Sie ist neu, sie ist spektakulär, sie ist unterhaltsam: Die Trendsportart Skibergsteigen ist am Boomen - und seit diesem Jahr auch endlich olympisch. Ski Mountaineering - oder "Skimo", wie sie in Kennerkreisen auch genannt wird - ist die professionelle Version des Skibergsteigens. In "Blickpunkt Sport" erklärt ARD-Olympia-Expertin Gela Allmann, was man über den neuen olympischen Wettbewerb wissen muss, wer die deutschen Athleten sind und wie ihre Medaillenchancen für Olympia 2026 stehen.
Was ist Ski Mountaineering?
Skibergsteigen hat eine langjährige Tradition: 1924 in Chamonix war der aktuelle Trendsport unter dem Namen "Militärpatrouille" zum ersten und einzigen Mal bisher olympisch. Mittlerweile finden jedes Jahr ein Weltcup, ein Kontinentalcup und alle zwei Jahre Weltmeisterschaften statt. Um den eigentlich zeitintensiven Sport für das Olympia-Publikum attraktiv zu machen, hat die Rennleitung der International Ski Mountaineering Federation (ISMF) die Sprint-Disziplin im Einzel und in der Staffel entwickelt.
Zwischen 3 und 5 Minuten benötigen die Athleten pro Lauf, der aus einem Aufstieg und einer Abfahrt besteht. Der Aufstieg unterteilt sich in drei Phasen: Erst geht es auf Skiern und Fellen den Berg hinauf, dann mit abgeschnallten Skiern zu Fuß weiter, um den letzten Teil des Aufstiegs wieder mit angeschnallten Skiern und Fellen zu beenden.
"Die Athleten sind voll mit Laktat. Das ist wahnsinnige Anstrengung bevor es dann in eine Abfahrt geht, die wie beim Skicross um lange Hindernisse entlang geht und unten im Tal ist das Ziel", erklärt Skimo-Expertin Gela Allmann.
Worauf kommt es an?
Neben Schnelligkeit und Ausdauer ist vor allem auch gute Koordination gefragt. Mit einem einzigen Sprung ziehen die Athleten die Felle von den angeschnallten Skiern. Die Schnellsten brauchen nur fünf bis sechs Sekunden dafür. "Dieser Wechsel ist wie ein Boxenstopp bei der Formel 1. Wenn du da Fehler machst, da zählt jede Sekunde" ordnet Allmann ein. "Da müssen sie sich wahnsinnig fokussieren, konzentrieren, da muss jeder Handgriff in Perfektion sitzen."
Da hilft es, wenn die Ausrüstung stimmt. Im Vergleich zu normalen Tourenskiern, sind die Renntourenskier leichter und kürzer, nur 650 Gramm wiegen sie. Auch die Felle sind leichter, werden vorne am Ski eingehakt und hinten nur festgeklebt. Außerdem tragen die Athleten einen kleinen "Känguru-Beutel" am Körper, in dem sie die Felle verstauen und pro Wechsel ein frisches Fell aufbewahren.
Video: Skimountaineering bei Olympia 2026
Skibergsteigerin Tatjana Paller
Wer sind die Deutschen Athleten?
"Ich glaube, wir haben richtig coole, super motivierte Athleten am Start", schwärmt Allmann in "Blickpunkt Sport" vom deutschen Team. Tatjana Paller ist Deutschlands erfolgreichste Skimo-Athletin. Als Bronze-Gewinnerin bei der WM letztes Jahr und Deutsche Meisterin im Sprint und Vertical diesen Januar, hat die gebürtige Starnbergerin als Weltranglisten-Siebte Medaillen-Ambitionen bei den Olympischen Spielen im Februar.
Der 22-jährige Finn Hösch hat bei den Youth Olympic Games in Lausanne 2020 bereits olympische Luft geschnuppert. "Ich bin zu dem Sport gekommen, da war er noch nicht olympisch, habe das Skibergsteigen aus Leidenschaft betrieben, so wie ich es auch immer noch mache. Dass jetzt noch das Großevent Olympia dazukommt, ist schon wirklich sehr besonders", freute sich der Oberbayer in "Blickpunkt Sport". Hösch und Paller bilden das deutsche Aufgebot für die Mixed-Staffel.
Die 19-jährige Helena Euringer komplettiert das deutsche Trio. Die Berchtesgadenerin ist dreifache Deutsche Meisterin und konnte beim Youth Worldcup 2023 den zweiten Platz feiern.
Wie stehen die Chancen bei Olympia?
Als führende Nation im Skimountaineering gilt das italienische Team. ARD-Expertin Gela Allmann attestiert der deutschen Konkurrenz allerdings eine Fitness auf höchstem Niveau.
Auch der Bundestrainer Andreas Eder hat Hoffnungen. "Man weiß natürlich: Olympia, das größte Sportevent, das es überhaupt gibt. Da wollen wir, dass die Athleten, die wir trainiert haben, am Punkt X die Hochform haben. Der größte Wunsch wäre eine Medaille."
Wie fit die deutschen Skimountaineerer im Vergleich zur internationalen Konkurrenz wirklich sind, können Paller, Hösch und Euringer bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina vom 6. bis 22. Februar 2026 dann endlich unter Beweis stellen.
Video: Der lange Weg zurück: Skibergsteigerin Gela Allmann im Porträt
Gela Allmann im Krankenhaus


