Der Knoten ist geplatzt: Linus Straßer hat im Slalom von Kitzbühel mit einem echten Traumlauf im zweiten Durchgang sein bestes Saisonergebnis eingefahren. Der Athlet des TSV 1860 München raste mit der drittbesten Zeit im Finale noch von Rang zehn auf drei. Den Sieg holte sich der Österreicher Manuel Feller, der am Ende 0,35 Sekunden vor dem Schweizer Loic Meillard und 0,53 Sekunden vor Straßer lag.
Kitzbühel: Straßer mit Wackler zu Beginn
Straßer, dessen beste Platzierung im bisherigen Winter Rang acht beim Slalom in Gurgl gewesen war, war mit einem Rückstand von 1,06 Sekunden auf den Führenden Meillard in den zweiten Lauf gegangen. Zuvor hatte der für Brasilien startende Lucas Pinheiro Braathen bereits eine neue Bestzeit aufgestellt. Straßer war der Druck anzumerken. Bereits nach wenigen Toren leistete er sich einen Fehler, der ihn fast aus dem Kurs warf.
Straßer klettert Fahrer um Fahrer
Doch der 33-Jährige fing sich und brannte im dritten Sektor die beste Zeit des Finales in den Schnee, sodass er sich letztlich um vier Hundertstel vor Pinheiro Braathen schob. Die nachfolgenden Läufer um den Franzosen Clement Noel bissen sich die Zähne an Straßers Vorgabe aus. Erst Feller, der wie Straßer in der laufenden Saison bisher nicht richtig in die Spur gefunden hatte, gelang es, den Deutschen aus der Leaderbox zu verdrängen.
Straßer: "Wirklich etwas emotional"
Straßer zeigte sich im Anschluss am Sportschau-Mikrofon erleichtert: "Es fühlt sich gut an, das Ganze angenommen zu haben", gab der Mann vom TSV 1860 München einen Einblick in sein Seelenleben. "Der Weg dorthin und die Zweifel, die zu überwinden und eine Lösung zu finden, daran zu wachsen, das ist es, was eigentlich Spaß macht und was mich heute auch wirklich etwas emotional werden lässt", jubelte der Bronze-Medaillengewinner der Ski-WM 2023 über seine Rückkehr auf das Weltcup-Podest.
Schwieriger Winter für Straßer
Dem Husarenritt aufs Podest waren schwierige Wochen und Monate vorangegangen. Zum Saisonbeginn war Straßer im Riesenslalom von Sölden nach dem ersten Durchgang ausgeschieden.
Es folgte ein 15. Rang beim Slalom in Levi, bevor ihm in Gurgl sein erster und bis Kitzbühel einziger Top-10-Platz der Saison gelang. Doch pünktlich zur heißen Phase der Olympia-Saison ist Straßer wieder in Form.
Straßer: "Selber immer gemerkt, was fehlt"
"Ich habe ja selber immer gemerkt, was fehlt. Im Training war das gefühlt schon sehr, sehr gut. Die Zeiten waren konstant schnell, alles da. Und dann stehst du im Rennen da und denkst: 'Das gibt es nicht. Warum fühlt sich das so scheiße an?' Dann fehlt dir ein bisschen das Zutrauen. Du nimmst Sachen vorweg. Du bist ein bisschen zur früh vom Timing und dann stimmt als nicht mehr. Dann wird es unsicherer. Der Schwung passt nicht mehr und es fühlt sich alles schlecht an", resümierte der Wahl-Kitzbüheler seine Probleme.
Straßers Selbstverständnis ist zurück
Jetzt ist das Selbstverständnis zurück. Und das gerade rechtzeitig. Am Mittwoch steht in Schladming der prestigeträchtige Nachtslalom auf dem Programm, den Straßer bereits zweimal gewinnen konnte. Das Nightrace stellt in diesem Jahr auch die Generalprobe für die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo (6. bis 22. Februar) dar.
Das Podium in Kitzbühel könnte zum Brustlöser werden. Das hofft auch Straßer, der mit Blick auf seine Leistungsexplosion zugeben musste: "Das Timing hätte schlechter sein können."
Straßer vom Kitzbühel-Podest zur Rasur
Doch auch über das Sportliche hinaus hat der dritte Rang im Skisport-Mekka positive Folgen. "Ich kann mich jetzt endlich rasieren", enthüllte Straßer, der in Kitzbühel mit Vollbart angetreten war. "Ich hab mir vorgenommen, dass ich mich erst rasiere, wenn ich wieder auf dem verdammten Podium stehe", erklärte er.
