"Keep it calm and stay friends" – Zu deutsch: "Ruhe bewahren und Freunde bleiben." Das ist in diesen Tagen laut Staatssekretär Tobias Gotthardt (FW) das Motto in Bayerns Wirtschaftsministerium, wenn es um einen möglichen Teilabzug von US-Truppen aus der Oberpfalz geht. Man müsse erst einmal konkret wissen, an welche in Deutschland stationierten Einheiten tatsächlich ein Verlegungsbefehl ergehen werde. Dann sehe man auch, ob tatsächlich auch die nördliche Oberpfalz betroffen sei.
Regiment aus Vilseck im Fokus
Aktuell kursieren Spekulationen um das 2. Kavallerieregiment. US-Medien wie das offizielle Armee-Organ "Stars and Stripes" (externer Link) hatten es als Kandidaten für eine Verlegung aus Bayern ins Spiel gebracht. Die Einheit mit fast 5.000 Soldaten ist in Vilseck stationiert, neben Hohenfels und Grafenwöhr eine der drei Gemeinden, von denen aus Soldaten den größten Truppenübungsplatz der US-Armee in Europa nutzen. Bisher hatte man auf US-Seite regelmäßig die strategische Bedeutung der Truppe betont. Das bereits 1836 gegründete Regiment stelle auf der einen Seite einen wichtigen Pfeiler der konventionellen Abschreckung der Nato dar. Gleichzeitig dient die Truppe als erfahrener Trainingsgegner bei großen Militärübungen. Sie ist zudem die einzige in Deutschland stationierte Kampfeinheit des US-Heeres in Brigadegröße.
Hin und Her in Grafenwöhr
In seiner ersten Amtszeit hatte Präsident Donald Trump schon einmal den Abzug dieser Truppen aus der Region Grafenwöhr in die Wege geleitet. Damals begründete Trump diese Entscheidung mit seiner Unzufriedenheit über angeblich zu niedrige Militärausgaben Deutschlands. Sein Nachfolger Joe Biden hatte diese Verlegung aber gestoppt und dann sogar einen Ausbau der Anlagen in der Oberpfalz für mehr als 1 Milliarde Euro angeordnet. In der Region leben rund 30.000 US-Bürger, nämlich Militärangehörige und deren Familien.
Grafenwöhr als modernster Truppenübungsplatz
Auf die hohen und immer noch laufenden Investitionen in die Modernisierung des Truppenübungsplatzes verwies Staatssekretär Tobias Gotthardt auch gegenüber dem BR. Darüber hinaus sei Grafenwöhr für die US-Truppen auch strategisch wichtig. Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch wiederum sagte, ein Teilabzug wäre aus vielen Gründen widersinnig. So lobten die US-Militärs vor Ort regelmäßig eine weltweit einmalig reibungslose Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden. Darüber hinaus gebe es tausende von deutschen Zivilangestellten, die mit ihrem Fachwissen den Betrieb am Laufen hielten. All dies müsse eine Rolle spielen, so Knobloch. Ob der für sprunghafte Entscheidungen bekannte US-Präsident für solche Argumente zugänglich ist, bleibt offen.
Vorbereitungen für den Fall der Fälle
Sollte es trotz aller Hoffnungen und Argumente tatsächlich zum Abzug tausender US-Soldaten und ihrer Angehörigen aus der nördlichen Oberpfalz kommen, dann sieht sich die bayerische Staatsregierung vorbereitet. Tobias Gotthardt sagte, man habe rund um die ersten von Trump angedrohten Verlegungen eine Kommunikationsstruktur mit den örtlichen Kommunen aufgebaut und auch ein Instrument aus der Kommunal- und Regionalförderung aufgelegt, das damals aber nicht benötigt wurde. Darauf könnte man im Ernstfall zurückgreifen, so Gotthardt: "Wenn es soweit käme, dann wären wir bereit."
Transparenzhinweis: Die Angabe zu den Gemeinden rund um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr haben wir präzisiert in: "Die Einheit mit fast 5.000 Soldaten ist in Vilseck stationiert, neben Hohenfels und Grafenwöhr eine der drei Gemeinden, von denen aus Soldaten den größten Truppenübungsplatz der US-Armee in Europa nutzen."
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