Blick auf eine Kurs-Anzeigetafeln in der Frankfurter Börse.
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Die Börsen reagieren auf die angekündigte zweiwöchige Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA.
Bildrechte: picture alliance/dpa | Hannes P Albert
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Die Börsen reagieren auf die angekündigte zweiwöchige Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA.

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> Wirtschaft >

Feuerpause im Iran – war's das mit der Inflationsgefahr?

Feuerpause im Iran – war's das mit der Inflationsgefahr?

Zwei Wochen sollen die Waffen schweigen und die Straße von Hormus wieder geöffnet werden. An den Märkten ist die Erleichterung abzulesen: Der Ölpreis fiel in kürzester Zeit um 15 Prozent, der DAX stieg um 5 Prozent. Doch ist damit alles gut?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Die Waffenruhe im Iran-Krieg nimmt etwas den Druck aus dem Kessel – aber für eine endgültige Entwarnung ist es noch viel zu früh. Alles hängt davon ab, ob die Bedingungen eingehalten werden und vor allem, ob die Schiffe wirklich gefahrlos die Straße von Hormus passieren können. Und es kommt darauf an, wie es nach den zwei Wochen weitergeht. Gibt es wirklich Frieden in der Region?

Schnelle Normalisierung bei einem endgültigen Frieden

Angenommen, die Verhandlungen verlaufen gut, es gibt einen stabilen Frieden im Nahen und Mittleren Osten und die Straße von Hormus bleibt passierbar, dann könnte die Inflationsgefahr gebannt sein. Die Preise für Rohöl und Gas könnten sich schnell normalisieren. Auf das Vorkriegsniveau dürften sie allerdings nicht gleich fallen, denn es sind einige Produktionsanlagen zerstört worden und die, die stillgelegt wurden, brauchen eine Weile, bis sie wieder voll einsatzfähig sind.

Was passiert an den Tankstellen?

Wie stark die Inflationsrate wieder zurückgeht, kommt jetzt auch auf die Mineralölkonzerne an. Wie stark senken sie die Preise und wie schnell? Am Morgen der Verkündung der Feuerpause war noch keine Reaktion an den Tankstellen zu sehen. Es waren aber vor allem die Benzin- und Energiepreise, die die Inflationsrate im März auf 2,7 Prozent hochgetrieben haben. Sollten die Preise schnell wieder sinken, wird auch die Inflationsrate wieder zurückgehen.

Keine Ausweitung der Inflation auf andere Produkte

Damit wären auch die gefürchteten Zweitrundeneffekte begrenzt. Das heißt, die höheren Energiepreise dürften sich nicht sehr stark auf andere Produkte, die mit viel Energie hergestellt werden, übertragen. In den Prognosen der Wirtschaftsforscher und der Europäischen Zentralbank gab es jeweils ein "optimistisches" Szenario. Voraussetzung war dafür vor allem ein schnelles Ende des Irankriegs und eine Öffnung der Straße von Hormus.

Prognosen der Wirtschaftsforscher und der EZB

In der Gemeinschaftsdiagnose der wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute wird im optimistischen Szenario eine Inflationsrate von 2,2 Prozent in diesem Jahr und 2,3 Prozent im nächsten Jahr vorausgesagt. Das ist etwas mehr als vor dem Krieg, aber nicht dramatisch.

Im mittleren Szenario der Europäischen Zentralbank wird eine Normalisierung der Lage im Nahen und Mittleren Osten erst für den Herbst angenommen, allerdings ohne Zerstörung der Infrastruktur vor Ort. Für dieses Szenario rechnet die EZB in diesem Jahr mit einer Inflationsrate von 3,5 Prozent und im nächsten Jahr mit 2,1 Prozent.

Was heißt das für Autofahrer, Verbraucher und Unternehmen?

Wenn alles gut ausgeht, dann dürfte sich die Inflation schnell wieder beruhigen: Die große Welle würde ausbleiben. Die höheren Ausgaben würden sich wohl auf die Zeit des Krieges beschränken. Auch die Unternehmen hätten nur für die Kriegswochen höhere Energiekosten, die sie entweder selbst ausgleichen können oder in geringem Maße an die Verbraucher weitergeben. Aber: Die Unsicherheit ist extrem groß – und es bleibt abzuwarten, was die Gespräche der Kriegsparteien ergeben.

Sollte der Krieg nicht beendet werden, dann springen wir zurück auf die Situation Anfang dieser Woche, und die Gefahr einer stärkeren Inflationswelle, die sich auch auf viele andere Produkte ausweitet, wird wieder Realität.

  • Die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Folgen des Iran-Kriegs erklärt auch der ARD Plusminus Podcast, der vor der Verkündung der Waffenruhe aufgezeichnet wurde.

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