Der Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges hat die Preise in der Eurozone stark ansteigen lassen. Die Notenbanker, deren oberstes Ziel eine stabile Währung ist, haben nun darauf reagiert. Der Schritt der Europäischen Zentralbank ist erwartet worden.
Druck auf die Notenbank ist zuletzt deutlich gestiegen
Im vergangenen Monat sind die Verbraucherpreise in der Eurozone gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,2 Prozent gestiegen. Schon im Monat zuvor, im April, gab es einen kräftigen Anstieg um drei Prozent. In Deutschland lag die Inflationsrate übrigens im Mai bei 2,7 Prozent.
Aber auch dieser Anstieg liegt deutlich über der von der Europäischen Zentralbank angestrebten Zwei-Prozent-Zielmarke. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte bereits im Vorfeld immer wieder betont, dass die Notenbank bereit sei zu handeln, falls nötig. Der Angebotsschock beim Öl hat die Spritpreise in den vergangenen Wochen stark anziehen lassen.
Mögliche Folgen für die Wirtschaft
Höhere Leitzinsen bedeuten, dass sich voraussichtlich auch die Kredite entsprechend verteuern. Denn Sparkassen und Banken müssen nun mehr bezahlen, wenn sie sich Geld von der Zentralbank leihen, um es an ihre Kunden in Form von Krediten weiterzureichen. Deshalb ist davon auszugehen, dass sie die Zinsen für Unternehmenskredite dementsprechend anheben.
Ein weiterer Effekt: Höhere Zinsen für Firmenkredite lassen Unternehmen voraussichtlich vorsichtiger werden, zum Beispiel beim Investieren. Außerdem bekommen die Geldinstitute nun mehr für ihre Einlagen, die sie bei der EZB parken. Diese ganze Entwicklung ist von den Notenbankern eigentlich auch genauso gewollt, denn dadurch wird die Nachfrage gebremst und das soll wiederum den steilen Preisanstieg dämpfen.
Das Problem: Zinsschritte in wirtschaftlichen Flauten können zusätzliche Probleme verursachen
Dieser Zinsschritt nach oben trifft die Wirtschaft in der Euro-Zone in einer schweren Zeit. Die Unternehmen leiden unter den Folgen des Iran-Kriegs. Im ersten Quartal ist die Wirtschaft im Euroraum überraschend geschrumpft. In Deutschland gab es laut der europäische Statistikbehörde Eurostat nur ein kleines Plus von 0,3 Prozent (externer Link). Und die Prognosen sind eher düster.
Was heißt der Zinsanstieg für die Verbraucher?
Die heutige Entscheidung der Europäischen Zentralbank kann dazu führen, dass auch die Zinsen für Verbraucherkredite oder Hypotheken entsprechend steigen. Denn wenn die Refinanzierungskosten der Geldinstitute durch den EZB-Schritt direkt betroffen sind, muss auch hier damit gerechnet werden, dass sich dies indirekt auf die Zinssätze für Darlehen auswirkt.
Dabei hängt zum Beispiel die Höhe der Bauzinsen von den langfristigen Kapitalmarktzinsen ab, vor allem von der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen. Bereits vor einigen Wochen sind hier die Zinsen gestiegen, auf 3,5 bis knapp unter vier Prozent für ein zehnjähriges Darlehen. Weitere Anstiege sind nicht ausgeschlossen.
Für Sparer kann das eine gute Nachricht sein. Für sie kann wieder mehr Zinsen auf ihre Einlagen geben. Mittlerweile sind für Tagesgeld je nach Laufzeit bereits bis zu vier Prozent möglich. Allerdings kritisieren Verbraucherschützer häufig, dass viele Hausbanken wie Sparkassen gestiegene Zinsen – wenn überhaupt – nur verzögert an ihre Kundschaft weitergeben.
Sind Auswirkungen auf die Aktienmärkte zu erwarten?
Generell lässt sich sagen, dass höhere Zinsen schlecht für die Aktienmärkte sind, da alternative Geldanlagen dadurch attraktiver werden. Wenn Unternehmen weniger investieren und die Wirtschaft weiter schwächelt, muss unter Umständen auch mit sinkenden Gewinnen der börsennotierten Konzerne gerechnet werden. Das dürfte den Anlegern nicht gefallen.
Die jetzige Zinsentscheidung kommt allerdings nicht überraschend und dürfte größtenteils in den Kursen schon "eingepreist" sein. Trotz schwacher Konjunkturentwicklung und der vielen Krisen kann sich der DAX erstaunlich gut halten und notiert nicht weit weg von seinem Allzeithoch.
Umso wichtiger ist für die Investoren, was die Europäische Zentralbank künftig plant. Bleibt es erst einmal bei dieser einmaligen Erhöhung oder sind weitere Zinsschritte möglich? Es wird jedenfalls ganz genau hingehört werden, wenn EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung spricht und ihre Entscheidung begründet.
Überwiegend Verständnis für die Europäische Zentralbank
Die ersten Reaktionen auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank fallen überwiegend positiv aus. Da die Inflation im Euroraum drei Prozent überschritten habe und wenig Aussicht auf Entspannung im Iran-Konflikt bestehe, sei eine Zinserhöhung jetzt der richtige Schritt, meint unter anderem der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Seiner Meinung nach haben die Märkte die Anhebung bereits erwartet und entsprechend eingepreist.
Das ist auch am Aktienmarkt am DAX ablesen, der sich nach der Bekanntgabe der Zinsentscheidung kaum bewegt hat. Generell lässt sich sagen, dass höhere Zinsen schlecht für die Aktienmärkte sind, da alternative Geldanlagen dadurch attraktiver werden. Wenn Unternehmen weniger investieren und die Wirtschaft weiter schwächelt, muss unter Umständen auch mit sinkenden Gewinnen der börsennotierten Konzerne gerechnet werden. Aber auch insgsamt kann sich der DAX trotz schwacher Konjunkturentwicklung und der vielen Krisen erstaunlich gut halten und notiert nicht weit weg von seinem Allzeithoch. Auch der Chefvolkswirt der Bayern LB, Jürgen Michels, rechnet nicht mit großen Auswirkungen. Der einzelne Schritt tue nicht viel, sagte er im BR24-Interview. Die große Frage sei jetzt: bleibt es bei diesem einen Schritt oder kommen noch weitere Zinsanhebungen?
Wenn sich die Inflation also in den nächsten Monaten verfestigt, könnte es dazu führen, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen weiter anhebt. Das hätte dann voraussichtlich deutlichere Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Eurozone.
Video: EZB erhöht Leitzins erstmals seit fast drei Jahren
EZB
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