Direkt an der Landshuter Allee gelegen, im schönen Münchner Stadtviertel Gern, findet man hinter hohen Zäunen zwei Fußballplätze, daneben ein kleines Vereinsheim. Und doch hat die beschauliche FT Gern zumindest deutschlandweit große Bekanntheit erlangt - schließlich hat sie einen der besten und erfolgreichsten Fußballer des Landes hervorgebracht. Mit fünf Jahren begann Philipp Lahm hier seine Karriere.
"Zweites Zuhause" - Lahm über die FT Gern
Wobei damals, als Lahm auf dem Platz der FT Gern kickte, an ausverkaufte Stadien, Deutsche Meisterschaften, Champions-League-Trophäe und den WM-Titel nicht zu denken war. Der Münchner Bub liebte den Sport und übte ihn dort aus, wo seine Familie ein zweites Zuhause außerhalb der eigenen vier Wände gefunden hatte: "Ich habe hier das Fußballspielen angefangen. Weil meine Eltern hier engagiert waren, meine Mutter ist es bis heute. Mein Vater hat hier Fußball gespielt, mein Onkel, mein Opa."
37 Jahre später geht Lahm nun auf dem Platz, über den er früher gewuselt ist, und stellt Hütchen auf, gibt Anweisungen. Seinen Kopf bedeckt eine blaue Kappe, dazu trägt er das Poloshirt der FT Gern. Dort wo alles begann, möchte er nicht der Weltmeister sein, sondern Philipp, der Co-Trainer der U14-Mannschaft: "Nachdem ich jetzt Co-Trainer bin, seit zwei Jahren, schließt sich der Kreis. Es war für mich ein zweites Zuhause."
Teamgeist statt Leistungsdruck: Diese Werte will Lahm vermitteln
Und den Jugendlichen will er eine solche zweite Heimat ermöglichen, darum geht es dem Weltmeister von 2014 primär und nicht darum, den zweiten Philipp Lahm hervorzubringen: "Natürlich versuche ich ihnen fußballerisch was beizubringen, aber es geht mehr um diesen Teamspirit: Was bedeutet eigentlich eine Mannschaft und was bedeutet es, sich für eine Mannschaft einzusetzen und Verantwortung für eine Mannschaft zu übernehmen - und das habe ich alles hier erlebt."
Mädchenfußball und Inklusion: Wie FT Gern Vielfalt lebt
Werte, die nicht nur Lahm auf seinem Weg über die große Bühne des Weltfußballs begleitet und geprägt haben, sondern, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Genau dafür setzt sich die FT Gern ein - und hat sich daher auch weiterentwickelt. Mittlerweile gibt es hier mehrere Mädchenmannschaften, eine Inklusionsabteilung für Kinder und Jugendliche, Projekte gegen Rassismus.
Das ist auch dem Vorstandsvorsitzenden Michael Franke zu verdanken, der den Grund für sein Engagement erklärt: "Dem Ball ist es egal, wer draufhaut. Sprache, Aussehen, Religion - das spielt hier keine Rolle. Das ist das Wunderbare. Wir sind einfach vielfältig, weil wir so sind wie wir sind. Und deswegen ist es hier so toll."
740 Mitglieder hat die FT Gern, etwa 350 Kinder bekommen hier nicht nur regelmäßig wichtige Bewegung, können mit Spaß ihren Sport ausleben - und lernen ganz nebenbei, was Toleranz und Zusammenhalt bedeuten. Auch deshalb ist Lahm ein ganz anderer Trainertyp als diejenigen, die im Profi-Fußball zu finden sind, sondern: "Ein entspannter", so Lahm. Denn: "Das allerwichtigste ist die Freude und der Spaß."
