Seit Dienstag ist klar: Das IOC hat die Sanktionen gegen das Russische Olympische Komitee aufgehoben. Russische Athleten dürfen nun wieder bei Olympischen Spielen teilnehmen. Die Meinungen darüber in der Wintersportwelt gehen auseinander. Viktoria Rebensburg, Olympiasiegerin 2010 im Riesenslalom, nimmt die Perspektive der Athleten ein.
"Für die Sportler extrem schön": Rebensburg begrüßt Entscheidung
Im Rahmen der DSV-Initiative "Dein Winter. Dein Sport" im Allgäu begrüßte die ehemalige Skirennläuferin die Entscheidung des IOC: "Wenn du einfach Sportler bist aus dem Herzen, dann ist es eigentlich egal aus welchem Land du kommst", sagte Rebensburg im BR24Sport-Interview. "Du machst Sport, weil du es das Allerbeste findest, den Sport auf höchstem Niveau zu machen und dich mit anderen zu messen. Deswegen ist es für die Sportler, die aus Russland kommen und dann wieder teilnehmen können, natürlich extrem schön."
Diese Perspektive möchte auch Stefan Schwarzbach, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Deutschen Skiverbands, nicht vergessen lassen. "Es geht nicht nur um die ukrainischen Athletinnen und Athleten, sondern natürlich auch um die russischen. Letztendlich sind es diejenigen, die am meisten darunter leiden und die können vermutlich am wenigsten dafür.“
Schwarzbach über politische Rahmenbedingungen
Der Deutsche Skiverband habe die Entscheidung erstmal zur Kenntnis genommen. Trotzdem steht Schwarzbach der Entscheidung noch kritisch gegenüber: „Ob sich jetzt die politischen Rahmenbedingungen wirklich so geändert haben, dass man jetzt diese Neutralität aufheben kann, dass man wieder unter einer russischen Flagge Athletinnen und Athleten bei Weltmeisterschaften und beim Weltcup dabei haben möchte, das sei jetzt mal dahingestellt."
Entscheidungen darüber, wie es weitergeht, können Schwarzbach und der DSV nicht treffen. Die Verantwortung für die Umsetzung dieser IOC-Entscheidung liegt aktuell bei den Weltverbänden FIS und IBU. "Wir werden uns sicherlich da einbringen mit unserer Meinung, aber der Entscheidungsprozess geht jetzt erstmal von 'top to down'", sagte Schwarzbach.
Video: IOC lässt russische Athleten wieder an Wettkämpfen teilnehmen
Die Russsche Flagge bei Olympia I Archivbild
Russland braucht funktionierendes Anti-Doping-System
Eine der größten organisatorischen Herausforderungen sieht der DSV-Geschäftsführer allerdings beim Thema Doping-Kontrolle. Grundsätzlich gehe es darum, das Anti-Doping-System in Russland wieder in Betrieb zu nehmen - und das sei nicht so einfach. "Man kann nicht von Null auf Hundert das System wieder hochfahren, man braucht eine gewisse Vorlaufzeit."
Deswegen lautete die Position des DSV zu der Frage, ob russische Athleten nun wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen sollten oder nicht, in den vergangenen Jahren immer: "Wir sehen aktuell die Rahmenbedingungen als nicht gegeben für eine Rückkehr der russischen Athleten."
Schwarzbach sieht "hochemotionale Komponente"
Dies gilt es also für die FIS und die IBU nun zu organisieren. Schwarzbach äußerte sich zuversichtlich, dass die Weltverbände und der neue FIS-Präsident Alexander Ospelt sich ihrer Verantwortung bewusst seien. Denn zusätzlich zu den pragmatischen Aspekten ist Schwarzbach vor allem die "hochemotionale Komponente" bewusst, die mitschwingt, wenn sich möglicherweise in naher Zukunft ein ukrainischer und ein russischer Athlet im Wettkampf gegenüberstehen.
Video: "Rahmenbedingungen nicht gegeben": Schwarzbach über Rückkehr russischer Athleten
DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach


