(Symbolbild) Eingangsschild einer Psychotherapie-Praxis
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(Symbolbild) Die Kassenhonorare für Psychotherapie sollen sinken
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(Symbolbild) Die Kassenhonorare für Psychotherapie sollen sinken

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Kürzung bei Psychotherapien: Verbände kündigen Widerstand an

Kürzung bei Psychotherapien: Verbände kündigen Widerstand an

Die Honorare für ambulante Psychotherapie sollen ab April sinken. Die Krankenkassen halten das nach einem zügigen Anstieg für angemessen. Berufsverbände widersprechen entschieden und fordern die Bundesregierung zum Einschreiten auf.

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Ursprünglich wollten die gesetzlichen Krankenkassen die Honorare für niedergelassene Psychotherapeuten um zehn Prozent kürzen. Nach zähen Verhandlungen im dafür zuständigen Entscheidungsgremium, dem Erweiterten Bewertungsausschuss, fiel ein anderer Beschluss: Ab 1. April sinken die Honorare um 4,5 Prozent.

Weil ein anderer Vergütungsbestandteil, die Strukturzuschläge, rückwirkend zum Januar um 14,5 Prozent steigt, ergibt sich nach Berechnungen des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung eine Absenkung der Honorare um insgesamt 2,3 Prozent.

Protest von Berufsverbänden

Bei Therapeutenverbänden stößt diese Entscheidung auf entschiedene Ablehnung. Die Psychotherapeuten-Kammer des Bundes nennt die Entscheidung "völlig inakzeptabel". Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB), die auch die für Psychotherapeuten zuständig ist, spricht von einem "fatalen Signal" in einer Zeit, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung erheblich steige. Die Kürzung sei "Sparen am falschen Ende", kritisiert die KVB und fordert das Bundesgesundheitsministerium zum Einschreiten auf.

Entscheidung der Selbstverwaltung

Wie Leistungen von Ärzten oder Psychotherapeuten bezahlt werden, legen Verbände von Kassen und Kassenärzten im Rahmen der Selbstverwaltung fest. Der Erweiterte Bewertungsausschuss, der jetzt eine Absenkung der Psychotherapie-Honorare beschlossen hat, setzt sich zu je einem Drittel aus Vertretern von Kassen und Ärzten zusammen, ein weiteres Drittel sind unparteiische Mitglieder. Die Unparteiischen sind Wissenschaftler, etwa aus den Bereichen Gesundheitsökonomie oder Versorgung.

Die Ärztevertreter im Bewertungsausschuss votierten zwar gegen die Absenkung, doch die Kassen haben die Unparteiischen mit ihren Argumenten überzeugt. Wobei die Kassen eigentlich eine noch deutlich kräftigere Absenkung verlangt hatten – deswegen sprechen sie auch von einem "angemessenen Kompromiss".

Die Entscheidungen der Selbstverwaltungsgremien legen fest, wie viel Geld für welche Leistung fließt. Das letzte Wort hat allerdings das Bundesgesundheitsministerium: Es kann Entscheidungen der Selbstverwaltung beanstanden. Und genau diesen Schritt fordern jetzt Berufsverbände wie die KVB, denn sie hält die Argumente der Kassen für nicht stichhaltig.

Kassen: Deutlicher Anstieg der Honorare

Die Krankenkassen argumentieren vor allem mit einem unterschiedlichen Tempo bei der Honorarentwicklung in verschiedenen Bereichen. Seit dem Jahr 2013 seien die Honorare für Psychotherapie um 52 Prozent gestiegen, bei anderen ärztlichen Fachgruppen seien die Honorare um 33 Prozent angewachsen. Diese Schere müsse jetzt wieder geschlossen werden, erklärt der GKV-Spitzenverband.

Gleichzeitig rechnet der Verband vor, die Kassen hätten innerhalb von zehn Jahren ihre Ausgaben für Psychotherapie verdoppelt, auf rund 4,6 Milliarden Euro. Das sei ein Zehntel aller Ausgaben für die ambulante ärztliche Versorgung.

Widerspruch von Berufsverbänden

Berufsverbände aus dem Bereich der Psychotherapie halten dem entgegen, die Daten, die der jetzt beschlossenen Absenkung zugrunde liegen, würden von den Kassen falsch interpretiert. Die Praxen litten "unter steigenden Kosten und der anhaltenden Inflation", kritisiert die Bundespsychotherapeutenkammer.

Mehr Therapeuten, weniger Vollzeit

Sowohl bundesweit als auch in Bayern ist die Zahl der Psychotherapeutinnen und -therapeuten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Der GKV-Spitzenverband beziffert einen Anstieg um 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren. In Bayern ist die Entwicklung ähnlich: Im Januar 2015 zählte die KVB 4.618 Psychotherapeuten, im Juli 2025 waren es 6.824.

Allerdings hat inzwischen weniger als ein Viertel aller Psychotherapeuten eine volle Kassenzulassung. Die Zahl der Vollzulassungen ist innerhalb eines Jahrzehnts um rund die Hälfte gesunken, von 3.120 auf 1.505. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der Therapeuten mit einer halben Kassenzulassung fast vervierfacht, von 1.239 auf 4.597.

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