Remco Evenepoel und Florian Lipowitz nach der 15. Etappe der Tour de France
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Remco Evenepoel und Florian Lipowitz nach der 15. Etappe der Tour de France

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Woche der Wahrheit: Red Bull in der Lipowitz-Zwickmühle

Woche der Wahrheit: Red Bull in der Lipowitz-Zwickmühle

Mit dem Tagessieg von Remco Evenepoel ist Red Bull-Bora-hansgrohe auf der 15. Etappe der Tour de France vor dem letzten Ruhetag ein Coup gelungen. Nun blickt der Rennstall mit Hauptsitz in Raubling auf ein Dilemma. Mittendrin: Florian Lipowitz.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport am .

Eine alte Weisheit, welche sich während der 183,9 Kilometer und 3950 Höhenmeter zwischen Champagnole bis hinauf zur alpinen Hochebene Plateau de Solaison am Sonntagnachmittag nachhaltig verfestigt hat: Radsport ist ein Mannschaftssport. In derlei Schlüsselmomenten der Tour de France sind sich die Helfer ihrer Rolle bewusst, opfern sich nahezu für ihren Kapitän. Eine Dynamik, von der auch Red Bull-Bora-hansgrohe profitieren möchte. Die Krux mit der doppelten Kapitänsrolle wirft vor der finalen Woche der Frankreich-Rundfahrt aber eine Frage auf.

Stresstest für Lipowitz und Evenepoel

Florian Lipowitz und Remco Evenepoel wurden vor der Tour de France 2026 zu Co-Kapitänen auserkoren. Gemeinsam sollten die beiden das große Ziel ins Visier nehmen und der Equipe mit Hauptsitz in Raubling einen Platz auf dem Podest der Gesamtwertung verschaffen. Im Vorjahr war dies Lipowitz sensationell gelungen, als der einstige Biathlet aus Baden-Württemberg hinter Triumphator Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard auf Rang drei fuhr.

Blickt man auf die nackten Zahlen, geht der Plan von Red Bull bislang auf: Durch seinen Tagessieg auf dem Plateau de Solaison sowie das dramatische Aus von Mitfavorit Jonas Vingegaard rückte Evenepoel auf Platz zwei des Gesamtklassements vor (+5:00 Minuten), Lipowitz schob sich auf den fünften Rang (+6:48). Intern kam es zuletzt jedoch zu Spannungen. Evenepoel echauffierte sich öffentlich nach einer ausgebliebenen Hilfeleistung seitens Lipowitz am Col du Tourmalet - ein Stresstest für die Dynamik zwischen den beiden Stars, die im Ernstfall an einem Strang ziehen müssen. Dieser könnte auf den letzten sechs Etappen der Rundfahrt eintreten.

Lipowitz oder Evenepoel? Red Bull hält an Doppelspitze fest

Nachdem der Traum vom Podestplatz nun greifbarer als je zuvor bei dieser Tour ist und Evenepoel im direkten Vergleich klar die Oberhand hat, müssen sich die Red-Bull-Verantwortlichen entscheiden: Sollen beide Kapitäne weiterhin ihre Sonderrechte genießen - oder sind Lipowitz und Evenepoel nur gemeinsam stark? "Ich denke wir werden weiterhin am Doppelspitzen-Ansatz festhalten", meinte Sportdirektor Zak Dempster in einer Medienrunde. "Natürlich ist Remco näher vorne dran, aber wir müssen weiterhin beide so nah wie möglich halten."

Red Bull-Bora-hansgrohe will auf Nummer sicher gehen und sich bestenfalls sogar einen zweiten Podestplatz unter den Nagel reißen. Was das Aus von Vingegaard unterstrich: Unrealistisch erscheint kein Szenario mehr. "Am Ende könnte es auch passieren, dass Pogacar einmal einen schlechten Tag hat oder dass Lipo oder Remco einen haben. Definitiv werden beide Jungs so schnell wie möglich bis Paris fahren, und dann sehen wir, wo wir landen", so Dempster.

Lipowitz ist "offen für alles"

Nach außen hin scheint es jedenfalls so, dass der deutsche Rennstall von weiteren Verstimmungen verschont bleibt. "Ich bin natürlich offen für alles. Remco hat definitiv gezeigt, dass er ganz vorn mitfahren kann", sagte der 25-Jährige. "Das größte Ziel für uns ist es, jemanden auf dem Podium zu haben. Wenn es gut läuft, sogar den zweiten Platz - und da nehme ich mich auch selbst mal zurück."

Lipowitz selbst rechnete am Sonntagabend noch damit, dass die Planungen seiner Mannschaft allesamt auf Evenepoel zugespitzt werden. "Wir müssen in Ruhe mit dem Team reden. Aber ich denke mal, dass es wahrscheinlich darauf hinauslaufen wird", merkte er an. Am kommenden Dienstag dürfte sich jedenfalls ein solches Bild zeichnen. Im 26,1 Kilometer langen Zeitfahren zählt Olympiasieger und Weltmeister Evenepoel zu den großen Favoriten und könnte seinen Anspruch auf einen Podestplatz verstärken. Für Lipowitz geht es derweil um Schadensbegrenzung.

In den Bergen entscheidet sich die Tour

Zwar mag im Kampf gegen die Uhr die Stärke von Evenepoel liegen, die Tour de France wird bekanntlich jedoch in den Bergen entschieden - und davon gibt es in der Schlusswoche genügend. Von Donnerstag bis Samstag muss das Peloton insgesamt 12.850 Höhenmeter - also knapp ein Viertel der gesamten Höhenmeter der Rundfahrt - bewältigen, darunter auch den Mythos Alpe d’Huez. Diese Mammutaufgabe kann den Podestkampf noch einmal auf den Kopf stellen, zumal die direkte Konkurrenz namens Isaac Del Toro und Paul Seixas in der Höhe noch keine Reifeprüfung auf allerhöchstem Niveau abgelegt haben. Wird Lipowitz also zum Nutznießer? "Lipo hat sich auf diesem Terrain bewiesen. Und wer weiß, was bis dahin noch passieren kann", gab sich Dempster optimistisch.