Bayern, Wolfersberg: Ein Anzeige für Temperatur ist in der Anlage des Gasspeicher Wolfersberg, östlich von München
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Bayern, Wolfersberg: Ein Anzeige für Temperatur ist in der Anlage des Gasspeicher Wolfersberg, östlich von München
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Gasspeicher nur halb voll: Wird Heizen jetzt teurer?

Gasspeicher nur halb voll: Wird Heizen jetzt teurer?

Die deutschen Gasspeicher sind so leer wie zuletzt 2018. Warum Händler derzeit kaum Gas einlagern, welche Folgen Konflikte auf dem Weltmarkt haben und was Gaskunden jetzt wissen sollten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Aktuell sind die Gasspeicher in Deutschland nur zur Hälfte gefüllt. Zuletzt waren die Speicher im August 2018 so leer. Die 46 großen Gasspeicher in der Bundesrepublik können etwa 23 Milliarden Kubikmeter Gas speichern. Das ist fast die Hälfte des Volumens des Bodensees.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft zeigt sich mit Blick auf die niedrigen Füllstände besorgt, "Lieferengpässe gibt es aktuell zwar nicht mehr, da mittlerweile auch viel Gas aus Norwegen und über die deutschen Flüssigerdgas-Terminals bezogen wird", sagt Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt, es bestehe jedoch das Risiko, dass die aktuellen Marktanreize nicht ausreichen, um die Gasspeicher ausreichend zu befüllen.

Wie voll sind die bayerischen Gasspeicher?

Laut bayerischem Wirtschaftsministerium sind die fünf Gasspeicher in Bayern aktuell durchschnittlich zu rund 28 Prozent gefüllt, jedoch mit großen Unterschieden (siehe Grafik). Gleichzeitig betont das Ministerium, dass Bayern für die Versorgungssicherheit in Süddeutschland auch direkt an zwei Speicher in Österreich angeschlossen sei. Nimmt man diese in Betracht, liege der durchschnittliche Füllstand bei rund 47 Prozent. Eine rein bayerische Betrachtung sei "nicht zielführend, da Speicher sowohl marktlich wie physikalisch überregional sowie grenzüberschreitend im Rahmen des EU-Binnenmarkts wirken."

Warum sind die Gasspeicher so leer?

Das Geschäftsmodell von Gashändlern wie Uniper oder RWE lief lange so: Gas im Sommer einkaufen, wenn es günstig ist, in Speichern zwischenlagern, und im Winter, wenn viel geheizt wird, teurerer verkaufen. Doch aktuell lohnt es sich kaum für die Gashändler, die Speicher zu befüllen, da die Rechnung "Sommer = günstiges Gas" derzeit nicht aufgeht.

Seit dem Ukraine-Krieg fließt kein russisches Pipeline-Gas mehr nach Deutschland. Dafür nahmen Gas-Importe über Pipelines aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien zu. Gleichzeitig importiert Deutschland mehr Flüssiggas (LNG), das per Schiff angeliefert wird. LNG macht rund zehn Prozent der deutschen Gas-Importe aus. Das bringt Flexibilität, ist jedoch technisch aufwändiger und damit teurer.

Außerdem ist seit dem Iran-Krieg die Straße von Hormus größtenteils gesperrt, was den Transport von Öl und LNG aus der Region erschwert und die Preise in die Höhe treibt. In Zeiten normalen Schiffsverkehrs fließen täglich rund 20 Prozent des weltweiten LNG durch die Straße von Hormus. Laut Berechnungen der Bundesnetzagentur sind "die Endkundenpreise seit dem Ausbruch des Konfliktes am Persischen Golf um rund zehn Prozent gestiegen".

Steigen die Preise für Gaskunden?

Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher warnt der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) vor steigenden Preisen für Gaskunden. Laut Matthias Rösch, Energieberater bei der Verbraucherzentrale Bayern, sind die Preise aufgrund der aktuellen Weltlage "sehr volatil". Deswegen sei eine kurzfristige Vorhersage auf die nächsten Monate Spekulation. Außerdem haben viele Privatkunden Gasverträge mit ihren Versorgern mit einer Laufzeit von ein bis zwei Jahren, für diesen Zeitraum sind die Preise dann festgeschrieben. Ein wichtiger Faktor für die Preise sei auch, wie kalt der Winter wird.

Energieexperten gehen aktuell davon aus, dass Deutschland mit einer Kombination aus LNG, Pipeline-Gas und Gas aus Speichern über einen milden Winter kommt, auch wenn die Speicher aktuell nur zur Hälfte gefüllt sind. Sollte der Winter kälter werden, müsste relativ viel LNG und Pipeline-Gas zugekauft werden. Dann könnten die Preise steigen.

Worauf können Gaskunden achten?

Laut Verbraucherzentrale Bayern sollen Verbraucher, die mit Gas heizen, zunächst prüfen, ob sie eine Preisbindung im Vertag mit ihrem Versorgen haben. Wenn sie keine Preisbindung haben, sollten Kunden auf Briefe oder Mails von ihrem Versorger achten. Die Versorger müssen nämlich ankündigen, wenn sie die Preise anheben. Dann haben Kunden meist ein Sonderkündigungsrecht und können sich nach Versorgern mit niedrigeren Preisen umschauen.

Dass die Speicherstände aktuell nur wenig befüllt sind, sei bei den meisten Kunden noch nicht durchgedrungen, so Energieberater Rösch. In den ländlicheren Regionen von Bayern sei Heizen mit Gas ohnehin kein großes Thema, da werde noch viel mit Öl geheizt. Die geringe Füllmenge der Speicher aktuell sei "keine gute Situation, aber man solle auch nicht dramatisieren". Für viele Kunden sei das viel größeres Thema derzeit die Frage, ob und wann sie sich komplett vom Gas verabschieden und sich eine Wärmepumpe einbauen. Denn Gas werde, so Rösch, aufgrund von CO2-Bepreisung und steigenden Netzentgelten "perspektivisch einfach teurerer". Verbraucher sollten sich deshalb frühzeitig mit alternativen Heizsystemen beschäftigen.

Im Video: So steht es um die Gasspeicher in Deutschland

Symbolbild: Eine Gasflamme.
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Symbolbild: Eine Gasflamme.

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