Jeder vierte Ausbildungsplatz in den gewerblichen Bauberufen bleibt unbesetzt. Das ist die traurige Statistik im Baugewerbe. Der zunehmende Fachkräftemangel macht sich hier besonders bemerkbar. Auszubildende sind schwer zu finden. Die Dechant Hoch- und Ingenieurbau GmbH aus Weismain im Landkreis Lichtenfels geht deshalb neue Wege und bildet gezielt junge Menschen aus Drittstaaten aus.
Afrikanische Azubis ein Glücksfall
Einer davon ist Tawanawedu Chitswatswa aus Simbabwe. Er möchte Grey genannt werden. Für Arbeiten mit Holz hat Grey ein besonderes Geschick. Vor einem knappen Jahr kam der 20 Jahre alte Mann aus seinem Heimatland nach Deutschland, um hier eine Berufsausbildung zu absolvieren. Seit September 2025 lernt er bei der Firma Dechant in Weismain den Beruf des Tiefbaufacharbeiters.
In seiner Heimat hatte er zuvor als Gärtner und Englischlehrer gearbeitet, nun will er im Baugewerbe Fuß fassen. "Hier kann ich weiterlernen, mein Deutsch verbessern und in die Schule gehen. Gerade mache ich meinen Führerschein." Auch dabei werde er von seinem Arbeitgeber unterstützt.
Grey ist einer von insgesamt elf afrikanischen Azubis, die bei der Firma eine dreijährige Ausbildung absolvieren. Sie kommen aus Ländern wie Simbabwe, Marokko oder Togo. Viele von ihnen haben im Heimatland Abitur gemacht, einige sogar dort studiert. Nun wollen sie sich bei dem Unternehmen als Maurer oder Betonbauer ausbilden lassen.
Für die Firma sind die afrikanischen Azubis ein Glücksfall. Denn wie viele andere Unternehmen der Baubranche suchen auch die Weismainer händeringend Nachwuchskräfte. Geschäftsführer Peter Dechant betont, "Betonbauer, die gute Arbeit machen, sind alle jenseits der 50. Da brauchen wir unbedingt Ersatz. Deswegen ist es ganz wichtig, dass dieses Experiment oder der Versuch auch klappt."
Mit Ausbildungs-Visa nach Deutschland
Das "Experiment" bedeutet konkret: Die jungen Afrikaner kommen mit Ausbildungs-Visa nach Deutschland, haben meist auch schon recht gute Sprachkenntnisse. Darauf aufbauend bietet die Firma den Azubis jede Woche drei Stunden Sprachkurs an. Ingo Buchmann, Personalleiter vor Ort weiß, dass das nötig ist: "Da sind noch Feinheiten, die in diesen Sprachunterrichten gezielt vermittelt werden. Es ist extrem wichtig, dass die Azubis in der Schule mitkommen und die Berufsschule ist dahingehend schon anspruchsvoll."
Außerdem werde am Land auch viel Dialekt gesprochen und den könnten die Azubis aus Afrika im Schulalltag vertiefen, was es ihnen leichter mache. Auch Grey hat sich mittlerweile an den oberfränkischen Dialekt gewöhnt. Er fühlt sich in Weismain wohl und will deshalb auch nach der Ausbildung als Facharbeiter bei dem Betrieb bleiben.
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