Jacob Schramm nach seinem schweren Sturz in Kitzbühel
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Jacob Schramm steht nach seinem schweren Sturz wieder auf Skiern.
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Jacob Schramm steht nach seinem schweren Sturz wieder auf Skiern.

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Rückkehr statt Amputation: Schramms "kleines Ski-Wunder"

Rückkehr statt Amputation: Schramms "kleines Ski-Wunder"

Skirennfahrer Jacob Schramm verletzte sich im vergangenen Januar beim Abfahrtstraining in Kitzbühel so schwer, dass kurzzeitig sogar eine Amputation seines linken Beins im Raum stand. Weniger als ein Jahr danach steht er wieder auf Skiern.

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Dass die Streif gnadenlos sein kann, ist allseits bekannt. Doch wie die legendäre Abfahrtspiste an diesem 22. Januar 2025 Jacob Schramm ihre Zähne zeigte, war selbst für eingefleischte Ski-Fans ein Schock. Im zweiten Training der Speed-Elite in Kitzbühel warf der Hang den damals 27-Jährigen nach einem Fahrfehler ab. Der Sturz sah zunächst zwar heftig, aber nicht dramatisch aus – ein Trugschluss.

Schramm zieht sich Horror-Verletzungen zu

"Ich war unten am Hausberg und habe eigentlich nicht gewusst, was mit Jacob ist", erinnert sich DSV-Cheftrainer Christian Schwaiger gegenüber BR24Sport. Die Sorge war allerdings groß, denn: "Man hat am Funk schon gemerkt, dass viel Panik vorhanden war."

Die Angst um Schramm war berechtigt. Der Athlet, der für den SC Bad Aibling startet, riss sich drei von vier Kreuzbändern. Zusätzlich zog er sich beim Aufprall in den Fangzaun eine selbst im Skisport äußerst seltene Luxation des linken Knies zu, wobei sowohl Meniskus, Außenband, Sehnen als auch die Muskulatur heftig in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Schramm: "Erstmal ziemlich stark geweint"

Kurzzeitig drohte sogar der Verlust des Beins. Nur die schnelle Hilfe vor Ort verhinderte eine Amputation. Mit dem Helikopter wurde Schramm in ein nahegelegenes Krankenhaus geflogen. Drei Operationen waren nötig, um die schlimmen Verletzungen zu behandeln. Ein Comeback? Mehr als fraglich.

Entsprechend schlecht war auch Schramms psychische Verfassung. "Ich war immer noch unter Schmerzmitteleinfluss, war fix und fertig, habe erstmal ziemlich stark geweint, weil mir auch bewusst war, dass meine Karriere jetzt vorbei sein könnte", denkt der Oberbayer zurück.

Schramm sitzt wochenlang im Rollstuhl

Die Rettung des Beins ist nur ein erster Lichtblick für Schramm. "Dann ist mir nach ein, zwei Tagen, in denen ich nur gelegen bin, klar geworden, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, wieder zu gehen. Und selbst das wird schmerzhaft und lange dauern", erzählt er.

Anfangs ist der Europacup-Sieger von Kvitfjell 2024 mehrere Wochen an den Rollstuhl gefesselt, Belastung der Beine ist keine Option. Reha-Übungen kann er lediglich im Sitzen oder Liegen durchführen. Gleichzeitig liegt seine Wohnung in Berchtesgaden im ersten Stock und ist nicht rollstuhlgerecht. Hilfe kommt von Physiotherapeut Marcus Hirschbiehl und Hilde Gerg. Die Eheleute überlassen Schramm eine Erdgeschosswohnung.

Sogar der DSV-Arzt ist überrascht

Schramm schuftet hart. Über Monate arbeitet er sechs bis sieben Stunden an seiner Genesung. Fortschritte stellen sich ein. Ein Comeback auf Ski rückt zur Verwunderung von DSV-Teamarzt Dr. Manuel Köhne in den Bereich des Greifbaren.

"Ein bisschen Glück muss man haben, dass die Heilung so gigantisch gut ist. Das hätte ich auch nicht erwartet. Er übertrifft die Heilung sicher um mindestens 20 Prozent, verglichen mit dem, was ich dachte, was möglich ist", gesteht der Mediziner.

Rückkehr? "Ein kleines Ski-Wunder"

Im vergangenen Dezember vollzieht Schramm dann "ein kleines Ski-Wunder" (Köhne) und fängt nur elf Monate nach seinem Sturz wieder an, auf Schnee zu trainieren. "Es hat sich recht kurz angefühlt, aber es war trotzdem eine lange Zeit. Jetzt bin ich wieder da, wo ich hinwollte", sagt der Rückkehrer mit einem Grinsen im Gesicht über seine Leidenszeit.

Ob er tatsächlich noch einmal im Weltcup an den Start gehen kann, ist zwar noch völlig offen, aber es ist schwierig, nach den großen Schritten, die Schramm bereits gemacht hat, nicht an den heute 27-Jährigen zu glauben.