Wenige Momente nachdem Vincent Kompany zum zweiten Mal in seiner Karriere als Trainer die Bundesliga-Meisterschaft gewonnen hat, trifft er sich in den Katakomben der Allianz Arena mit der BR-Kultsendung Blickpunkt Sport zum exklusiven Interview.
Gekleidet im Kakadu-T-Shirt, dem inoffiziellen Maskottchen der Kompany-Bayern, in dem er auf dem Rasen noch ausgelassen gefeiert hat, ist er nun wieder ganz gefasst. "Wir dürfen heute ein, zwei Bier trinken", sagt Kompany und fügt an: "Die Spieler nicht, aber wir können morgen dann ganz normal arbeiten. Kein Problem. Aber wichtig ist: Voller Fokus."
Kompanys Triple-Träume? "Ich weiß, wie ein Halbfinale ist"
Der Trainer des FC Bayern hat eine Mannschaft geschaffen, die nicht nur durch die Bundesliga pflügt. Am Mittwoch hat er in Leverkusen die Möglichkeit, erstmals seit sechs Jahren wieder ins DFB-Pokal-Finale einzuziehen. Ein Erfolg, der seinen Vorgängern wohl nicht aus mangelnder Qualität verwehrt blieb – es haperte wohl eher an der richtigen Einstellung. Und dann wartet da ja eine Woche später noch ein gewisses Paris Saint-Germain im Halbfinale der Champions League.
Der 40-jährige Belgier könnte Ende Mai der dritte Triple-Trainer des FC Bayern sein. Wie fühlt sich das an? "Ich will erstmal in Leverkusen gewinnen", sagt Kompany. Was bei vielen die ausgeleiertste Binsenweisheit im Fußballgeschäft ist - nur von Spiel zu Spiel zu denken - ist beim Münchner Trainer absolutes Credo: "Vielleicht klappt das für andere Leute. Für mich würde das nicht funktionieren, wenn ich sage, ich will Triple-Trainer werden. Ich weiß, wie ein Finale ist, ich weiß, wie ein Halbfinale ist. Das ist höchstes Niveau. Da muss schon alles klappen. Aber ich weiß, dass wir das nächste Spiel gewinnen können – und das reicht für mich."
FC-Bayern-Rezept: Voller Fokus – selbst in Freundschaftsspielen
Kompany verspricht: In Gedanken ist niemand bei der Champions-League-Hymne, beim Flutlicht, bei Paris. "Nein. Nein. Vielleicht treffen wir Entscheidungen, dass wir frischer in dieses Spiel reinkommen. Aber außer dieser Entscheidung ist nichts wichtiger als das nächste Spiel", so Kompany. Und gibt ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: "Wir haben alle Siege ein bisschen gefeiert. Wenn wir letzte Woche gegen Pauli 5:0 gewinnen, war das für uns auch ein Moment, den wir genossen haben. Auch wenn wir noch Real Madrid spielen mussten – am Tag eines Spieles musst du schätzen, was du erreicht hast. Und am nächsten Tag musst du alles vergessen, was du erreicht hast und von Anfang an wieder das zeigen, was wir können."
Diese Mentalität hat Kompany seiner Mannschaft in der Vorbereitung vorgelebt und eingeimpft: "Wir waren schon in den Freundschaftsspielen sehr intensiv. Wir haben nicht bis zum Ende der Saison gewartet und dann gesagt: 'Auf geht’s, Jungs, schauen wir mal'. Für uns war jedes Spiel dermaßen intensiv, dass wir gar nicht auf das nächste Spiel schauen konnten."
Kompanys Philosophie: Zusammenhalt und Ruhe in Krisen
Bei all der Intensität betont der Coach des FC Bayern die Bedeutung einer guten Stimmung in der Mannschaft, die sein Team seit seiner Amtsübernahme vor gut zwei Jahren begleitet: "Man darf nicht auf die ersten Siege warten. Vor zwei Jahren waren wir Dritter, aber trotzdem war die Vorbereitung gut. Wir hatten dieses Gefühl von Zusammenhalt."
Und sein Geheimrezept im aufgeregten Umfeld des FC Bayern: "In schwierigen Momenten ruhig bleiben, Vertrauen haben, dass wenn wir unsere Vorbereitung richtig machen und wir alles auf dem Platz geben, wir einfach die Qualität haben, immer ein Spiel zu drehen, immer etwas zu erreichen."
Sperre gegen Paris: "Es hat mich frustriert"
Mit dieser Mischung aus Arbeitseifer, Gewissenhaftigkeit und Ruhe wurde Kompany zu einem Vorbild, dem diese gestandene Mannschaft nacheifert. Im Hinspiel des Champions-League-Halbfinales muss das Team auf diesen Ruhepol auf der Bank verzichten. Kompany fehlt gesperrt. "Nach dem Spiel gegen Real Madrid war es schon so, dass es mich frustriert hat. Weil ich glaube, dass es nicht die richtige Entscheidung war, aber jetzt ist es vorbei", erklärt Kompany. "Ich vertraue der Mannschaft – es ist nicht mein Halbfinale, es ist das Halbfinale von unserer Mannschaft, unserem Kader und unserem Verein."
Und ohnehin: Paris ist ja noch weit weg. Davor kommt erstmal das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Leverkusen. Dann ein Auswärtsspiel gegen Mainz in der Bundesliga. Erst danach geht der volle Fokus auf Paris. Das nächste Spiel ist schließlich das wichtigste.
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