Gregory ist Psychotherapeut mit eigener Privatpraxis – sein Schwerpunkt: Verhaltenstherapie. Der 36-Jährige berät Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen oder Verlusten und begleitet sie durch schwere Lebensabschnitte. "Ich habe mich entschieden, eine Privatpraxis zu eröffnen, weil die Übernahme eines Kassensitzes in Deutschland sehr teuer ist", erklärt Gregory. So habe er im Kölner und Bonner Raum zwar Angebote für die Übernahme eines Kassensitzes erhalten. Allerdings hätte ihn ein halber Kassensitz – also eine Teilzulassung mit halbem Versorgungsauftrag und weniger Therapiestunden – 60.000 bis 80.000 Euro gekostet.
Der Weg in die Selbstständigkeit
Gregory fing nach seinem Abitur an, Psychologie zu studieren. Nach erfolgreichem Master promovierte er und spezialisierte sich auf die Verhaltenstherapie. Wer als Psychotherapeut seine Leistungen über Krankenkassen abrechnen möchte, braucht eine sogenannte Approbation. Diese erlangt man durch eine fünfjährige Ausbildung, die Gregory nach seinem Psychologiestudium absolviert hat. Diese Ausbildung ist teuer, weshalb er damals einen Kredit über 25.000 Euro aufgenommen hat.
Während dieser Phase machte sich Gregory bereits selbstständig. Damit ist er nicht allein: Laut Bundesagentur für Arbeit machen sich rund 40 Prozent der Psychologinnen und Psychologen in Deutschland nach dem Studium selbstständig. Während seiner Ausbildung zum Psychotherapeuten, arbeitete Gregory in der ambulanten Psychotherapie und hielt Informationsveranstaltungen oder Vorträge an Hochschulen.
Honorarkürzungen für Psychotherapeuten
Zuletzt sorgten Honorarkürzungen für Psychotherapeuten für Aufsehen und deutschlandweite Demonstrationen: Die gesetzlichen Krankenkassen kürzten die Honorare für ambulante Therapien zum 1. April um 4,5 Prozent. Die Begründung: Die Honorare für Psychotherapie seien seit 2013 um mehr als 50 Prozent gestiegen. In anderen ärztlichen Praxen läge der Anstieg bei 30 Prozent. Kritiker und Psychotherapeuten fürchten jedoch, dass sich die ambulante psychotherapeutische Versorgung dadurch massiv verschlechtern könnte.
Schon vor dem Beschluss erwies es sich als schwierig, einen Therapieplatz zu bekommen: In Bayern warteten Patienten laut einer Erhebung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns im Jahr 2023 im Durchschnitt 97 Tage lang auf den Beginn ihrer Therapie.
Was verdient ein Psychotherapeut?
2024 machte Gregory einen Umsatz von 126.000 Euro, das entspricht einem durchschnittlichen monatlichen Gewinn nach Steuern von rund 6.500 Euro. Monatlich zahlt Gregory in die Krankenkasse und in das Versorgungswerk der Psychotherapeuten ein, somit bleiben ihm rund 5.900 Euro.
Laut Bundesagentur für Arbeit (externer Link) liegt das monatliche Median-Gehalt für sozialversicherungspflichtige, also angestellte Psychotherapeuten bei 4.594 Euro brutto. Gregory liegt mit seinen Einkünften aus der Privatpraxis also deutlich über dem Median. "Ich habe viele Freiheiten durch meine Selbstständigkeit, ich würde es jederzeit wieder so machen."
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Hinweis der Redaktion: Wir haben den Absatz über den Weg in die Selbständigkeit um 12.25 Uhr ergänzt, um den Ausbildungsweg klarer zu machen
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