80 Millionen Euro für Nick Woltemade? Für Bayerns Sportdirektor Max Eberl ist diese Summe absurd. Als er Ende Juni nach den ersten Problemen bei der geplanten Verpflichtung des 23-Jährigen gefragt wurde, konterte er: "Ist Nick Woltemade 80 Millionen wert?" - und nickte zustimmend, als aus der Journalistenrunde ein "Nein" kam.
Newcastle United, seit 2021 mehrheitlich im Besitz des saudischen Staatsfonds, zahlt für den Stürmer laut Medienberichten bis zu 90 Millionen Euro. Damit verliert der FC Bayern nach Florian Wirtz das nächste große Transferziel dieses Sommers.
FC-Bayern-Sportdirektor Freund: Premier League ist "finanziell andere Liga"
Sportdirektor Christoph Freund vom FC Bayern München sieht den bevorstehenden Wechsel von Nick Woltemade nach England als weiteres Signal für die unterschiedlichen Kräfteverhältnisse im europäischen Fußball.
Daran, "wie viele Spieler in den letzten zwölf Monaten und auch in dieser Transferzeit von der Bundesliga in die Premier League gewechselt sind", und daran, "welche Summen da fließen", sehe man, welch "brutale Möglichkeiten" die englische Liga habe, sagte der 48-jährige Freund. Newcastle sei "ein guter Verein", habe die vergangenen Jahre aber auch nicht zur "obersten Kategorie" gehört.
Premier League profitiert von hohen Fernsehgeldern
Die Premier League spiele "finanziell in einer anderen Liga", erklärte der Österreicher. Dass die Premier-League-Clubs mehr Geld hätten, sei schon lange so. Trotzdem gebe es immer wieder Teams, die sportlich mithalten könnten.
Vor allem die vielen Einnahmen aus Fernsehgeldern würden den Unterschied ausmachen, erklärte Bayern-Trainer Vincent Kompany. Der Ex-Profi trainierte vor seinem Wechsel nach München den englischen Club FC Burnley. "Ich erinnere mich noch, als wir mit Burnley aufgestiegen sind. Auf einmal hattest du TV-Geld von 100 Millionen Euro - für einen Aufsteiger", sagte Kompany.
Video: FC-Bayern-Sportdirektor Freund zu Woltemade-Wechsel
Christoph Freund
Eberl über Transfer-Realität
"Der FC Bayern bekommt jeden Spieler, wenn er dafür bereit ist, die aufgerufenen Summen zu zahlen", betonte Eberl kürzlich im Interview mit "Sport Bild". An Strahlkraft habe der Klub international nicht verloren - doch bei Ablösen setze der Sportdirektor Grenzen: Nur wenn der Verein "hundertprozentig überzeugt" sei, werde investiert, wie zuletzt bei Luis Díaz.
In der Realität heißt das: Während Bayern abwägt, greift Newcastle finanziell tief in die Tasche.
Steiler Aufstieg von Nick Woltemade
Nick Woltemade ist 23 Jahre alt, 1,98 Meter groß, technisch stark und stammt aus der Jugend des SV Werder Bremen. Über eine Leihe zum damaligen Drittligisten SV Elversberg blühte er auf. Richtig überzeugen konnte Woltemade in der vergangenen Rückrunde beim VfB Stuttgart. Der Zielspieler mit Wiedererkennungswert rückte ins Visier internationaler Topklubs. In der Hinrunde war Woltemade noch nicht einmal für den Champions-League-Kader der Schwaben berücksichtigt worden.
Doch ist er über 80 Millionen Euro wert? Für den FC Bayern offenbar nicht.
Newcastle United gehört zu 80 Prozent einem saudischen Staatsfonds
Seit der Übernahme durch den Public Investment Fund (PIF) hält der saudische Staatsfonds 80 Prozent an Newcastle United. Kaufpreis 2021: 305 Millionen Pfund. Geschätztes Gesamtvermögen des Fonds: rund 925 Milliarden US-Dollar.
Für PIF ist Fußball Teil einer globalen Investitionsstrategie. Der Fonds finanziert auch mehrere Klubs in der heimischen Saudi Pro League – darunter Al-Nassr, wohin Kingsley Coman in diesem Sommer gewechselt ist. Seit dem Einstieg hat Newcastle schätzungsweise über 500 Millionen Euro mehr ausgegeben, als eingenommen.
Finanzielles Ungleichgewicht
In Deutschland ist der FC Bayern allen anderen Klubs finanziell überlegen. Der Gesamtumsatz der Unternehmensgruppe war im Geschäftsjahr 23/24 knapp über eine Milliarde Euro. International stoßen die Münchner längst an ihre Grenzen.
Denn während Newcastle seit der Übernahme durch den saudischen Staatsfonds Verluste in dreistelliger Millionenhöhe verkraftet, lautet die Ansage aus München: "Der FC Bayern muss ganz klar sparen", so Ehrenpräsident Uli Hoeneß im April.
Unterschiedliche Spielregeln
Der Fall Woltemade zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich die Spielregeln im Fußballgeschäft geworden sind. Für den FC Bayern sind 80 Millionen ein Investment, das gut überlegt sein muss. Newcastle hingegen kann, gestützt von einem Staatsfonds, eine Wette auf die Zukunft abschließen.
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