand offenbar im Abseits. Eine äußerst knappe Entscheidung (90.+2).
Aber: Ein 3:2-Erfolg wäre ob der klaren Dominanz der Löwen wohl doch etwas zu viel des Guten gewesen. So trennten sich beide bayerischen Traditions-Teams friedlich 2:2. Und so richtig glücklich dürfte damit keiner der mehr als 7000 Zuschauer heimgegangen sein. Denn in der Tabelle bleiben die beiden so hoch dekorierten Vereine damit erst einmal unten drin.
Im Video: Schweinfurt-Vorstand Dominik Groß im "Blickpunkt-Sport"-Interview
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