ARD-Experte Ski alpin Felix Neureuther
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"Totaler Quatsch": Neureuther kritisiert Olympia-Drama um Vogt

"Totaler Quatsch": Neureuther kritisiert Olympia-Drama um Vogt

Weil der Deutsche Skiverband (DSV) nicht genügend Quotenplätze für Olympia hat, könnte Luis Vogt die Winterspiele verpassen - und das trotz Platz acht auf der Streif. ARD-Experte Felix Neureuther fehlt das Verständnis für die Nominerungpraktiken.

Über dieses Thema berichtet: Sportschau am .

Am vergangenen Dienstag hat der Deutsche Olympische Sprtbund bekannt gegeben, wer für Deutschland zu den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo und Mailand fährt. Der Deutsche Skiverband hielt da seine Männer-Aufstellung noch zurück, zog aber einen Tag später. Mit Linus Straßer, Simon Jocher, Fabian Gratz, Alexander Schmid und Anton Grammel vertreten fünf Athleten des Deutschen Skiverbands Deutschland bei Olympia.

Vogt trotz Platz acht auf der Streif nicht bei Olympia

Nicht dabei ist Luis Vogt, dessen beste Saisonplatzierung zum Nominierungszeitpunkt ein 21. Platz in der Abfahrt von Gröden war. Die verbandsinterne Norm (zweimal Platz 15, oder einmal Platz acht) hatte der Athlet vom SC Garmisch verpasst. Doch auf der Streif in Kitzbühel raste der 23-Jährige mit der Startnummer 40 sensationell auf Platz acht. Damit hätte er die Norm, die am Ende aber nicht bindend ist für ein Olympia-Mandat. Ein Athlet kann auch mitfahren, wenn er die Norm nicht erfüllt, sofern ihn das jeweilige Nationale Olympische Komittee nominiert.

Auch diesen Fall gibt es im deutschen Ski-Team der Männer. "Alle, die nominiert sind, stehen da auch berechtigt", gab sich Vogt am Samstag sportlich fair. Er habe "schon vor Kitzbühel akzeptiert, dass Olympia einfach für mich kein Thema ist."

Neureuther poltert: "Das ist totaler Quatsch"

ARD-Experte Felix Neureuther bringt da deutlich weniger Verständnis auf. "Das ist ein totaler Quatsch. Ich könnte mich brutal darüber aufregen", polterte Neureuther am Sonntag im Vorlauf des Slaloms in Kitzbühel. "Du hast einen jungen Athleten, der schafft die Olympia-Quali und darf nicht mitgenommen werden." Es sei ein "Traum, den du als Kind hast", fühlt Neureuther mit Vogt mit.

Der Grund für Vogts Olympia-Drama liegt in der Quotenregel. Diese bescheinigt jeder Olympia-Nation einen festen Quotenplatz. Alle weiteren Plätze können durch Leistung der Athleten erreicht werden. Max elf Plätze pro Geschlecht kann jede Nation zugeteilt bekommen. "Dann werden Athleten mitgenommen aus Ländern, die überhaupt keine Chance haben, dort Medaillen zu gewinnen. Und von den Besten der Welt müssen ein paar daheim bleiben", hadert Neureuther. Das System, das das Ziel verfolgt, möglichst viele Athleten aus unterschiedlichen Nationen teilnehmen zulassen, sei "völlig veraltet".

Hat Deutschland zu früh nominiert?

Die DSV-Männer, die keinen besonders erfolgreichen Winter erleben, hatten sich sportlich nur drei Startplätze erfahren. Weil Schweden und Belgien jeweils einen Startplatz nicht besetzen konnten, dürfen nun fünf DSV-Männer nach Cortina d'Ampezzo reisen. Brasilien beispielsweise hat aufgrund der herausragenden Leistungen des aktuellen Gesamtweltcup-Zweiten Lucas Pinheiro Braathen ebenfalls drei Startplätze ergattern können. Für mehr Plätze, das ist auch Teil der Wahrheit, hätten die deutschen Speedspezialisten also besser performen müssen.

Nun rückt das Deutsche Olympische Kommitee in den Fokus. Während Österreich erst am Montag sein offizielles Aufgebot bekanntgeben wird, entschied sich Deutschland für die verfrühte Nominierung vor den Weltcup-Rennen in Kitzbühel, was Luis Vogt nun zum Verhängnis werden könnte. Besonders tragisch: hätte Vogt vor Kitzbühel die halbe Norm gehabt, hätten die Hahnenkamm-Rennen noch dazugezählt. Platz 21 zuvor reichte dafür aber nicht.

Fährt Vogt doch noch zu Olympia?

Trotzdem muss Vogt den Olympia-Traum vielleicht doch noch nicht begraben. "Wir sind im Austausch mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und der FIS, um eine Lösung für den Louis zu finden", sagte Wolfgang Maier am Samstag in Kitzbühel. Für den DSV-Sportdirektor Ski alpin ist klar: "Wir können nicht, nur, weil wir in Kitzbühel ein Ergebnis eingefahren haben, über alle Normen hinwegspringen."

Man dürfe die internationalen Quoten nicht überschreiten, was nur im Falle eines "Add-Ons" passiere, erklärt Maier das Dilemma. "Oder man müsste einen aus der jetzigen Mannschaft wieder raustun." Rein sportlich wäre Anton Grammel ein möglicher Streichkandidat, der die Norm nach wie vor nur zur Hälfte erfüllt. Zusätzlich laboriert Alexander Schmid an einem Haarriss im Knöchel. Auch sein Platz könnte also vielleicht noch frei werden. Grundsätzlich sind Nachnominierungen über sogenannte Sonderanträge jederzeit möglich.

DSV will Vogt nachmelden

Bundestrainer Christian Schwaiger deutete schon an, dass Vogt zumindest nach Cortina mitfahren könnte. "Einen Reserve-Abfahrer würde ich gerne mithaben. Man weiß ja nicht, was passiert, wenn unser Qualifizierter nach dem ersten Training verletzt ist." Einziger nominierter Abfahrer ist derzeit Simon Jocher, der sich über einen fünften Platz im Super-G in Livigno das Olympia-Ticket sicherte.

Möglicherweise bekommt er doch noch Gesellschaft von Luis Vogt. Felix Neureuther würde das begrüßen und kündigte für den Nicht-Fall Konsequenzen an: "Wenn der nicht mitgenommen wird, dann gehe ich auf die Barrikaden." Wenige Stunden nach Neureuthers Wutrede gab der DOSB bekannt, dass er Vogt beim IOC nachmelden wolle, damit der 23-Jährige an den Trainings teilnehmen und im Wettkampf zum Einsatz kommen kann, sollte ein DSV-Fahrer ausfallen.