Eine Hand hält diverse Geldscheine, die sich auflösen.
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Niemand schafft Bargeld ab, aber es verschwindet trotzdem.
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Niemand schafft Bargeld ab, aber es verschwindet trotzdem.

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Bargeld abschaffen? Warum uns das alle teuer zu stehen kommt

Bargeld abschaffen? Warum uns das alle teuer zu stehen kommt

Immer weniger Geldautomaten, kaum noch Bankfilialen und jetzt plant die EU neue Regeln fürs Barzahlen. Wird Bargeld abgeschafft? Nein. Aber sein Verschwinden macht uns erpressbar. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

Erstmals haben die Deutschen 2025 öfter bargeldlos als bar bezahlt. Finanzexperte Jorim Gerrard von der NGO Finanzwende stellt klar: "Was stimmt, ist, dass Bargeld schleichend tatsächlich immer weniger benutzt wird." Gleichzeitig kursieren Verschwörungserzählungen über eine geplante Bargeldabschaffung, befeuert von Rechtspopulisten und dubiosen YouTube-Kanälen. Die Wahrheit ist nüchterner, aber nicht weniger beunruhigend, sagt Wirtschaftspsychologin Julia Pitters im BR24-Interview für "Possoch klärt".

Niemand schafft Bargeld ab, aber es verschwindet trotzdem

Weder EU noch EZB planen eine Abschaffung. Die Europäische Zentralbank arbeitet gerade an einer neuen Euro-Serie und an einer EU-Verordnung, die Händler künftig verpflichten soll, Bargeld anzunehmen. Matthias Callen von der Deutschen Bundesbank berichtet von einem parteienübergreifenden politischen Konsens: Kein einziges Wahlprogramm wolle das Bargeld abschaffen. Ganz im Gegenteil: Eine Zentralbank, die Bargeld abschafft, wäre "wie ein Bäcker, der das Brot abschafft", bringt es Gerrard auf den Punkt.

Die Sorge wächst trotzdem: Geldautomaten und Bankfilialen verschwinden, manche Läden akzeptieren kein Bargeld mehr, und US-Konzerne wie PayPal schalten aggressive Kampagnen gegen das Zahlen mit Scheinen. Dazu kommen gezielte Desinformationen von Akteuren, die grundsätzlich gegen staatliche Institutionen agitieren. Hinter der diffusen Angst steckt ein einfaches Rechenbeispiel.

Bargeld kostet, aber sein Wegfall würde mehr kosten

Bargeld ist teuer: Prägen, Drucken, Lagern, Transportieren. Schätzungen beziffern den Aufwand auf rund 20 Milliarden Euro jährlich, etwa 0,45 Prozent des BIP. Dazu kommen Steuerausfälle durch Schwarzarbeit und Geldwäsche in Höhe von geschätzten 16 Milliarden Euro.

Aber Julia Pitters von der IU Internationalen Hochschule warnt vor einer einseitigen Rechnung: Bargeld habe auch einen messbaren gesellschaftlichen Nutzen. Studien zeigen, dass Menschen mit Bargeld in der Hand das Geld anders und oft bewusster ausgeben.

Es ist inklusiv: Kinder, Digitalverweigerer und Menschen ohne Konto können damit bezahlen. Und es ist anonym: Bei digitalen Zahlungen profitieren laut Pitters über 500 Unternehmen von den Zahldaten allein über einen Anbieter wie PayPal. "Die Daten sind bei keiner Zahloption so sehr geschützt wie beim Bargeld."

Denn auch digitales Bezahlen hat seinen Preis. Jede Kartenzahlung bringt Transaktionsgebühren: zwischen 0,2 Prozent bei der Girocard und bis zu 2,5 Prozent bei Kreditkarten. Diese Kosten tragen Händler und damit letztlich Verbraucher. Ökonomen warnen: Ohne Bargeld als Alternative würden diese Gebühren weiter steigen.

Im Video: Will die EU das Bargeld abschaffen – und wäre das so schlimm? Possoch klärt!

Wenn Visa den Stecker zieht

Das eigentliche Risiko liegt tiefer: Digitales Bezahlen in Europa läuft fast ausschließlich über US-Konzerne: Visa, Mastercard, PayPal. Gerrard benennt die Konsequenz direkt: "Wenn Trump morgen sagt, Visa und Mastercard sollen ihre Dienste für Europa einstellen, steht bei uns quasi die Ladenkasse still." Das klingt zugespitzt, ist es aber nicht: Im vergangenen Jahr schlossen US-Tech-Unternehmen auf Anordnung der Trump-Regierung einen französischen Richter (externer Link) von ihren Diensten aus.

Schweden, lange Primus für eine bargeldlose Gesellschaft, hat bereits reagiert: Ein neues Gesetz verpflichtet Händler wieder zur Bargeldannahme. Den großflächigen Stromausfall in Spanien und Portugal im April 2025, bei dem nur Barzahler noch einkaufen konnten, nennt Pitters einen Vorgeschmack auf Szenarien, "die immer wahrscheinlicher werden".

Der "Digitale Euro" als Gegenmittel?

Die Antwort der EU ist der Digitale Euro: geplant für 2029, konzipiert als öffentliche Alternative zu privaten US-Zahlungssystemen, die kein Staat einfach abschalten kann. EZB-Chefin Christine Lagarde hat jüngst klargestellt: Bargeld soll dadurch nicht ersetzt, sondern ergänzt werden.

Gerrard fasst zusammen: "Wer diese Zahlungssysteme kontrolliert, kann auch politischen Druck ausüben. Deswegen brauchen wir eine öffentliche Alternative." Das Bargeld verschwindet nicht, weil es jemand abschaffen will. Es verschwindet, weil wir es immer seltener nutzen. Die Frage ist, wer die Kontrolle übernimmt, wenn es weg ist.

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