Die Minijob-Debatte geht weiter: Vom Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hieß es am Dienstag, die geringfügige Beschäftigung sollte weitgehend abgeschafft werden. Eine ähnliche Forderung stellte im November bereits die Arbeitnehmergruppe der Unionsfraktion im Bundestag. Diese Forderung hat es nun auf die Agenda des CDU-Parteitags geschafft, der ab heute in Stuttgart stattfindet.
Wie viele Personen würde die Abschaffung der geringfügigen Beschäftigung in Bayern treffen? Welche Branchen wären besonders betroffen? Und wer sind die Menschen, die im Freistaat in Minijobs arbeiten? Um das zu beantworten, hat BR24 die Daten der Bundesagentur für Arbeit analysiert.
Wie viele Menschen in Bayern haben einen Minijob?
Zum Stichtag im Juli 2025 arbeiteten in Bayern rund 728.000 Menschen ausschließlich in einer geringfügigen Beschäftigung – weitere rund 725.000 übten den Minijob zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit aus.
Der Vergleich zwischen den Bundesländern zeigt, dass der Freistaat mit rund 22 Prozent Minijobbern eher im Durchschnitt liegt. Allerdings ist der Anteil an Menschen, die zusätzlich einen Minijob haben – neben einer Arbeit in Vollzeit oder Teilzeit – in keinem Bundesland so hoch.
Was ist ein Minijob?
"Minijob" ist nicht nur Umgangssprache – der Begriff kommt auch in Behördentexten und offiziellen Dokumenten vor. Gemeint ist eine sogenannte geringfügige Beschäftigung. Geringfügig ist entweder die Entlohnung – das ist die große Mehrheit – oder die Arbeitszeit.
Bei Variante eins darf das regelmäßige Einkommen monatlich 603 Euro (Stand: Februar 2026) nicht übersteigen, auch nicht bei mehreren Minijobs zusammen. Die Grenze orientiert sich am Mindestlohn und wird regelmäßig angepasst. Variante zwei, die kurzfristigen Minijobs, sind von Beginn an auf eine bestimmte Zeit festgelegt, längstens für drei Monate oder maximal 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr.
Neben einem sozialversicherungspflichtigen Hauptjob darf nur eine geringfügige Beschäftigung ausgeübt werden. Diese ist grundsätzlich sozialversicherungsfrei und vereinfacht versteuert. Die Arbeitgeber zahlen oft nur Pauschalabgaben.
Geschlecht, Alter, Abschluss: Wer sind Bayerns Minijobber?
Generell arbeiten mehr Frauen als Männer in Minijobs. Für sie ist die geringfügige Beschäftigung auch häufiger die einzige Einkommensquelle – beim Minijob als Nebenverdienst ist der Unterschied kleiner.
Dass die Minijob-Quoten bei Frauen höher sind, zieht sich durch alle Altersgruppen. Als alleinige Einkommensquelle scheinen Minijobs besonders am Anfang und am Ende des Arbeitslebens eine Rolle zu spielen. In den mittleren Altersgruppen ist die Nebenverdienst-Variante stärker vertreten – besonders bei Männern.
Menschen, die keinen Berufsabschluss haben, sind am häufigsten auf geringfügige Beschäftigungen als einzige Einkommensquelle angewiesen. Als Nebenverdienst ist der Minijob aber auch bei ausgebildeten Fachkräften deutlich vertreten.
Welche Branchen wären von einer Abschaffung besonders getroffen?
Den größten Anteil an Minijobbern findet man in Reinigungsberufen. Fast 90 Prozent der Beschäftigten sind hier in geringfügiger Beschäftigung – für rund ein Drittel ist diese dann die einzige Einkommensquelle, für mehr als die Hälfte ein Nebenjob. Auch in Gastronomie und Lebensmittelgewerbe bilden Minijobber die Mehrheit.
Wie hat sich die Minijob-Situation in Bayern verändert?
In den vergangenen zehn Jahren ging der Anteil an ausschließlich geringfügig Beschäftigten stetig leicht zurück. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Minijobber, die ihre geringfügige Beschäftigung zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtig Beschäftigung (Voll- oder Teilzeit) ausüben.
Die Grundgesamtheit in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit bilden immer die sozialversichungspflichtig Beschäftigten plus die ausschließlich geringfügig Beschäftigten. Diejenigen, die in dieser Statistik unter "geringfügige Beschäftigung im Nebenjob" geführt werden, üben diese neben einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit aus. Selbständige oder Beamten etwa bildet die Statistik nicht ab. Die räumliche Zuordnung erfolgt nach dem Arbeitsort, nicht nach dem Wohnort.
💡 Sophie Menner und Claudia Kohler analysieren für BR24 TV, Radio und hier im Digitalen Daten – mit dem Fokus auf Bayern. Die Recherchen beleuchten datengestützt aktuelle Themen und deren Hintergründe und Zusammenhänge. Eine Kooperation mit der Tageszeitung Main-Post ist preisgekrönt. Haben Sie ein Thema, auf das wir mit der Datenbrille schauen sollen? Schreiben Sie uns: br24.feedback@br.de, Stichwort: Datenthema
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